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Die Karawane muss weiterziehen: Der Stattpark Olga ist auf Platzsuche

Christina Winkler

Christina Winkler

Schreibt unter der großen Gefahr auf Wortspielen hängen zu blei - es gibt schließlich nix, des net gibt.
Christina Winkler

20 Erwachsene und 5 Kinder wohnen aktuell am Ratzingerplatz, in der Borschetsriederstraße 109. 30 Wägen – von ausgebauten LKWs bis hin zu alten Feuerwehrautos – bilden hier das Zentrum einer alternativen Gemeinschaft. Diese sieht im Fuhrpark nicht nur ein Zuhause, sondern auch einen Veranstaltungsort, der zu einem Nachbarschaftstreffpunkt wurde, gleichzeitig aber auch Besucher von weiter weg anlockt.

Regelmäßig organisieren sie Konzerte und Tage der offenen Tür laden dazu ein, die alternative Lebensform kennen zu lernen. Eintritt verlangen sie dafür nie, sogar Verpflegung während der Veranstaltungen wird auf Spendenbasis angeboten.

Jetzt müssen die Bewohner eine neue Bleibe suchen.

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Wo war der Stattpark Olga bisher zu finden?

Vor ein paar Jahren besetzten Künstler die Halle 6 des Kreativquartiers, da hörte man auch erstmals vom Wohn- und Kulturprojekt Stattpark Olga. Denn während der Besetzung siedelten sie sich auf dem Vorplatz des Gebäudes an. Nach dieser Aktion entschied die Wagenburg, dass man ja ein bisschen länger bleiben könnte. Daraufhin wurde Presse und die Stadt auf die Idee des Wohnens in Wägen aufmerksam, insbesondere Alt-Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) setzte sich stark dafür ein, dass ein ordentlicher Platz her muss.

Den ersten festen Standort fand die Gemeinschaft mit Hilfe der Stadt München dann in Giesing. Von dort zogen sie dann um in die Tumblingerstraße. Gerade die Ludwigvorstadt-Isarvorstadt war für den Kreativpark eine super Lage, um sich als Kulturprojekt zu behaupten. Da aber auch dieser Standort nur zeitlich begrenzt zur Verfügung stand, war der nächste Halt der Ratzingerplatz. 

Hier ist der Stattpark Olga aktuell noch zu Hause. Zwischen den Wohn- und Gemeinschaftswägen findet man kleine Beete, ein Trampolin oder eine Fahrradwerkstatt. Es war jedoch von vornherein klar, dass der Standort nicht von Dauer sein wird und jetzt ist es soweit: Bis Juni müssen die Wägen abgezogen sein, da hier eine Schule gebaut werden soll.

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Was heißt das jetzt für den Stattpark Olga?

Eine neue Fläche muss her. Dass das in München eher einer Odyssee als einem Spaziergang gleicht, war nicht nur Andi, einem der Bewohner schon von vorneherein klar:

„München verdichtet sich mehr und mehr, ich verstehe, dass jeder an seinen Grundstücken festhalten will“, meinte er durchaus verständnisvoll im Gespräch mit MUCBOOK.

Trotz vieler Unterstützer in der Stadt, gerade seitens der SPD und Grünen, leuchtet so manches Argument dann aber doch nur schwer ein.

Die meisten innerstädtischen Flächen schlugen die Stattparkler selbst vor. Der Großteil davon wurde bereits abgelehnt, oft gut begründet (sie gehören nicht der Stadt, es sind Bebauungen geplant, usw.). Wieso jedoch beispielsweise dem Gartenbaureferat lieber eine Fläche zugeordnet wird, um Steine zu lagern, anstatt ein gut vernetztes Kulturprojekt zu fördern, lässt dann doch kurz Zweifel aufkommen.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Diese Frage steht gerade im Zentrum der wöchentlichen Besprechungen im Gemeinschaftswagen. Sie wißen es noch nicht, bisher wurde ihnen noch keine passende Fläche zugesichert. Was sie wissen, ist dass die Zeit knapp wird, denn Mitte des Jahres beginnt die Stadt mit dem Bau der Schule. Der Umzug, inklusive Auf- und Abbau der Wägen, nimmt jedoch mit Sicherheit ein Vierteljahr in Anspruch.

Die Suche läuft also auf Hochtouren. Andi meint dankbar, dass sie damit immerhin nicht komplett allein gelassen würden. Die zuständigen Behörden prüfen auf Anfrage nochmals nach und machen eigenständig weitere Vorschläge.

Warum ist Zentrumsnähe für den Stattpark Olga so wichtig?

Die Vorschläge des Kommunalreferates reichten von Freiham bis Lochhausen. Andi sieht den Stattpark aber ganz klar nicht zwischen Autobahn und Feldern. Die reine Peripherie würde gerade den Kultur- und Veranstaltungsaspekt einstampfen. In diesem Fall würde es sich nur noch um ein Wohnprojekt handeln, was nicht dem Grundgedanken der Vernetzung entspräche.

Zudem wäre es für die Kinder der Wohnwägler schön, nicht aus Kindergarten und Schule und so dem vertrautem Umfeld herausgerissen zu werden. Gerade hier am Ratzingerplatz wurde der Stattpark gut aufgenommen, die Leute waren neugierig und offen. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, aber die gäbe es vermutlich auch auf dem Land.

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Ein Zuhause auf Rädern bleibt es, ein Zuhause auf Zeit sollte es dieses mal aber nicht werden – der neue Standort muss ein Ort sein, an dem die Gemeinschaft länger bleiben kann, die Kinder die Schule abschließen können und sowohl Nachbarn, als auch Anwohner und Interessierte einen Platz zum Austausch finden.

Falls also jemand von einer geeigneten Fläche weiß, dann freut sich das Kollektiv bestimmt über jeden Tipp.

Wir sind gespannt wo es sie hinzieht!


Fotos: © Christina Winkler

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