Aktuell, Kurios, Leben, Münchenschau, Stadt

Vandalismus in der Maximilianstraße! Ist das Punk oder kann das weg?

Sie sind jung. Deine Oma hat Angst vor ihnen. Und manchmal kaufen sie dir beim geplanten Festivalgroßeinkauf die letzte Palette Dosenbier vor der Nase weg. Richtig geraten, die Rede ist von Punks. Wo sich der Millionendorfyuppster (die Münchner Melange aus Yuppie und Hipster) allerorten und zu jeder Tages- und Nachtzeit dem Auge des Passanten aufdrängt, muss man nach der Gattung des Punks heutzutage schon etwas Ausschau halten.

Nein, Punk, das ist nicht der Kollege aus der Berufsschule mit dem ausgewaschenen Blink 182-Shirt und nein, auch du warst nicht zwangsläufig mal ein Punk, nur weil du Papas Hosenträger mit 14 vorübergehend durch einen Nietengürtel ersetzt hast. Punk, das ist doch was mit Anti-Establishment, Drei-Akkorde, Rummelsuff, Abgammeln, Sex Pistols (Rock’n’Roll-Swindle?!), Nagetieren, Gemeinschaftsgefühl und so?! Aber Nietengürtel schon auch, stimmt schon.

Und wenn renommierten Modemachern mal wieder gar nichts Neues einfällt, greifen ja auch die gerne zum Nietengürtel, zum Haarspray, zur x-ten Punklook-Wiederbelebung. Das hat dann auch nicht wirklich was mit Punk zu tun, aber irgendwie doch auch schon. Zumindest dient der „Fake“-Punk zur subkulturellen Distinktion. Ähnlich dem Gallier zu Zeiten des römischen Reiches scheint der Punk in München heutzutage fast völlig von einer mehr oder weniger konformen Masse verdrängt.

Escada hat’s erwischt. Gucci auch.

Die Punk-Symbolik und -Ideologie taugt noch nicht mal zur ironischen Aneignung durch den Hipster. Darf man der tz glauben, so gibt es jedoch zumindest kleine Zellen des Wiederstands. Vom „Riesen-Schaden an Edel-Läden“ durch Graffitis in der Maximiliansstraße – bekanntermaßen Münchens Vorzeige-Shoppingmeile für Gutbetuchte – ist die Rede. Fassaden und Schaufenster wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag von Unbekannten mit Slogans und Symbolen beschmiert, die recht eindeutig der Vandalismus nahen linken Ecke zugeordnet werden dürfen.

Obligatorisch natürlich etwa das bekannte Anarchie-Zeichen. Rund 150m lang zieht sich die Spur der „Verwüstung“. Salvatore Ferragamo hat es erwischt. Escada auch. Gucci ebenso. Im gleichen Atemzug der Nacht- und Nebelaktion wird von Polizei und tz ein in der Nähe stattfindendes Punkkonzert genannt. In der Sparkassenstraße (welche Ironie) fand dort eine Veranstaltung des Kollektivs „Temporäres Archiv der Gegenwart“ statt. Ein Punkkonzert samt begleitender Ausstellung. Da waren die ersten Tatverdächtigen natürlich nicht weit.

Uffta-Uffta als Aufforderung zum Krawall

Die Polizei kontrollierte etwa zwei Stunden lang Personalien der etwa 80 anwesenden Konzertbesucher und musste dabei einige Beleidigungen erdulden. Die Ermittlungen in diese Richtung dauern an. Turd Sandwich, eine der beiden Bands des Abends, wehrt sich auf Facebook nun gegen diese Assoziation. Demnach seien einige ihrer Aussagen in der Presse aus dem Kontext gerissen oder schlicht konstruiert und von begrifflicher Unkenntnis geprägt („uffta-uffta“ bezeichnet dann wohl doch eher den typischen punkesken Schlagzeugbeat, denn eine Aufforderung zum Krawall).

Drei Tage nach der nächtlichen Sprayaktion sind viele der Schäden inzwischen beseitigt. Ob sich die Täter überführen lassen und eine Verbindung zur Punkszene nachzuweisen ist, bleibt abzuwarten. Den finanziellen Schaden übernehmen andernfalls wohl Versicherungen oder die Portokasse. Die Aktion ist als solche wohl eher symbolisch zu verstehen – die Maximilianstraße als Identifikationsfläche und Bühne der Schönen und Reichen, der Krawall als ziviler Ungehorsam im weitesten Sinne? Oder doch bloßer Spaß am Vandalismus? Es scheint zumindest, als würde Münchens bekannteste Luxusmeile in jüngster Zeit etwas aufgemischt.

Ist die Gentrifizierung schuld?

Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal installierte hier beispielsweise eines seiner Shabby-Appartments. Nun prägen linke Slogans die Schaufenster von Edelboutiquen. Steigende Mietpreise, Gentrifizierung, eingespielte Feindbilder, das schwingt in diesem Kontext natürlich immer irgendwo mit. Ob die nächtliche Verzierung für mehr als ein müdes Lächeln oder Kopfschütteln bei den angefeindeten „Yuppies“ reicht, ist wohl zu bezweifeln. In den Kommentarspalten des tz-Artikels zeigten sich lediglich einige Rentner echauffiert.

Vielleicht taugt die Aktion ja auch als Inspiration für eine ausgefallene Sommerkollektion. Zerrissene T-Shirts mit Sicherheitsnadeln, Springerstiefel und Jacken mit Aufnähern von fiktiven Anarcho-Bands für Preise nahe des Hartz 4-Mindestsatzes?! Das wär doch was. Und die passende Deko wird nachts für lau an die Fassaden und Schaufenster gesprüht. Absolute Street Credibility!

 

Titelfoto:

Paul Townsend

1Comment
  • mia grünwald
    Posted at 21:10h, 04 Februar

    genialer artikel ! vielen dank fürs „amüsemang “ ^_^)

Post A Comment

Das Heft über „Wohnen trotz München“

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons