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Vier Jahre Kultur-Netzwerker: Das Interview

Bereits seit 2013 überwinden die „Kultur-Netzwerker“ Barrieren in den Bereichen Kunst, Musik und Theater. Durch die Plattform werden Kulturkenner und solche, die es werden wollen, zusammengebracht. In regelmäßigen Abständen stellen die sogenannten “Scouts“ Veranstaltungen auf Facebook, für die man sich als “Newcomer” unkompliziert via Kommentarfunktion anmelden kann. Zu zweit oder zu dritt geht es dann zum Event und dank den kleinen Gruppen lernt man schnell und unkompliziert. Wir haben uns mit der Mitgründerin Rosali Wiesheu zum Gespräch getroffen.

Mucbook: Die Kultur-Netzwerker gibt es jetzt seit über drei Jahren. Wie hat sich das Projekt in dieser Zeit entwickelt? Und existiert das Gespann der drei Gründerinnen — Julia, Anna und dir — noch in der ursprünglichen Konstellation?
Rosali Wiesheu: Ja, das Dreierteam besteht nach wie vor so. Ich bin mittlerweile aber die letzte, die noch in München ist. Julia Kirn ist nach Düsseldorf gezogen, Anna von Kölln nach Berlin. Dadurch, dass unser Projekt hauptsächlich online läuft ist es aber nach wie vor so, dass wir uns die Arbeit aufteilen. Seit ungefähr einem halben Jahr haben wir außerdem eine Mitarbeiterin, Ursula Meier, die uns wahnsinnig gut unterstützt.

Wie finanziert ihr das?
RH: 2014 haben wir den „Hidden Movers Award“ der Deloitte Stiftung gewonnen, der mit einem Preisgeld von € 15.000 verbunden war. Von diesem Fördergeld zehren wir immer noch. Außerdem haben wir es letztes Jahr geschafft, einige Spendengelder zu sammeln.

Gibt es auch noch Scouts die von Anfang an dabei sind? Oder haben irgendwann einmal alle genug von den “Banausen”?
RH: (lacht) Also, dass irgendwann jemand resigniert das Handtuch geworfen hat, hatten wir tatsächlich noch nie. Fast immer bekommen wir ausschließlich positives Feedback.

Müssen die Scouts ihre Tickets selbst bezahlen?
RH: Durch die Kooperationen mit den Veranstaltern kommen wir in der Regel an drastisch vergünstigte Tickets, so dass unsere Scouts oft wenig bis gar nichts bezahlen.

Wieviel Zeit nimmt das Projekt nach wie vor in Anspruch?
RH: Bis auf die unmittelbare Koordination kann man vieles gebündelt abarbeiten. Dazu kommt aber noch die Vereinsarbeit, Abrechnungen, Sitzungsprotokolle etc. Pro Mitarbeiter kommt man auf etwa 25 Stunden im Monat.

Gibt es eine Veranstaltungsart, die besonders beliebt ist?
RH: Die klassischen Institutionen werden am besten wahrgenommen, vor allem die Oper. Da haben wir aber auch eine hervorragende Kooperation. Meistens bekommen wir super Plätze auf dem Parkett für 6 – 15 Euro.

Das wäre auch für mich persönlich die Veranstaltung, die mich am meisten interessiert.
RH: Die Oper steht halt tatsächlich für Hochkultur. Und gerade weil sie so sehr die Hochkultur verkörpert und häufig auch noch sehr komplex ist, ist es toll, einen geführten Einblick und Hintergrundinformationen durch den Scout zu bekommen. Außerdem sind die Karten normalerweise viel teurer. Wir arbeiten aber auch daran andere Formate zu stärken. Spannend wären zum Beispiel „studio visits“ oder der Besuch einer Klasse in der Akademie der bildenden Künste. So könnte man einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen.

Ziel der Kultur-Netzwerker ist es ja, Uninteressierte in Interessierte zu verwandeln. Ist euch das gelungen, beziehungsweise wie heterogen ist denn die Gruppe der Newcomer?
RH: Es ist schon so, dass die Newcomer zum größten Teil Studenten sind. Als Scout hatte ich aber schon alle möglichen Leute, vom Versicherungsangestellten bis zur Schreinerin.

Ihr hattet ja auch die Idee, dass die Kultur-Netzwerker ein Werkzeug der Integration sein könnten. Hat sich die Internationalisierung verwirklicht?
RH: Bisher leider noch nicht. Die Veranstaltungen werden nach wie vor in Deutsch durchgeführt. Ich glaube, wir sind bisher einfach noch nicht in die richtigen Schichten vorgedrungen. Am einfachsten wäre es wahrscheinlich, mit ausländischen Studierenden anzufangen, z.B. bei den Erasmus Studenten. Noch ein Projekt für die Zukunft.

Gemeinsamer Besuch einer Vernissage, anschließend vielleicht noch einen Drink – manche denken da an das klassische Date. Gibt es auch schon „Kultur-Netzwerker-Kinder“?
RH: (lacht) Nein, weder Pärchen noch Kinder. In diesem Bereich bleiben wir professionell. Ich glaube aber auch, dass Leute die flirten wollen, sich nicht die Kultur-Netzwerker aussuchen, sondern andere Onlinedienste nutzen.

Das Konzept dürfte ja auch in anderen Städten funktionieren. Habt ihr Ableger oder Nachahmer?
RH: Nein, die gibt es bisher noch nicht. Mittel- oder langfristig würden wir das Projekt aber auch gerne in Berlin und Düsseldorf etablieren. Anna und Julia sind dort ja mittlerweile beheimatet. Allerdings braucht so etwas immer Zeit und ein gutes Team. Wenn man berufstätig ist, kann das schwierig sein.

Gerade am Anfang ist euer Bekanntheitsgrad schnell gewachsen. Habt ihr die Reichweite die ihr haben wollt oder geht da noch mehr?
RH: Dadurch, dass unsere Mitarbeiterin so großartige Arbeit leistet, haben wir viele neue Kooperationen und Veranstaltungen und eine gute Scout-Dichte. Das Angebot ist also fast schon höher als die Nachfrage. Deshalb: gerne mehr!

Wer Lust hat, dieses großartige Angebot wahrzunehmen und mit den Kultur-Netzwerkern auf Entdeckungstour zu gehen schaut am besten auf ihrer Facebook-Seite vorbei. Talentierte Scouts schreiben eine Mail an info@kultur-netzwerker.de 

Beitragsbilder: Kultur-Netzwerker, Rosali Wiesheu

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