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Nachts in Bushwick…

Birgit Buchart

Birgit ist absichtlich Münchnerin und kam vor drei Jahren aus dem fernen Österreich zu uns. Neben ihrem Hochdeutsch verbessert sie in München auch ihr Englisch und studiert an der LMU Anglistik. Weil das mit dem Englisch mittlerweile ziemlich gut klappt, ist sie jetzt ein bisschen in New York und berichtet auf mucbook alle zwei Wochen von den Abenteuern einer österreichischen Münchnerin in der ganz großen Großstadt.
Birgit Buchart

München, wir müssen reden. Wenn es um dein Nachtleben geht, bemühst du dich einfach zu sehr. Die Scheiß-Drauf-Attitüde von Brooklyn hat sich auch in seinen Bars und Clubs breit gemacht und zauberte in den vergangenen Jahren eine Reihe von DIY-Lokalen in die junge Gegend von Bushwick, Brooklyn.

Große Tanzflächen und DJ Pults sind mittlerweile wieder den guten alten Holzbühnen und Amps gewichen – die Live Musik ist zurück und die lokale Bandszene scheint wieder aufzublühen. Zumindest haben mich meine zahlreichen willkürlichen Tipps von Einheimischen allesamt in die Untergrund-Musikszene geführt. Zwischen schicken, modernen Bars verstecken sich kleine, selbst gezimmerte mehr oder weniger private Locations – man weiß es oft nicht so genau – die sich nicht selten mit Künstlern und ihren Werken vermischen und sich durch ihre Einfachheit und gleichzeitige Persönlichkeit eine spezielle, kleine Atmosphäre erschaffen. Da kann es schon mal passieren, dass man erst beim Entdecken einer Zahnbürste auf der Toilette daran erinnert wird, dass nach der durchtanzten Nacht hier jemand in sein Bett geht.

skyfortressAuffällig ist auch, dass sich kaum eine Location auf eine Musikrichtung beschränkt, man kann alles bekommen: Von Hip Hop über Rock bis zu Experimental, oft auch direkt hintereinander. Ich tanzte mich eines Abends auf einer versteckten kleinen Party in Bushwick durch Jazz-Klänge, Heavy Metal Gegröle und Electro Pop Synthies und wechselte in einer anderen Nacht und Location zwischen Old School-Rap im Keller und spaciger Experimental Musik im Erdgeschoss bis zum Morgengrauen hin und her. So bekommt man natürlich nicht nur einen guten Mix an Musik, sondern einen ebenso spannenden Haufen an Menschen, die sich nicht in Schubladen stecken lassen wollen. Ausgehen in Bushwick ist vor allem eines: unkompliziert. Wie die Locations selbst, interessiert das Aussehen hier niemanden. In einer Welt abseits von Silencern und Türstehern ist schlicht und einfach alles ziemlich egal. Es ist egal was man trägt, es ist egal wie man tanzt und es ist vor allem egal mit wem man da ist – an der Bar und auf der Tanzfläche ist man eine Gemeinschaft. So zieht man in Bushwick meist durch die bezaubertsten Streetartgassen von Bar zu Bar und von Club zu Club, während man manche Freunde zurücklässt und neue mitnimmt.
Am Ende trifft man sich meist zum Morgengrauen an einem Taco-Stand und lässt die verrücktesten Tänzer und beeindruckendsten Bands Revue passieren. Was von den besucht und betanzten Lokalen am Ende wirklich lizenziert war, weiß ich nicht, Tatsache allerdings ist, dass man die jungen Wilden in Bushwick und Williamsburg eben einfach Mal machen lässt. Man lässt sie nicht nur ihre Wände sondern auch ihr Nachtleben selbst gestalten und offensichtlich braucht es keinerlei Schnick-Schnack, wie noble Cocktails oder abgefahrene Lichteffekte zur Party-Perfektion.

Von Glanz und Glamour verwöhnt ist man auf den selbst gezimmerten Tanzflächen der Lager- und Industriegebäuden in Bushwicks Nachtleben keineswegs, außer vielleicht von ihren dazugehörigen Flachdächern und ihren Skyline-Blick, wo man eine durchzechte Nacht ganz schön schick mit dem Sonnenaufgang beenden kann.

bandsFotocredit: Jonathan S. Igharas 

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