Aktuell, Kultur, Live

„Die Umkleide ist ziemlich klein, aber vielleicht gibt es ja Champagner“ – Blossoms im Interview

Dass Musik aus der Manchester-Ecke ziemlich oft ziemlich gut ist, ist kein Geheimnis. Bands wie New Order, The Stone Roses oder Oasis bescherten der Stadt und der umliegenden Region den Ruf als Gitarren-Metropole Englands.

Blossoms sind auf dem besten Weg, die nächste Band zu sein, die sich in diese Tradition einreiht: Ihr Debüt-Album erreichte in Großbritannien Platz 1 der Album-Charts und mit 25 spielt die Band aus Stockport bereits in englischen Stadien.

Wir haben uns vor ihrer Show im Strom mit Sänger Tom Ogden und Schlagzeuger Joe Donovan zum Interview getroffen.

Mucbook: Ihr seid ein paar Tage zu spät da – ihr hättet die Wiesn noch mitnehmen können. Ihr wart aber schon vier Mal in München. Habt ihr Lieblingsspots in der Stadt?

Tom: Wir fahren morgen früh um 6 mit dem Bus nach Mailand, heute haben wir also die Möglichkeit feiern zu gehen. Ich war mal mit meiner Freundin im Nymphenburger Schlosspark, das war cool. Marienplatz sowieso. Wir hatten hier immer super viel Spaß – aber es war immer viel zu kalt.


In England spielt ihr vor zehntausenden Leuten, sei es in Stadien oder auf der Pyramid Stage bei Glastonbury. Wie ist es, den Kontrast zu erleben – heute zum Beispiel vor ein paar Hundert Leuten im Strom?

Tom: Es erinnert uns immer daran, wie es war in Großbritannien 2014 anzufangen. Die Shows machen richtig Spaß, in so einer intimen Atmosphäre zu spielen ist immer komplett anders. Die Umkleide ist ziemlich klein – aber vielleicht gibt es ja Champagner.

Ihr erzählt in Interviews, dass euer Ziel ist, so schnell wie möglich so groß wie möglich zu werden. Hofft ihr also bei solchen kleineren Shows, beim nächsten Mal im Zenith oder in der Olympiahalle zu spielen?

Joe: Wenn uns jemand sagen würde, dass wir in München vor 20.000 Leuten spielen können, würden wir es natürlich machen, aber wir spielen immer wieder kleine Shows, auch daheim in Manchester. Auf der UK-Tour haben wir auch bewusst kleinere Hallen dabei – auch wenn wir vor 15.000 spielen könnten.

Gibt es auf Tour Momente, in denen ihr euch einen „normalen“ Job zuhause herbeisehnt?

Tom: Ich würde nie 9-5 arbeiten wollen.

Joe: Das haben wir ja auch schon gemacht.

Tom: Auf Tour haben wir wenigstens immer ein paar Stunden frei, die hatten wir daheim nicht. Ich filme in meiner Freizeit dann immer in den Städten, in denen wir sind. Manchmal haben wir sogar den Luxus, einen Tag frei zu haben und uns entscheiden zu können, ob wir den dann in Berlin oder Paris verbringen wollen.

Berlin oder Paris?

Tom: Paris!

Joe: Richtig schwer. Wenn meine Freundin dabei ist: Paris. Wenn ich feiern gehen will: Berlin.

Ihr spielt bald in China, Japan und Thailand. Wo wolltet ihr schon immer mal spielen?

Tom: Südamerika. Wir haben in Asien, Australien und Nordamerika gespielt, aber Südamerika fehlt uns noch. Wir haben anscheinend total viele Fans da.

Zurück nach Großbritannien. Ihr schafft es als eine der wenigen neuen Bands, mit klassischem Gitarren-Indie erfolgreich zu sein. Woran liegt das?

Joe: Ich glaube das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass wir gut sind. Simpel. Außerdem glaube ich, dass die Leute verstehen, dass wir beste Freunde sind.

Tom: Wir sind real.

Ihr seid eine Kasabian-esque Gang?

Tom: Arctic Monkeys sind schon ewig befreundet, Oasis sind Brüder, die Beatles waren – zumindest am Anfang – beste Freunde. Ohne uns mit denen vergleichen zu wollen, kann man feststellen, dass super viele erfolgreiche Bands einfach seit Ewigkeiten befreundet waren.

Joe: Es gibt viele Bands, die großartig sind und einfach nicht so durchstarten konnten wie wir, aber wir hatten tolles Management und ein Label, das uns auch nie beeinflussen oder verändern wollte.

Tom: Außerdem hatten wir schon Fans, bevor wir überhaupt ein Album draußen hatten, wir haben davor schon wahnsinnig viele Konzerte gespielt.

Wie sehr habt ihr von der Manchester Musikszene profitiert? Ihr habt ja schon früh in eurer Karriere mit bekannten Künstlern aus Manchester wie den Gallaghers oder den Stone Roses gespielt.

Tom: Bands aus Manchester scheinen sich besonders oft gegenseitig zu helfen und respektieren sich.

Joe: Ich würde Liverpool noch dazuzählen. Da scheint es eine ziemliche Einheit zu geben.

Tom: Ich werde oft gefragt, wie Noel ist. Dann antworte ich „Wie zum Teufel sollte ich das wissen?“ Dann wird mir aber bewusst, dass wir das eben jetzt schon wissen. Das ist verrückt.

In euren Musikvideos und auf Social Media spielt ihr oft mit dem 80s-Image. Was fasziniert euch daran?

Joe: Ich wünschte, wir würden mit den Aktionen durchkommen, die Bands in den 80ern bringen konnten. Make-up und so.

Tom: Wir hätten damals sicherlich mehr Geld verdient.

Joe: Aber so sehr fokussieren wir uns gar nicht auf die Vergangenheit.

Und trotzdem entdeckt man immer wieder Anspielungen an die Zeit, in der Musiker noch reicher und Manchester City noch eine Katastrophe waren.

Joe: Es ist doch immer so, dass man einen romantisierten Blick auf die Vergangenheit hat. Wir setzen uns aber wirklich nicht so sehr damit auseinander.

Tom: Einen großen Einfluss hatte da sicherlich GTA Vice City. Der Soundtrack da war voll mit Musik aus den 80ern. Wir lassen uns musikalisch schon davon beeinflussen. Die Songs aus den 70ern und 80ern haben dich dazu gebracht, aufzustehen und zu tanzen. Sowas hören wir immer vor der Show.

Tom, du hast Blossoms mal als „Kylie Minogue meets New Order“ beschrieben. Welche Kombi können wir in Zukunft erwarten?

Tom: Das nächste Album klingt einfach nach Blossoms.

Langweilige Antwort.

Tom: Auf unserem nächsten Album kommt ein Song der wie „Talking Heads meets Paul Simon“ klingt. Da, jetzt habt ihr zwei Namen.

Ihr seid riesige Fans von Manchester City und spielt am Samstag im Old Trafford [dem Stadion des Erzrivalen Manchester United]. Wie falsch fühlt sich das für euch an?

Joe: Ich habe ein Manchester City-Schlagzeug, das ich am Wochenende mitnehme.

Tom: Wir lieben Manchester City, aber wir sind jetzt 25 Jahre alt und haben einen Job zu erledigen.

Joe: Aber ich freue mich schon auf mein Man-City Schlagzeug, einfach um Leute anzupissen.

Viel Spaß dabei!


Interview: Benjamin Brown und Lena Völk
Fotos: © Lena Völk

No Comments

Post A Comment

Das Heft über „Wohnen trotz München“

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons