Graffiti von Gimp zur #ausspekuliert-Demo vom 15.9.
Aktuell, Stadt, Wohnen trotz München

#ausspekuliert: 10 gute Gründe, am 15. September für bezahlbaren Wohnraum zu demonstrieren

Es braucht ja bei den MünchnerInnen offensichtlich etwas mehr als bei den BewohnerInnen anderer Städte, bis sich was regt. Bis sich die aufgestaute Wut, der Ärger und die Machtlosigkeit nicht mehr nur am Stammtisch oder in Kommentarspalten von irgendwelchen Onlinemedien oder auf Facebook entladen, sondern dieser Frust auch auf die Straße getragen wird. Aber da scheint sich jetzt tatsächlich etwas zu regen: Die BewohnerInnen dieser Stadt haben in den letzten Monaten schon zweimal gezeigt, dass sie die Schnauze voll haben: Von polizeilichem und sicherheitspolitischem Größenwahn und von Hetze und rhetorischer Brandstiftung von Rechts, zum Beispiel. Und jetzt eben: #ausspekuliert.

Für bezahlbaren Wohnraum: #ausspekuliert

Da war es nur eine Frage der Zeit – und des Tropfens, der das vielzitierte Fass zum Überlaufen bringt –, dass die MünchnerInnen auch auf die Straße gerufen werden, um ein weiteres Zeichen zu setzen: Für bezahlbaren Wohnraum, gegen soziale Ausgrenzung, Immobilienspekulanten und eine Politik, die dem entweder seit Jahren tatenlos zuschaut (looking at you, SPD) oder das Problem leugnet oder gar noch befördert (ihr wisst wer ihr seid, CSU-Politiker).

Gegen soziale Ausgrenzung: #ausspekuliert

Aus dem Umfeld des Münchner Mieterstammtischs, der sich seit einigen Monaten trifft, austauscht und berät, kommt der Impuls am Samstag, 15. September um 14 Uhr auf die Straße zu gehen und für bezahlbaren Wohnraum zu demonstrieren.

Aus dem #ausspekuliert -Aufruf:

Eine Woche vor dem Einzug der Wiesnwirte aufs Oktoberfest organisieren wir den symbolischen Auszug der Münchner. Mit einem bunten, lauten Umzug mit Koffern und Leiterwagen führen wir vor, wie unsere geliebte “Weltstadt mit Herz” künftig aussehen wird, falls Spekulation weiter ungebremst Einzug hält und sämtliche Normalverdiener verdrängt werden.

Die Bürger der Stadt schließen sich zusammen und werden aktiv. Aktiv gegen die zügellose Gier der Investoren, gegen Gesetze, die Steilvorlagen für Entmietung sind und dadurch Mieter zu Spekulationsobjekten machen. Aktiv gegen verantwortungslose Politikerinnen und Politiker, die auf allen Ebenen tatenlos zuzuschauen scheinen – Für eine bunte Stadt, eine lebenswerte Heimat.

Ausspekuliert Martin Fengel

Und warum sollte ich bei #ausspekuliert mitdemonstrieren?

Ganz einfach: damit sich was ändert, zum Beispiel an diesen 10 grausligen Fakten und Zahlen zur Wohnsituation in München:

1. 6.700.000 Euro kostete die teuerste Eigentumswohnung, die 2017 in München den Besitzer wechselte – das sind ca. 25.000 Euro pro Quadratmeter. (Quelle)

2. Laut Planungsreferat kostete der durchschnittliche Wohnungsquadratmeter letztes Jahr 7.400 Euro. Am krassesten war es im Lehel: Mit 30.000 Euro pro Quadratmeter wurde hier im Jahr 2017 der höchste Preis aufgerufen. (Quelle)

3. 4,3 Prozent sind die Wohnungsmieten 2017 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Bei den Kaufpreisen um 7,9 Prozent. (Quelle)

4. 8,17 Millionen Euro Wohngeld wurden 2017 an 4.740 Haushalte ausgezahlt. Das sind durchschnittlich 144 Euro im Monat. (Quelle: LHM, Sozialreferat)

5. Ein besonders krasses Beispiel: Die Luxus-Eigentumswohnungen am Nockherberg auf dem ehemaligen Paulaner-Gelände kosten bis zu 17.000 Euro pro Quadratmeter. (Quelle)

6. Eine 75 Quadratmeter große Wohnung kostete 2016 in durchschnittlicher Lage 536.000 Euro, also 7150 Euro pro Quadratmeter. (Quelle)

7. Es gibt in München 43.000 Sozialwohnungen, davon werden jährlich 3200 neu vergeben. Es gibt aber fast acht Mal so viele Anträge: 2016 waren es 24.000. (Quelle)

8. Pro Quadratmeter zahlen Münchner Mieter zwischen 13,20 Euro (Aubing-Lochhausen-Langwied) und 18.70 Euro (Altstadt-Lehel). Bei Erstbezug wird es nochmal teurer, nämlich 24,40 Euro im Bezirk Altstadt-Lehel. (Quelle)

9. Die Anzahl der Wohnungslosen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf rund 9000 Ende 2017 verdreifacht, Tendenz steigend. (Quelle)

10. Es gibt noch unzählige Beispiele mehr, die vor allem auch eins zeigen: wie untätig die Politik in den letzten Jahren/Jahrzehnten war (oder wie profitorientiert).

 

Ja und, mir geht es doch gut?

Das mag hier und da etwas abstrakt und schwer nachvollziehbar klingen und man denkt, dass man es ja doch irgendwie schafft. Mit etwas Glück beim Vermieter oder dank Eltern, die ein bisschen aushelfen können. Anders ausgedrückt: wir haben uns einfach alle schon sehr an diese Situation gewöhnt und finden Strategien, um irgendwie damit umzugehen. Dann gibt es aber auch viele Menschen, die dieses Glück nicht haben und drum noch viel mehr Schwierigkeiten haben, auf diesem knallharten Mietmarkt irgendwie zurechtzukommen.

Da hilft manchmal ein Blick in eine andere Stadt und man merkt wieder: Es könnte alles so viel besser sein. Drum: #ausspekuliert


In aller Kürze:

Was? #ausspekuliert Demo für bezahlbaren Wohnraum

Wann? Samstag, 15. September ab 14 Uhr

Wo? Start am Mariahilfplatz um 14 Uhr, Schlusskundgebung am Geschwister-Scholl-Platz ab 17 Uhr

Mehr Infos auf Facebook


Timetable für die Kundgebungen am Geschwister-Scholl-Platz

ab 16:15 Uhr Live Musik

16:15 Robert + Bea Wildfeuer

16:25 Bud Spenzer Heart Chor

16:35 1hoch6

WARM UP

ab 17:00 G.Rag und die Landlergschwister und weitere Beiträge

WUTMACHER

17:20 „Worst of Mieter-Stammtisch“, u.a. mit der Mietergemeinschaft Ruffinistraße und dem Mieterverein München
17:40 Musik & Kabarett: Ecco Meineke

POLITIK

17:50 Politiker-Podium
18:05 Musik Main Concept & Roger
18:10 EVG Norman Maul, Eisenbahnergewerkschaft, Thema Genossenschaften
18:15 verdi-Jugend, Bettina Rödig, Thema Jugend
18:20 DBG Kreisverband München, Simone Burger, Thema Normalverdiener
18:25 Musik: Buck Roger and the sidetrackers

MUTMACHER

18:30 – „Best of Mieter-Stammtisch“, u.a. mit Bernadette Julia Falsch von der Initiative Bodenrecht

FINALE

18:50 – Schlusswort: Max +Jörg „Was kann jeder nach der Demo tun?“
18:55 – Musik Ausklang: Teecain Song „Wir bleiben hier“ mit Main Concept und Roger und 1hoch6,Raggabund,, Lisaholic

ca. 19:15 – Ende


Beitragsbild: © Gimp / Ausspekuliert

No Comments

Post A Comment

Das Heft über „Wohnen trotz München“

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons