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Schuhe sind sein Fetisch – Der Starfotograf Dylan Don im Interview

Das Interview führte: Hieronymus.Josh

Bei einem Fotoshooting durfte ich den Münchner Fotografen Dylan Don kennenlernen und war sofort begeistert von seiner Fotografie. Mit seinem einzigartigen Style macht er Fotos für die Vogue, GQ oder die Vanity Fair US.

In diesem Interview erzählt er unter anderem, wie er angefangen hat mit der Fotografie und warum er Schuhe so feiert.

Was hast du die letzte Woche gemacht? Wie geht es dir?

Ich bin gerade von einem Fotoshooting aus Mailand zurückgekommen. Mir geht es sehr gut und ich bin sehr froh wieder zu Hause zu sein.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Mein Vater hat auch mit der Fotografie angefangen. Er war in den 70ern ein sehr guter Reportage-Fotograf. Obwohl er im Filmbereich als Produzent gearbeitet hat, ist er der Fotografie weiterhin treu geblieben. Als ich klein war, hat er immer Fotos von mir gemacht und mir dabei alles beigebracht. So hab ich’s gelernt und dann war das irgendwie bei mir verankert, von der Pike auf.

Ich war immer der, der mit der Kamera ganz gut umgehen konnte und hab das einfach weiterverfolgt. In Cambridge hab ich Film und Fotografie studiert und bin dann dabei geblieben. Danach war ich auf der Filmhochschule in Prag, die ich allerdings dann geschmissen habe.
Dann hab ich einfach meine eigene Produktionsfirma gegründet, die Fotografen vertreten hat. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll davon, denn Fotoproduktion ist der schlimmste Job wenn du mich fragst.

Ich habe mich entschieden, das aufzugeben, weil ich gesehen habe, was die Fotografen gemacht haben: Sie sind immer als letzte gekommen und haben am meisten verdient. Ich dachte mir „deren Arbeit kann ich auch machen“ und hab mich daraufhin entschieden, als Fotograf weiter zu machen.
Kurz darauf bin ich nach London gezogen und hab angefangen, selbst zu fotografieren. Ich hab nie assistiert in meinem Leben. Was ich kann, habe ich mir selber beigebracht oder hab es bei den Produktionen gelernt, die ich für Werbung, Editorial usw. gemacht habe als Produzent.
So war das..

Was würdest du fotografieren wenn du keine Menschen fotografieren
würdest?

Ich glaub, ich würde Produkte fotografieren, weil mich da keiner nervt. Ich alleine und auf mich gestellt bin. Oder Luxury Travel, durch die Welt reisen und an den schönsten Orten der Welt arbeiten und abhängen …

Wie würdest du heute neu anfangen bzw. würdest du es noch empfehlen?

Man muss es einfach machen. Es gibt keinen besseren Tipp. Wenn dir was gefällt, musst du das verfolgen, zielstrebig dranbleiben und einfach machen, machen, machen. Sicherlich ist Assistieren auch ein guter Weg für den Anfang. Bei mir hat es sich anders ergeben, wie ich erzählt habe. Jeder muss einfach seinen eigenen Weg finden, fotografieren und am Ball bleiben. So wie du halt auch oder?

Ja. Würdest du ein Fotografie-Studium empfehlen?

Ja, auf jeden Fall. Bei mir war es so: 70 Prozent Historie der Fotografie und 30 Prozent Praxis, aber leider gehöre ich zur letzten Generation der analogen Fotografie. Bereits ein Jahr nach mir war die digitale Fotografie schon auf dem Vormarsch. Da hatten alle schon Photoshop und das ganze Zeug auf ihrem Computer. Ich hab damals wirklich alles noch im Darkroom gelernt und das war sehr interessant.

Die Historie der Fotografie, die ich gelernt habe, braucht eigentlich kein Mensch, aber trotzdem ist es gut, zu wissen, wie alles entstanden ist und es ist interessant. Ich weiß nicht, was man heutzutage in dem Studium lernt. Aber generell halte ich das Studium für eine gute Grundlage.

Lieber eine schlechte Kamera, aber immer dabei oder eine krasse Kamera für bestimmte Zwecke?

Mit einer schlechten Kamera bekommst du eine schlechte Qualität. Irgendwann nervt es dich, weil du dann die Sachen nicht wirklich ausdrucken kannst oder die Tiefenschärfe nicht gut ist oder das Bild einfach nicht deinen Ansprüchen genügt.

Schlechtes Bild, schlechte Qualität… ist unbrauchbar oder? Lieber ein geiles Bild als 10 beschissene.

Was hat dich bewegt, Schuhe zu fotografieren?

Ich hab schon immer einen Fetisch für Schuhe gehabt. Ich stehe einfach auf coole Sneakers und Schuhe. Schuhe sagen einfach viel über den Charakter des Menschen aus.

Wenn jemand beschissene Schuhe trägt, dann weißt du schon, dass da irgendwas mit dem Menschen nicht stimmt. Entweder hat er einen schlechten Geschmack oder er checkts einfach nicht. Das hat mich einfach schon immer interessiert.

Es ist nicht so, dass mich nur der Schuh interessiert und ich den im Studio vor einem weißen Hintergrund fotografiere, weil ich den Schuh so geil finde. Immer in Zusammenhang mit starken Farben, interessanten Orten, also zum Beispiel wo man einen Schuh unter Wasser sieht, auf einem teuren Teppich im Hotel oder in einem Club zusammen mit kaputten Gläsern.

Das Spannende für mich ist der Schuh im Kontext mit einer geilen Location. Ich hab von Celebrities, Pennern auf der Straße, bis hin zum Stripper in Texas alle möglichen Schuhe fotografiert… aber wenn, dann waren deren Schuhe irgendwie cool, modisch oder extravagant.

Mir geht es eigentlich darum, dass man nie das Gesicht der Person sieht, sondern immer nur die Schuhe und die Umgebung und was eben gerade passiert. Es geht nicht immer nur um den Schuh: Es geht auch um die Umgebung und um die ganze Energie auf dem Bild.

Was ist deine Inspiration und wo holst du sie dir?

Meine Inspirationen sind oft andere Fotografen, die meistens leider nicht mehr am Leben sind. Auch Kunst. Ich kauf mir viele Kunst- und Fotografiebücher. Dann markiere ich die Seiten bei Sachen, die mich interessieren und mir gefallen, allein von den Farben her, der Komposition oder der Idee. Später bau ich mir das irgendwie zusammen, wie ich das will. Vieles passiert auch spontan oder inspiriert mich erst vor Ort. Das kommt auch oft vor.

Auf jeden Fall inspirieren mich neben den Fotobüchern auch Filme. Alte Filme sind eine gute Inspiration. Ich mache auch viele Screenshots von Filmen, die ich dann in einem Folder speichere und sie dann irgendwann raushole. Wenn ich mir überlege, was ich für ein neues Projekt mache, dann schaue ich dort wieder rein. Manchmal macht es klick und dann passt das perfekt zusammen.

Foto- und Kunstbücher, Screenshots von Filmen, aber auch Ausstellungen und Museen. Bei Ausstellungen und Museen schau ich eher auf die Verarbeitung der Kunst. Ich finde das handwerkliche eben auch interessant, wie die Bilder gerahmt oder aufgezogen präsentiert werden. Auch das inspiriert mich dann.

Wenn du deinen Erfolg in der Fotografie nicht hättest, was würdest du dann machen?

Was würde ich machen? Wahrscheinlich Bitcoins kaufen. Mach ich auch so.

Bist du mit deinen Fotomodellen noch im Kontakt?

Ja, aber nur mit den männlichen. Mit manchen bin ich noch in Kontakt und mit manchen bin ich so zufrieden, dass ich öfters mit ihnen zusammenarbeiten will. Ich habe viele Freunde, die ich einfach vom Style her interessant finde und deshalb gerne fotografiere, obwohl sie keine Models sind. Es kommt immer drauf an, wie die Person ist. Es geht mir nicht darum, ob sie professionelle Models sind. Entweder sie gefallen mir so gut, dass ich mit ihnen weiterhin fotografieren und in Kontakt bleiben will, weil sie vom Aussehen so interessant sind oder sie sind einfach coole Menschen und wir bleiben so in Kontakt. Ich bin eigentlich ziemlich easy mit jedem. Meistens.

Welche bereits verstorbenen oder noch lebende Personen würdest du gerne fotografieren?

Als bereits verstorbenen hätte ich gerne mal Salvador Dali fotografiert oder irgendwas schönes mit ihm inszeniert mit seinen krassen Farben in den Phantasiewelten. Steve McQueen hätte ich auch gerne vor der Linse gehabt. Einfach mit ihm abhängen und super Bilder machen.

Was verlangst du pro Job bzw. was kostet deine Zeit?

Ruf meinen Agenten an und zieh dich warm an.

Was macht für dich ein Foto gut und was schlecht?

Das kann so schnell in die Hose gehen. Manchmal hast du gute Kompositionen und eine geile Idee und einfach die schlechte Verarbeitung. Also schlechte Farben, mieses Styling oder schlechtes Licht. Manchmal ist ein Foto richtig schlecht, du hast aber geiles Styling. Für mich ist es eigentlich die Summe von Komposition, Style und die Farben. Das sieht man an allen meinen Bildern, dass für mich Farben sehr wichtig sind. Ein gutes Foto muss einfach geschmackvoll sein finde ich.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Auf jeden Fall so weiter machen wie jetzt: Ich bereite gerade eine Ausstellung vor, wo ich Fotografien mit Design verbinden will. Dann ist da noch mein seit langem vernachlässigtes und immer wieder verschobenes Schuh-Buch…
Ich möchte auch gern wieder mehr in Deutschland arbeiten, weil es mein Heimatland ist.

… und ich sollte meine Fenster hier mal wieder putzen lassen… die sehen echt widerlich aus, Alter!

Lieblingsessen?

Scaloppina Limone.

Lieblingsmusik?

Klassik & Rap

Wie kann man dir eine Freude machen?

Mit der neuesten Kamera oder einem guten Witz.

Was ist die Geschichte hinter diesem Foto (2015)?

Boa, sag mal, wo hast du das gefunden?

War auf Facebook.
Geiles Foto eigentlich, oder?

Ja, finde ich auch!

Der Obdachlose namens Peter a.k.a. „The Fox“, lag 2 Wochen lang vor dem Haus eines Freundes von mir. Wir haben ihm geholfen und Essen gebracht. Er war auch ganz lustig drauf, nur leider häufig besoffen… hat meistens gepennt… einmal, nach einer Party, wo ich auch ziemlich betrunken war, hab ich mich neben ihn gelegt…

Vielen Dank für das Interview und für deine Zeit.

Kein Ding. Den einzigen Tipp, den ich jetzt noch geben kann, wenn du fotografieren willst, ist: du musst einfach wirklich immer weiter fotografieren. Jeden Tag fotografieren ist eigentlich das Beste und am Ende des Jahres eine Ausstellung machen oder ein Buch, damit du dann dein Resultat siehst. Man darf nicht aufgeben. Einfach weitermachen. Das hat jetzt nicht nur mit der Fotografie zu tun, sondern egal was du im Leben machst. Man muss sich einfach Ziele setzen und sich an die halten. Ich hab es lange Zeit nicht gemacht, deswegen bin ich jetzt auch nicht da, wo ich gern sein würde, aber ich hab es jetzt gecheckt. Also see ya later bro.


Homepage: www.dylandon.com

Instagram: @dylandon_

Fotos: © Dylan Don

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