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Von“Alles was zählt“ zu „Oh Baby“ – Julia Engelmann im Interview

Am 21.10. ist es soweit und Julia Engelmann kommt mit ihrem Programm „JETZT BABY -Poesie und Musik“ zu uns nach München in den Circus Krone. Wir waren schon einmal für euch über den Dächern von München und haben sie zum Interview getroffen. Sie ist nicht nur Poetry Slammerin, sondern auch Schauspielerin und Dichterin. Wie es genau dazu kam, was die Seifenoper „Alles was zählt“ damit zu tun hat und wie es weiter geht bei Julia Engelmann, das erfahrt ihr hier.

Mucbook: Was waren deine Anfänge als Poetry Slammerin und wie kommt man überhaupt darauf, Poetry Slammerin zu werden?

Ich wollte immer gerne schreiben. Aber vor allem dachte ich erst daran, einen Roman zu schreiben. Jedoch habe ich das von meinem 13. Lebensjahr auf mein 14. verschoben und immer so weiter. Das war jedoch ganz früher. Es wird also eine lange Geschichte.

Eine gute Freundin hat mich, als ich 17 Jahre alt war, auf einen Poetry Slam mitgenommen, auf welchem sie mit dem Deutschunterricht war. Zuerst wusste ich überhaupt nicht, was das ist, dass es solche Poetry Slams auch in anderen Städten gibt und dass jeder mitmachen darf. Natürlich sind wir zu spät gekommen und haben die Regeln nicht richtig verstanden. Alles, was wir damals gesehen haben, war dass verschiedene Menschen auf die Bühne gegangen sind und von sich selbst irgendwas erzählt haben. Etwas Kreatives. Natürlich wird das Gedicht bewertet, aber es geht darum, dass jeder erstmal gleich viel und lang gehört wird. Dadurch kommt ein Gerechtigkeitsgefühl auf. Und das hat mir so gut gefallen, dass ich dachte: Okay, das könnte ein Format für mich sein, das möchte ich auch machen!

Dann habe ich meinen Mut zusammengenommen und habe mich angemeldet. Bei meinem ersten Auftritt war ich wahnsinnig aufgeregt, da ich noch nie jemandem ein Gedicht vorgetragen hatte. Nicht meinen Freunden, nicht meiner Familie und schon gar nicht ein Gedicht über meine Gefühle! Aber dieser erster Poetry Slam hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich nächsten Monat wieder hin bin und so ging es die nächsten 5 Jahre weiter.

Du hast über zwei Jahre (von 2010-2012) in über 520 Folgen der RTL-Soap „Alles was zählt“ mitgespielt. Wie kam es dazu? War es eine Notlösung, wo du versucht hast einfach alles mitzunehmen was geht, oder warst du zufrieden mit der Rolle als Franziska Steinkamp in der Telenovela?

Ich würde sagen, dass es eine Verkettung von mehreren Umständen war. Ich will nicht sagen, dass es aus Versehen war. Ich habe das schon gemerkt.

Der erste Umstand war, dass ich schon immer Schauspielerin werden wollte. Ich habe schon immer viel am Jugendtheater gespielt. Außerdem bin ich recht früh zu einer Casting-Agentur gekommen.

Der zweite Umstand war, dass ich sehr jung mit der Schule fertig war. Ich konnte noch nicht ins Ausland gehen, wusste nicht, was ich studieren soll und wusste nicht so richtig, was ich überhaupt machen soll. An der Schauspielschule wurde ich auch abgelehnt und dann hatte ich ein Casting für „Alles was zählt“. Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich das dann unbedingt machen wollte. Und so sind zwei Jahre bei „Alles was zählt“ daraus geworden.

Was sagst du rückblickend zu der Zeit bei „Alles was zählt“?

Es war auf jeden Fall eine spannende Zeit. Es kommt mir manchmal sehr absurd vor, dass das Ganze tatsächlich Teil meines Lebens war. Ich bin zum ersten Mal von zu Hause ausgezogen und es war mein erster richtiger Job. Ich bin genau gerade 18 geworden, als ich bei „Alles was zählt“ angefangen habe. Es war auf jeden Fall ein richtiges Abenteuer.

Was kam nach „Alles was zählt“? Wie ging es weiter?

Danach habe ich in Bremen angefangen, Psychologie zu studieren. Und habe das jetzt erfolgreich abgebrochen.

Das hat damit zu tun, dass ich das Gefühl hatte, jetzt eine Entscheidung treffen zu müssen. Ich konnte beidem einfach nicht mehr gerecht werden. Ich habe das Studium immer pausiert und pausiert und pausiert… Bis meine Freunde alle den Master fertig hatten und alle in anderen Städten wohnten.

Für mich ist das, was ich jetzt machen kann, mein Traumberuf. Ohne dass ich wusste, dass es diesen gibt. Ich habe es die ganze Zeit für eine Phase gehalten, tue ich auch jetzt immer noch ein bisschen.

2013 hast du den Text „One Day/Reckoning Song“ (Eines Tages Baby) beim 5. Bielefelder Hörsaal-Slam vorgetragen. Dieser Text ist viral durch die sozialen Netzwerke gegangen. Wie empfindest du dieses Erlebnis heute, vier Jahre nach dem Erfolg?

Ich empfinde es als riesiges Wunder. Als eine Art Urknall von dem, was ich jetzt machen kann. Ich bin wahnsinnig dankbar und immer noch latent überrascht. Aber langsam habe ich mich etwas daran gewöhnt, dass es zu meinem Leben gehört.

In diesem Text rufst du für ein bewusstes Nutzen der Zeit auf. Was hat dieser Text für eine Bedeutung für dich und welchen Hintergrund hat der Text?

Ich habe einfach das gefühlt, was ich dort sage. Ich habe die ganze Zeit weniger gemacht, als ich mir vorgenommen habe. Ich bin viel zu Hause rumgehangen und habe das immer damit entschuldigt, dass es Winter ist und ich bestimmt gerade erkältet bin. Darüber war ich frustriert! Aber es war im Grunde genommen gar kein magischer Moment. Es war kein freudiges „Oh Yeah!“, es war mehr ein deprimierendes „Oh Mann!“.

Dann habe ich versucht, in allem Blöden etwas Schönes zu finden und alles was Festgefahren ist, einfach neu zu starten. Das habe ich versucht, auf Papier festzuhalten.

Sich mehr Zeit zu nehmen, bleibt ein ständiger Prozess. Mir Dinge vorzunehmen, muss ich immer wieder neu machen. Gerade auf Tour merke ich, dass ich damit nicht alleine bin und wie unexklusiv es ist und dass es vielen so geht. Dadurch bekomme ich noch viel mehr ein Gefühl dafür, was mir in meinem Leben wichtig ist und wofür ich mir Zeit nehmen will.

Wo glaubst du, würdest du jetzt ohne diesen großen Erfolg stehen?

Ich kann mir vorstellen, dass ich irgendwann zu etwas künstlerischem oder kreativem gewechselt hätte. Dann hätte ich vielleicht Kunst studiert. Vielleicht wäre ich auch jetzt in einer Therapeutenausbildung. Ich würde auf jeden Fall einige lustige und schöne Sachen nicht erlebt haben. Ich bin unfassbar dankbar, dass es so gelaufen ist, wie es gelaufen ist.

Durch die enge Zusammenarbeit mit meiner Familie haben sich für mich einige Dinge geändert. Es ist unglaublich bereichernd. Auch die Tatsache, dass ich jetzt Musik machen darf und ein Album veröffentlichen darf. Die Begegnungen, die ich mit Menschen dadurch habe – was besseres hätte mir nicht passieren können.

Am 21. Oktober kann man dich im Cirkus Krone in München sehen. Was können wir an diesem Abend erwarten?

So ein Abend fühlt sich immer an wie eine Geburtstagsparty oder eine Silvesterparty mit Freunden. Ich bin mit meinen Eltern unterwegs und habe auch das Bühnenbild gestaltet. Es wird auf jeden Fall viel Konfetti geben. Ich werde ein paar Lieder spielen aus dem neuen Album und Gedichte werde ich natürlich auch vortragen. Danach mache ich gerne Selfies mit mir und ohne mich.


In aller Kürze: 

Wer? Julia Engelmann

Was? JETZT, BABY Poesie und Musik – Live 2017

Wann? 21.10.2017

W0? Circus Krone München


Beitragsbild: © Julia Kirner / Foto: © Thomas Brill

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