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Kaum ein Smoothie hält, was er verspricht – und das ist noch nicht das Schlimmste

Julius Zimmer

Neben Club Mate und Gin Tonic gilt der Smoothie als eines der hippsten Getränke der vergangenen Jahre. Eigentlich logisch, passt sein Bio-Image doch hervorragend in unser von Gesundheitswahn und Pseudo-Ökologie geprägtes Weltbild.

Mit einigen klugen Werbesprüchen und netten Plakaten erkämpfte sich die Saftmischung einen festen Platz im Herzen unseres Jutebeutels – auch wenn die ein oder andere Werbeaktion schon ordentlich in die Hose ging.

Wenn man jedoch den zahlreichen Untersuchungen der Zeitschrift ”Öko-Test” Glauben schenkt, dann sind der Großteil der im Handel erhältlichen Smoothies weder extrem gesund, noch halten sie immer, was sie auf ihren bunt verzierten Flaschen so alles versprechen.

Wir haben uns die größten Smoothie-Mythen genauer angeschaut:

1. „Smoothies sind voll bio und so…“

Eeehm, nein. Das stimmt leider in den meisten Fällen nicht. Prominente Marken wie “Innocent”, “Schwartau”, “Truefruits” und “Chiquita” fallen in diesem Bereich auf testbericht.de fast immer durch.

Das Obst, dass verwendet wird, ist weder aus biologischen Anbau, noch sind viele der Produkte besonders gesund (siehe dritter Punkt). Positive Beispiele sind Produkte von Rabenhorst, Voelkl und Proviant. 

2. „Da ist halt so end viel Gemüse drin!“

Nope, auch da muss ich euch enttäuschen. Klar findet man Spuren von Gemüsesorten wie Grünkohl oder Spinat in Smoothies, aber bei 13 von 20 getesteten Produkten konnten lediglich unter 20 Prozent des angepriesenen Inhalts nachgewiesen werden. Das ergab eine Studie der Zeitschrift “Öko-Test” (Ausgabe 03/17) auf die sich die „tz“ beruft. 

Leider werden Smoothies sehr oft mit anderen Flüssigkeiten wie Apfelsaft gestreckt. Das gilt zum Beispiel für die “purple” Variante von “Innocent”: “Mehr als ein Drittel ist aber günstiger Apfelsaft, nicht – wie irreführend suggeriert wird – Beeren”, so das Mountain-Bike Magazin “Bike” bereits in einer Ausgabe vom März 2014.

3. „Na und, dafür haben die Dinger jede Menge Vitamine“

Zugegeben, das mag stimmen. Allerdings nicht unbedingt, wenn es um das wichtige Vitamin C geht. Es wird für Stoffwechselvorgänge benötigt, kräftigt Bindegewebe, Zähne und Knochen und kann sogar krebserregende Stickstoffverbindung unschädlich machen.

Will man den Mindestbedarf des Körpers decken, sollte man frisch zubereitete Nahrung zu sich nehmen. Genau das ist das Problem, wenn es um die vermeintlichen Vitaminbomben geht. Das Vitamin C verpufft quasi im Laufe der Zeit, was dazu führt, dass sechs von 20 getesteten Smoothies einfach gar keine Spuren des lebensnotwendigen Vitamins aufweisen.

4. „Umso mehr ich davon trinke, umso besser“

Dedöööö, nicht richtig. Eher das Gegenteil. Klar, Obst ist und bleibt gesund, ich will euch nicht sagen, weniger davon zu euch zu nehmen.

Trotzdem ist davon abzuraten, eine 750 Milliliterflasche püriertes Beerenmus zu kaufen und zu glauben, man lebe gesünder als Atilla Hildmann.

Denn eins ist klar: Natürlicher Fruchtzucker ist zwar ungefährlicher als Industriezucker, aber dennoch ist die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Tagesmenge von 25 Gramm Zucker mit einem Smoothie fix erreicht. 

Der “Öko-Test” bemängelt außerdem den hohen Zuckergehalt vieler Produkte. Er sei bei vier der getesteten Produkte mit 10 Gramm pro 100 Milliliter ähnlich hoch, wie bei Cola, so die “tz”.

Keine Panik, liebe Obstfreunde!

Natürlich – ihr müsst jetzt nicht in Panik verfallen und bei jeder Gelegenheit euren Freunden unter die Nase reiben, “dass die Dinger eigentlich voooooll ungesund sind”. Das wäre schlichtweg gelogen.

Macht euch einfach klar, dass Werbung und Produktbeschreibungen immer mit einer großen Prise Skepsis behandelt werden sollten. Denn am Ende gilt: im Zweifel für den Zweifel.

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