Sub Michael Plaß ©Mark Kamin
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Strong! Eine neue Beratungsstelle für LGBTQI*- Personen

Rosalie Röhr

Wer wegen seiner sexuellen Identität Diskriminierung oder Gewalt erlebt hat, kann sich jetzt bei Strong! melden. Auch „Kleinigkeiten“ wie Beschimpfungen, unangemessene Witze oder verletzende Kommentare sollen nicht mehr akzeptiert werden, so der Berater Michael Plaß.

München zeigt sich zwar oft offen und bunt, beispielsweise am Gay Sunday auf der Wiesn oder bei Pink Christmas, dem schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt. Trotzdem sind viele LGBTQI*-Personen in ihrem Alltag regelmäßig mit verbaler oder körperlicher Gewalt konfrontiert.

Die neue Fachstelle gehört zum Sub und richtet sich bayernweit an Männer*, die aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiert werden und innerhalb Münchens an alle LGBTQI*-Personen. Neben persönlichen Terminen gibt es auch eine Hotline und die Möglichkeit zu chatten. Die Hemmschwelle soll möglichst gering sein. Viel zu oft würden Anfeindungen runtergeschluckt oder relativiert, sagt Michael Plaß.

Wie könnt ihr Betroffenen helfen?

„Erstmal sind wir sind eine Stelle, die die Leute ernst nimmt. Oft wird verbale Gewalt bagatellisiert. Da heißt es dann, ’nehm es nicht so persönlich‘, oder ‚das sagen die Leute halt so‘. Zum anderen können wir dabei helfen, Kontakt mit der Polizei aufzunehmen. Viele haben kein Vertrauen in die Polizei, weil auch hier oftmals nichts gemacht wird oder die Leute nicht ernst genommen werden. Wir können aber auch Anwälte vermitteln, die sich über Probleme von LGBTQI*-Personen bewusst sind. Auch wenn es um psychologische Unterstützung geht, wissen wir welche Personen sensibel mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten umgehen.“

Welche Ziele verfolgt ihr langfristig?

„Wir haben auch einige politische Ziele. Wir wollen beispielsweise die Kooperation mit der Polizei verbessern. Die Münchner Polizei ist da relativ offen, bayernweit gibt es da aber keine großen Bestrebungen. Wir würden uns wünschen, dass es bei der Polizei konkrete Ansprechpartner für LGBTQI*-Personen gäbe, so wie in Berlin. Wir wollen dass Homosexuellen- und Transfeindlichkeit erkannt und ernstgenommen wird und als solche bezeichnet wird.

Wenn wir beispielsweise um 20 Uhr vorm SUB stehen und mit Eiern beworfen werden, ist das sicherlich nicht wegen Ruhestörung.

Polizist*innen sollten dafür sensibilisiert werden, auch in der Ausbildung. Bei der Staatsanwaltschaft sollte es einen Ansprechpartner geben. Damit es bei der Justiz nicht ein Fall wie jeder andere ist, weil es Hatecrime ist (Das heißt Gewalt richtet sich gezielt gegen eine bestimmte Menschengruppe). Das ist eine besondere Motivation die da hinter der Straftat steht. Wir wollen außerdem ein gesellschaftliches Umdenken anregen. Es wird immer als Schwäche angesehen, wenn man sich Hilfe sucht oder sagt, dass einem etwas nicht gefällt oder dass man es nicht möchte.

Opfer ist ja auch ein Schimpfwort, dabei ist es eigentlich ein Zeichen von Selbstbewusstsein, sich stark zu machen und zu sagen: so und nicht weiter.

Aber im Augenblick ist das auch ein Stück weit eine Utopie.

Gerade Transpersonen würden wahrscheinlich mehr Zeit auf der Polizeistation verbringen als irgendwo anders, wenn sie jeden Angriff melden würden.

Aber diese „Kleinigkeiten“ summieren sich.“

Wenn du verbale, körperliche Gewalt oder Diskriminierung erfahren hast, kannst du Strong! so kontaktieren:


Foto: Sub Michael Plaß ©Mark Kamin.

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