Aktuell

Cucurucu! Ein Balzschrei tönt aus dem Großstadtdschungel

DSC_0042Ich bin ihm gefolgt und fand mich ums Eck vom Cafe Konsmos in der neuen Bar von Tobias Tzschaschel und Peter Pazmandi wieder.

Das Cucurucu ist mit seiner Nähe zum Hauptbahnhof perfekt zentral gelegen. Trotzdem finde ich es nicht auf Anhieb. Okay, das ist gelogen. Ich kannte den Außenbereich ja schon von Bildern. Aber ein Schild oder einen Cucurucu-Schriftzug sucht man hier vergeblich. Stattdessen springen mir drei bunt dekorierte Schaukästen in die Augen – oder besser gesagt: „Das Triptychon“, wie Tobi es später nennt. Wanninger’s Wicked Triptychon, um genau zu sein. Das wollen die beiden Jungs von unterschiedlichen Künstlern immer wieder wechselnd gestalten lassen. Den Anfang macht Sophie Wanninger. Die von ihr gestalteten Kästen sehen aus wie drei Fenster in ferne Welten. Einmal blickt man auf einen Delfin im weiten, blauen Meer. Einmal auf etwas, was für mich aussieht wie ein mexikanischer Götter-Schrein: Götterbilder und Kerzen, viel pink, viele Blumen, eine Girlande und ein aus Neonröhren gebogener Kussmund. Wenn ich genauer überlege, kann ich eigentlich gar nicht genau sagen, wieso das mexikanisch auf mich wirkt. Daneben ein Fenster mit Blick in das grüne Dickicht eines Dschungels. Hier bin ich richtig.

Beim Betreten der Bar macht der Dschungel erstmal Pause. Ihn finden wir später, versteckt hinter den schwarzen Türen in dem goldenen – ja, goldenen! – Gang wieder: auf den Toiletten.

 

Neu und sexy: Tobi und Peter über ihr Barprojekt

Woher kommt der Name eurer Bar? Und was bedeutet er? 
„Cucurucu ist der Balzruf der Stadttaube – und Tauben gibt es viele am Hauptbahnhof. Danke an Stef Zins! [Stefan Zinsbacher, ebenfalls Mitglied der Hauskonzerte Crew] Außerdem klingt es einfach toll: Cucurucu!“

Was ist anders und einzigartig hier? 
„Nichts ist neu oder anders. Es ist einfach nur eine Bar. Einzigartig ist die Liebe und der Enthusiasmus, mit dem wir dieses Projekt und den Space mit all unseren Freunden vorantreiben. So, glauben wir, kann ein besonderer Ort entstehen.“

Wie viel Zeit habt ihr in euer Projekt geteckt? 
„Bisher: Eineinhalb Jahre Gedanken und zwei Monate Muskelkraft.“

Bis auf das Geländer der Empore haben die Jungs die komplette Bar selbst und von Eigenhand renoviert und den gesamten Prozess -vom Ölen des Bodens über das Streichen den Wände bis zum Bau der Bar- auf ihrem Instagramaccount @cucurucu.bar festgehalten. Das einzige, was vom Vorbesitzer bleibt, ist ein Stück Holz. Das bildet jetzt den Tresen.

DSC_0036

DSC_0020
Und wer unterstützt euch dabei? 

„Ein Meer von Freunden und Verrückten!“

Was macht ihr, wenn ihr nicht hier arbeitet? 
„Musikfilm, Musik machen, Familienvater sein: Peter hat zwei Kids.“

Wenn sie nicht gerade am Cucurucu werkeln, veranstalten Tobi und Peter zusammen mit Stefan Zinsmacher im Rahmen ihres Projekts Hauskonzerte Live-Musik-Sessions und teilen die Videos auf YouTube. Dass die beiden Ahnung von Musik haben, merkt man sofort. Denn auch jetzt, tagsüber, erfüllt Musik die leeren Bar. Hinter dem Tresen findet sich zwischen Gläsern und Spülbecken ein Plattenspieler, auf dem Fensterbrett mehrere Vinyl-Platten. Eine davon hat Tobi erst kürzlich auf dem Flohmarkt auf der Theresienwiese ergattert, erzählt er mir. Und er veranstaltet nicht nur Konzerte und hört gerne Musik- er macht sie auch selber: mit seiner Band Teer & Federn.

Was liebt ihr an München besonders? 
„Die Leute.“ Ich schaue etwas verwirrt. Mit dieser Antwort hätte ich nicht gerechnet. „Oder besser gesagt: Die vielen Lebenskünstler, die trotz hoher Mieten und so weiter tausend Wege finden, sich und ihre Visionen in der Stadt auszuleben.“

Wann das Cucurucu eine Person wäre, wie wäre diese Person? 
„Gefühlvoll, ausgelassen, sexy, romantisch, berauscht und… hm, was negatives: verpeilt. Wobei, verpeilt ist ja fast schon wieder sympathisch.“

Ein Song, der mit dem Cucurucu zutun hat? 
The Durutti Column – Otis („Another sleepless night for me baby!“), der Song, zu dem Nächte lang geschuftet wurde und natürlich Cucurrucucu – Paloma.

DSC_0088

DSC_0090

Mit dem Außenbereich sind die beiden noch nicht ganz zufrieden. Die Gartenmöbel des Vorbesitzers sind zwar vorerst nicht schlecht, aber es darf ruhig noch ein bisschen zusammengewürfelter aussehen. Außerdem lässt die Flora noch zu wünschen übrig. Aber das wird sich ändern!

Dieses Wochenende öffnen sich dann endlich die Türen. Heute um 17 Uhr geht es los mit einem Terrassen Hangout!


in aller Kürze:

Was? Cucurucu Eröffnungswochenende mit Hand Habits in Concert, Orakel Oliven, Sekt Sause, Stef oben ohne, Wanninger’s Wicked Triptychon

Wo? Elisenstraße 5, Hauptbahnhof Nord

Wann? Freitag, 05. Mai ab 17:00 und Samstag, 06. Mai

 

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
No Comments

Post A Comment

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons