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STRAND WARS: Episode V – Die Bewerber schlagen zurück

Julius Zimmer

Mich fasziniert das Absurde im Alltag. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meiner Wahlheimat München so wohl fühle: Hier erwachen Widersprüche zum Leben. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Herz auszufüllen. Wir müssen uns den Münchner als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Julius Zimmer

Es war einmal vor langer Zeit in einer nicht weit entfernten deutschen Landeshauptstadt…

Nach einem erfolgreichen Sommer geht die Ausschreibung um den Münchner Stadtstrand in die nächste Runde. Doch anders als letztes Jahr schicken nicht nur zwei, sondern gleich fünf Unternehmer ihre Konzepte ins Rennen.

Unvergesslich bleibt die Entscheidung des vergangenen Sommers, als das Kulturreferat einen Tag vor der geplanten Eröffnung durch die Urbanauten, den Zuschlag an die Urban League aka Zehra Spindler vergab.

Benjamin David, der den „Kulturstrand“ 10 Jahre lang organisierte, musste trotz gebuchter Bands, Promotion und Personal das Handtuch werfen. Er witterte eine Verschwörung der Stadt und ließ die Entscheidung darauf juristisch prüfen. Das ganze artete in einen Kleinkrieg aus, doch am Ende siegte die Urban League GmbH.

2017 könnte der Wettbewerb allerdings noch spannender werden. Denn neben David und Spindler, werfen auch Tuncay Acar, Reinhard Straßer und Stefan Engelsberger ihre Hüte in den Ring. Aber wer sind die Bewerber eigentlich und was haben sie mit dem schwer umkämpften Stückchen Land an der Ludwigsbrücke vor?

Um der Sache endlich auf den Grund zu gehen, hat das Stadtmagazin Mucbook exklusiv mit den fünf Bewerbern gesprochen. Uns ist es ziemlich egal, welcher Verein den Zuschlag für sich einstreicht, solange das Konzept einfallsreich, nachhaltig und für jeden zugänglich ist.

David – Der Profi

David Benjamin ist ein alter Stadtstrandveteran. Er war es, der mit seinem Team 2004 den Kulturstrand in Leben rief. Auf unsere Anfrage reagierte er demnach ganz professionell und erklärte, er wolle zu einem laufenden Verfahren noch nicht zu viel verraten: „Wir warten erstmal ganz geduldig ab, was die Ausschreibung ergibt“.

Einem Grundsatz bleibt Benjamin allerdings treu: „Für uns ist die Fläche ein sehr sensibler und hochwertiger Ort. Wir wollen dort kein wildes Remmidemmi, sondern einen Raum schaffen, der für Menschen aller Altersklassen – auch für Familien und Senioren – ansprechend ist“.

Im Mittelpunkt stehe daher zum Beispiel Live Jazzmusik und Kunstausstellungen. Dabei zählen Benjamin und sein Team auf eine enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern.

Zehra Spindler – Die Frau für alle Fälle

Die Überraschungsgewinnerin des vergangenen Sommers ging sehr offen mit ihren Ideen um. Auf den obligatorischen Sand könnte sie zwar auch verzichten, aber „ohne Sand kein Strand“.

Größtenteils hält die Urban League GmbH unter Leitung von Zehra Spindler an den erfolgreichen Ideen des „Great Bavaria Reefs“ fest. Auf der Speise- und Getränkekarte stehen vor allem Bioprodukte. Vegane Burger und Pommes würde es zwar heuer nicht geben, allerdings könnten sich Fans des Stadtstrands wieder auf gratis Popcorn und „sonnen-strand-affine“ Drinks freuen – und natürlich Augustiner Bier.

Spindler, die liebevoll auch „die Muddi der Künstler“ genannt wird, kann dank ihrer langen Erfahrung im Münchner Nachtleben auf einen großen Pool an Bands, DJs, Theaterleuten und Künstler zurückgreifen.

Außerdem seien zwei exklusive Veranstaltungen speziell für den Stadtstrand kreiert worden, die im Falle des Zuschlags dort im Sommer ihre Premiere feiern könnten. Es werde ein regelmäßiges Format für Nachwuchsbands geben, dass die Urban League gemeinsam mit Upstart (Rote Sonne/Optimal/Disko B) auf die Beine stellen. Auch für Sport-/Kinder- und Yogaprogramme sei dieses Jahr wieder gesorgt.

Zum Abschluss gab sich Spindler ganz diplomatisch: „Möge das Konzept mit den meisten Punkten gewinnen! Gibt es ein besseres Konzept, als das, das wir erarbeitet haben, werden wir Stammgäste sein, den Sommer, die Bands & Drinks genießen und zur Abkühlung durch den Vater-Rhein-Brunnen kraulen“.

Tuncay Acar – Der Kosmopolit

In Zusammenarbeit mit dem „Café Kosmos“ plant der Kulturaktivist Tuncay Acar einige grundlegende Änderungen für das heißbegehrte Fleckchen Erde an der Isar. Er selbst sei nur selten Gast am Stadtstrand gewesen: „Ich fühlte mich immer fehl am Platze und kenne auch viele Leute, die das von sich behaupten“.

Sein zentrales Ziel sei ein Angebot zu entwickeln, dessen kulturelle Offenheit im Zentrum des Konzepts steht, für „alle Schichten und Gruppen der Gesellschaft“.

Im Gespräch mit MUCBOOK erklärte der Vorsitzende des Glockebachwerkstatt e.V. ihr Fokus läge ganz klar auf Livemusik-Angeboten: „Neben Singer-SongwriterInnen wollen wir auch der Jazz-Szene eine Plattform bieten. Junge Bands und NewcomerInnen werden genauso ihren Platz haben, wie etablierte Größen der Münchner Musikszene“.

Vor allem Menschen mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen könnten sich an diesem Strand wohlfühlen. Neben der Musik wird es aber auch Lesungen, Kino, Performances, Kinderprogramm und auch Zeit für Diskurs geben.

Die eindringliche Botschaft von Acar: „Wir wollen die Stadtgesellschaft zusammenbringen!“

Stefan Engelsberger – Der Draufgänger

Er gilt als der Anti-Kulturstand-Aktivist. Stefan Engelsberger, Privatier und ehemaliger Diplom-Verwaltungswirt sagte bereits im Mai 2016 der „tz“, er plane kein Partyevent wie etwa die Urbanauten oder die Urban League, sondern eine ruhiges Sommer-Event.

Wie seine Pläne für dieses Jahr aussehen, ist uns allerdings noch etwas schleierhaft. Dem Münchner Stadtmagazin sagte Engelsberger selbstbewusst, seine Bewerbung bringe die wilde Kultur der Isar zum Ausdruck. Er wolle den Platz lediglich für einen Monat, das sei angemessen.

Weiter erklärte er: „Die anderen zwei Monate können dann für sogenannte ‚Hipster‘ privatisiert werden, bei mir wird der Parkcharakter beibehalten und keinerlei Szenenbildung betrieben.“

Das ist immerhin deutlich.

Reinhard Strasser – Der Geheimnisvolle

Auch Reinhard Straßer hielt sich zunächst einmal zurück. Einzelne Äußerungen zum Konzept seien zwar in schriftlicher Form festgehalten worden, allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Veröffentlichung vorgesehen.

In erster Linie diene die Bewerbung dazu, den Stadtstrand nachhaltig zu stabilisieren und aus der öffentlichen und politischen Diskussion zu nehmen.

„Wir denken, dass die Umsetzung unseres Konzepts für die Bespielung des Stadtstrands unter organisatorischen, kulturellen, ästhetischen, ökologischen und Sicherheitsaspekten eine Bereicherung für das öffentliche Leben in München darstellen würde“, so Straßer auf Nachfrage.

Die Entscheidung fällt im Frühling

So weit, so divers. Im April wissen wir mehr, denn bis dahin soll die Entscheidung für den Zuschlag getroffen werden. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden, sind allerdings der Ansicht, dass jedes Konzept seinen eigenen Charme hat.

Auch wenn die Ausschreibung in den vergangenen Monaten für viel Trubel gesorgt hat: Es ist doch eigentlich sehr schön zu sehen, wie viele Menschen sich dafür einsetzen, den Strand für jeden Münchner attraktiv zu gestalten. Egal ist er den Menschen dieser Stadt auf jeden Fall nicht.

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