Dany Kufner und Christian Kiesler – die Booker und Organisatoren der Sommerbühne im Olympiapark – im Profil
Aktuell, Kultur

Sommerbühne Olympiastadion: im Gespräch mit Christian Kiesler und Danny Kufner

Es ist ein kultureller Lichtblick im sonst so dystopischen Corona-Jahr, ein kleines und buntes Trostpflaster für die ausgehungerten Konzertfreund*innen der Stadt: die kostenlose Open-Air-Bühne im Olympiastadion. Möglich sind die Sitzkonzerte vor der außergewöhnlichen Kulisse dank Tatkraft und Zusammenarbeit von Kulturveranstalter*innen und der Stadt München. Mit Christian Kiesler (Target Concerts) und Danny Kufner (polarkonzerte) zusammen – die beiden Booker*innen und Organisator*innen der Bühne – ziehen wir ein erstes Fazit zum Konzertmarathon.

Hallo Danny, hallo Christian, seit 01. August laufen die „Sommer in der Stadt“-Konzerte jetzt – ihr beide übernehmt das Booking und die Organisation. Wie kam denn die Idee zu diesem Mammutprojekt und wie habt ihr die ersten Konzerte bisher erlebt?

DK: Als wir Anfang April angefangen an dieser Idee zu basteln, hätten wir nicht geglaubt, dass das Projekt so groß wird und so tollen Anklang findet. Jeder Abend ist für sich ganz toll und wir sind stolz darauf, dass wir so vielen Künstlern und Kulturschaffenden diese Plattform bieten können.

CK: Die Idee zu einer solidarisch bespielten Bühne entstand vor allem ein Stück weit aus dem Eindruck heraus, dass wir als Veranstalter und Künstler etwas tun müssen, sonst verschwinden wir komplett aus der Sicht der Öffentlichkeit, und somit auch aus der Sicht möglicher Hilfsangebote, auf die wir als Kulturschaffende dringend angewiesen sind.

Die Shows sind ja alle kostenlos für die Besucher*innen: Wie kann man sowas allgemein auf die Beine stellen? Bleibt da auch bei den Künstler*innen was hängen?

DK: Ohne die Stadt München und insbesondere das Kulturreferat wäre das so niemals möglich gewesen. Dafür und auch für die tolle Zusammenarbeit sind wir sehr dankbar. Es ist uns sogar möglich, den Künstler einen kleine Gage zu bezahlen.

„Die Konzerte sind sicher eh alle längst ausgebucht“: Richtig oder täuscht uns der Eindruck?

DK: Die Konzerte sind oft schon schnell ausgebucht, aber wir haben auch immer noch freie Plätze an der Abendkasse. Es lohnt sich also auf jeden Fall, noch vorbeizukommen. Bisher mussten wir noch niemanden wegschicken.

Möglich ist die Konzertreihe nur dank szenenübergreifender Zusammenarbeit: Was lernt man aus so einem Projekt?

DK: Man sieht an diesem Projekt, wie stark unser Netzwerk ist und wie schnell und effektiv da was bewegt werden kann, wenn man an einem Strang zieht.

Schaut ihr euch auch in anderen Städten um, wie die mit der Situation umgehen? Keope aus Berlin hat letzte Woche auf der Olympia-Bühne etwa erzählt, dass es dort solche Auftrittmöglichkeiten momentan quasi nicht gibt. In Leipzig dagegen hat Tim Bendzko am Wochenende in der Leipziger Arena vor 1.400 maskierten Fans gespielt – als Teil einer Art Corona-Studie.

DK: Uns interessiert natürlich sehr was in anderen Städten so angeboten wird. Aber aktuell gibt es eine solche Bühne unseres Wissens nach nirgends. Dieses Alleinstellungsmerkmal tut München auch mal ganz gut als Kultur-Standort.

CK: Ja, gerade als Tour-Agentur wie Target eine ist, ist es unglaublich spannend zu sehen, wie andere Konzepte funktionieren. Dafür muss man aber lustigerweise nicht nur unbedingt nach Berlin gucken, auch hier in München gab es und gibt es ein paar sehr spannende Ansätze, wie zum Beispiel das Projekt Kunst im Quadrat auf der Theresienwiese oder der Flying Circus von den Kollegen von Eulenspiegel Concerts, oder das Import/Export mit seinem Innenhof. Und ich hoffe das wir aus all den Projekten vielleicht das ein oder andere auch in Zukunft nochmal sehen werden.

Hell beleuchtete Bühne im Olympiastadion – Foto: Laurin Breiter

Gibt es für Herbst und Winter schon konkrete Konzepte oder Vorstöße, wie man Konzert- und Bühnenprogramme in München weiter stattfinden lassen kann – trotz Corona?

DK: Es gibt natürlich Konzepte, aber eben nur auf Grundlage der aktuell gültigen Regeln. So kann man nicht wirtschaftlich arbeiten. Und Verluste kann sich in dieser Situation niemand leisten. Es geht jetzt ums Überleben der Agenturen und allen, die in irgendeiner Art mit unserer Arbeit zu tun haben.

Wann rechnet ihr damit, dass die Konzert- und Kulturbranche allgemein wieder zu einer Art „Regelbetrieb“ zurückkehren kann?

DK: Wir gehen davon aus, dass ein Regelbetrieb erst aufgebaut werden kann, wenn es einen Impfstoff oder ein Medikament gibt.

Wie überlebt man bis dahin?

DK: Gute Frage. Solange das Kurzarbeitergeld nicht abgeschafft wird, kann man zumindest Personal erhalten. Aber die monatlichen Fixkosten sind auch ein großer Brocken. Hier brauchen wir dringend finanzielle Unterstützung. Ansonsten ist es nur eine Frage der jeweiligen Rücklagen oder Kredite bis die ersten aufgeben müssen.

CK: Ja und neben der Sorgen ums eigene Überleben, müssen wir uns zudem ja auch noch Sorgen um die allgemeine kulturelle Struktur machen, so satteln gerade die vielen Soloselbstständigen unserer Branche eher um, und verlassen die Branche, Clubs und Räumlichkeiten gehen verloren, das heißt so oder so, werden wir es sehr schwer haben einfach so wieder anzufangen. Ich denke, wir werden einiges an Aufbauarbeit leisten müssen, bevor man wieder über einen normalen Betrieb nachdenken kann.

Bis zum 24. September läuft nun die Sommerbühne im Olympiastadion weiter, mit Shows an quasi jedem Tag. Denkt ihr darüber nach, nochmal ein paar Termine dran zu hängen? Oder gibt’s eine Fortsetzung nächstes Jahr?

DK: Die letzte Show findet am 27.09. statt und die Bühne wird bis dahin durchgehend jeden Tag bespielt. Ob es eine Verlängerung oder eine Fortsetzung gibt können wir zum derzeitigen Punkt noch nicht sagen. Aber wenn es nach uns geht, würden wir uns freuen diese Bühne noch weiter oder irgendwann wieder zu buchen.

Worauf freut ihr euch noch besonders in den nächsten Wochen?

DK: Das werden wir öfter gefragt. Aber es fällt uns tatsächlich schwer hier Favoriten zu nennen. Das Programm ist wirklich sehr gut geworden und jeder Abend ist besonders. Dies haben wir unter anderem auch der tollen Mitarbeit der Münchner Veranstalter zu verdanken.


Hier geht’s zur Konzert-Übersicht der Sommerbühne.

Beitragsbild: © PR; Foto Olympiabühne: Laurin Breiter

Florian Kraus
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