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5+1 Dinge, die ich in 15 Tagen ohne Schwarz und Weiß gelernt habe

Februar. Das ist für mich alle Jahre wieder der Monat, in dem der Winter viel zu lang und die Tage viel zu kurz sind. Die herzenwärmende Weihnachtsbeleuchtung ist vollständig demontiert, vom Glühwein hatte man jetzt wirklich genug Kopfweh für ein Jahr und der einst wunderschön weiße Schnee ist, sofern noch vorhanden, entweder mit gelben Pipilachen besudelt oder zu grauem Matsch am Straßenrand verkümmert. Gern hat sich zu dieser Zeit des Jahres auch schon wieder Regen breit gemacht, während der Wind von seiner schneidigen Eisernheit noch so gar nichts ablegen will.

Kurz um: Februar ist der Monat, den ich am wenigsten mag.

Alle Jahre wieder hat zu dieser Zeit in meinem Kleiderschank eine Farbe Hochkonjunktur, weil sie mir das Denken abnimmt. Sie ist die friedlichste aller Farben, denn sie beißt sich nicht. Sie ist Schutzschild, denn sie kaschiert und sofern man darauf achtet, bei einer Schattierung zu bleiben, ist sie elegant und immer passend: Schwarz. Noch nie wurde ich in Schwarz komisch angeschaut, noch nie habe ich mich in ihr over- oder underdressed gefühlt und noch nie hatte ich in einem schwarzen Outfit beim Verlassen des Hauses das Gefühl, besser doch noch mal umzudrehen und etwas anderes anzuziehen.

Kurz um: Schwarz ist die Farbe, die ich (zeitweise) am meisten mag.

Und trotzdem habe ich mich entschieden, dieses Jahr ein bisschen anders vorzugehen und 15 Tage komplett auf Schwarz zu verzichten. Und auf Weiß gleich mit.

Warum? Weil genau in diese anstrengendste Zeit des Winters ein Fest fällt, das ich sehr gern mag: das Chinesische Neujahrsfest. Die Feierlichkeiten sind mit einer ganzen Reihe von Traditionen und Bräuchen verknüpft, unter anderem mit der Vermeidung von Schwarz und Weiß. Diese beiden werden zu Beerdigungen getragen und gelten somit als Trauerfarben. Trägt man sie zu Beginn des Jahres, zieht man Unglück an, so heißt es.

Nach 2016 nicht unbedingt das, was man im neuen Jahr gebrauchen kann, dachte ich mir, und was kann schon passieren, wenn man einfach mal Trauerfarben weglässt und sich bunt kleidet? Heute, etwas mehr als zwei Wochen später, kann ich sagen: Es ist nichts spektakuläres geschehen, aber fünf Dinge sind mir in den letzten 15 Tagen trotzdem aufgefallen. Bitteschön:

  1. Seidencarrés sind nicht nur was für Großmama
    zugegeben, das war lange Zeit meine Überzeugung. Und das wirklich schöne quadratische Dior Seidentüchlein, das ich vorletztes Jahr auf einem Hinterhof ergatterte, hat seither lediglich meine Schublade bunter gestaltet. Bis mir in den letzten zwei Wochen aufgefallen ist, wie praktisch so ein Ding sein kann! Zu einem schmalen Streifen gefaltet und um den Hals geknotet, wirkt ein grauer Pulli sofort elegant. in Dreiecksform leger um den Hals gelegt, alle Enden im Ausschnitt versteckt, ersetzt es gekonnt einen Rollkragenpullover. Mein einziger ist nämlich leider: schwarz
    Tag 14
  2. Wadenlange Röcke und Oversize-Pullis haben den gleichen Schutzschildstatus verdient wie Schwarz
    Lustiger weise gibt mir da die Harper’s Bazar Februarausgabe recht, denn kombiniert man zu einem wadenlangen Rock statt einer strengen Bluse einen zu großen, grob gestrickten Pulli, ist die vermeintliche Spießigkeit des Unterteils sofort verflogen! Stattdessen punktet man mit einer modernen Silhouette, die auch noch eventuelle Winterspeckröllchen unsichtbar macht. Wichtig: Ärmel hochkrempeln! Unterarme sind so ziemlich das einzige Körperteil der Frau, das im Lauf der Jahrhunderte noch nicht zur Problemzone deklariert wurde und signalisieren bei so einem voluminösen Look: nein, ich bin keine Tonne! Na ja, und hohe Schuhe schaden natürlich auch nicht.
    Tag 11
  3. Kunstpelz ist eine Allzweckwaffe
    Lange Zeit habe ich Tiermuster verabscheut wie der Teufel das Weihwasser, aber diesen Winter hat sich das schlagartig geändert. Kurz vor Weihnachten musste ich unbedingt einen Leomantel haben und ich bin heilfroh, diesem Drang nachgegeben zu haben. Klar man fällt auf. Und ja, jeder reagiert drauf. Zeitweise würde man am liebsten auch ein Schild dran machen “nein, NICHT echt!!”, aber sobald man sich an die Blicke gewöhnt hat, sind solche Flecken unglaublich vielseitig einsetzbar. Ähnlich wie Schwarz passen sie zu quasi allen Farben und sind somit mustertechnisch absolute Allroundtalente, siehe nächster Punkt.
    Tag 13
  4. Mustermix kennt keine Grenzen
    Na ja fast. Zugegeben, meine Lieblingskombi Fake-Leo + Fake-Schlange hat sogar in meinem modeaffinen Kollegenkreis für einen kurzen Aha-Moment gesorgt, war dann aber ruck zuck akzeptiert und sogar für gut befunden. Warum es funktioniert hat? Obwohl sowohl Schlange als auch Leo ziemlich wilde Muster sind, habe ich beide nur in naturfarben. Das ist das verbindende Element. Einen roten Leo zur Schlange? Das würde ich dann wohl doch nicht machen… Wohl aber zu beidem noch eine floral gemusterte Bluse. Denn in diesem Fall greift das Gold die warme Farbigkeit der Tierwelt auf und mauschelt sich ein.
    Tag 8
  5. Bunter macht munter
    Zugegeben, ich habe in den letzten zwei Wochen länger vor dem Kleiderschrank gebraucht als sonst. Schwarz ist einfach unkomplizierter. Und ja, mir ist auch schon früher aufgefallen, dass ich zum Beispiel in Knallrot sogar an Katertagen mehr Komplimente bekomme als in Schwarz. Trotzdem war ich überrascht, dass meine Umwelt tatsächlich bemerkt hat, dass etwas an mir anders ist.
    Das geschah zum einen passiv: zwei Wochen lang hat mir niemand gesagt, dass ich heute “ganz schön müde” aussehe. Passierte vor dem Experiment mehrmals die Woche. Zum anderen waren die Reaktionen aber auch durchaus aktiv. Mal bekam ich zu hören, heute ja “schon wieder sowas spaciges” anzuhaben, zum anderen wurden Erklärungen meines Selbstversuchs mit “ach deswegen bist du momentan so bunt unterwegs, hatte mich schon gewundert…” quittiert. Und als ich dann am Montag das erste Mal wieder in die Arbeit kam, mit schwarzer Hose und grauem Pulli, sagte unser Fittingmodel doch glatt zu mir: “Ah, dein Experiment ist zu Ende oder? Schade. Bunt hast du so viel gute Laune versprüht…”Tag 9

Tja. Scheint schon etwas dran zu sein, an der Wirkung der Farben… Aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich hätte die Nicht-Farben nicht auch vermisst. Am schwersten viel es mir tatsächlich am vorletzten Tag, einem Freitag, an dem mir wirklich alle Sinne nach Schwarz-von-Kopf-bis-Fuß standen. Auch (oder besonders) abends beim Tanzen. Aber ich habe es durchgehalten. Und am Ende waren die Zehn-Zentimeter-Ansätze ohne Plateau deutlich schmerzhafter als die Abwesenheit von Schwarz.

Mein Resümee nach 15 bunten Tagen ist also: ich würde es wieder machen, jeder Zeit. Denn eine Bonuslehre habe ich auch noch gezogen, aus meinem Selbstversuch:

  • Ich habe wesentlich mehr Klamotten, als mir bewusst war
    Obwohl ein beachtlicher Teil meines Schrankes in Schwarz oder Weiß oder einer Kombination aus beidem (vive la Marinière!) gehalten ist, bin ich in den letzten Tagen absolut nicht in Waschstress gekommen. Nur ein paar neue Socken musste ich mir zulegen, sonst wäre das Experiment doch schon nach einer Woche gescheitert.

Das gibt mir schon ein wenig zu denken. Ein guter Vorsatz für das Jahr des Hahnes wäre vielleicht, noch weniger zu kaufen… Aber darum kümmere ich mich im Lauf des Jahres.

Jetzt freue ich mich erstmal, dass schon mehr als die Hälfte des von mir so ungeliebten Februars rum ist, ohne, dass ich mich groß über ihn ärgern konnte! Und während die Tage schon merklich länger und die Vögel lauter werden, darf ich wieder Schwarz, Weiß und Streifen tragen. Vorerst allerdings nur in homöopathischen Dosen. Ich will ja nicht gleich von meiner Umwelt gefragt werden, ob ich denn in Trauer bin. Das ist mir in Schwarz nämlich schon des Öfteren passiert…

In diesem Sinne: Auf ein buntes und fröhliches Jahr des Hahnes!

 

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