Marktstand auf dem Elisabethplatz
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Dorfflair in München: Die (festen) Märkte der Stadt

Barbara Manhart

Was ist lebensnotwendig, aber gleichzeitig einer der schönsten Nebensachen des Lebens? Richtig! Essen. Doch Essen kaufen, Essen kochen und Essen essen kommt aufgrund des Alltagsstresses leider häufig viel zu kurz. Zwischen Arbeit, Haushalt und alle den weiteren Geschichten, fehlt meistens einfach die Zeit. Aber wie sagt man so schön: Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Und wenn man sich schon Zeit für gutes Essen (und natürlich gute Getränke) nimmt, warum nicht gleich ein Stück Münchner Geschichte mit erkunden? Das geht besonders gut auf dem Münchner Viktualienmarkt, der die Stadtbewohner*innen schon seit mehr als 200 Jahren mit allen möglichen Spezialitäten versorgt. Der Markt gelegen inmitten der Innenstadt hat bis 20 Uhr geöffnet, wirkt mit seinen dunkelgrün lackierten Holzhäuschen und dem unebenen Kopfsteinpflaster nahezu idyllisch. Nahezu, denn nach Ende der Verkaufszeiten werden die Leute von den um ihn herum verteilten Restaurants angezogen, wie ein Schwarm Mücken. Und daran wird auch schon das Problem ersichtlich, das München im Allgemeinen stark beschäftigt: Überfüllung.

Rushhour vs. Genussbedürfnis

Allzu häufig wird der eigentlich zur Entspannung gedachte Ausflug zum Viktualienmarkt nach dem Feierabend oder am Wochenende zum Stresstest für die Nerven. Es ist laut, voll und wirklich zur Ruhe kommt man nicht. Gibt es da keine Alternativen? Doch! Denn München hat nicht nur einen Markt mit permanenten Ständen.

Das kleine Geschwisterchen: Der Pasinger Viktualienmarkt

Der Pasinger Viktualienmarkt wurde im Jahr 1906 zur beschlossenen Sache, kurz nachdem man Pasing vom Dorf zur Stadt erklärte. Im Frühjahr 1907 folgte der erste Markttag und 1929 der Standortwechsel in die Bäckerstraße, wo er auch heute noch zu finden ist. Im Jahr 1937 wurde der Platz um den von Hans Osel gestalteten Fischbrunnen, den eine fischender Junge aus Bronze ziert. Dass Pasing seinen eigenen „Lebensmittelmarkt“ besitzt – denn nichts anderes bedeutet Viktualienmarkt – liegt daran, dass Pasing erst im Jahr 1938 in München eingemeindet wurde. Mit seinen 450 Quadratmetern macht er dem Münchner Viktualienmarkt zwar größentechnisch keine Konkurrenz, doch darauf kommt es ja auch nicht wirklich an. Die Stände, welche man dort findet, locken mit einem Ensemble aus Feinkost und Blumen. 120 Jahre Brotbackkultur finden sich bei der Bio-Bäckerei Gürtner, neben der Gärtnerei Adler, welche frisches Gemüse, Kräuter und Blumen anbietet, der Metzgerei Franz Floß oder der Fischtheke Sergio Santangelo.

Auf Kunst muss man am Markt auch nicht verzichten, denn direkt gegenüber ziert ein Werk des Künstlers Martin Blumöhr gleich eine ganze Hauswand. Außerdem grenzen an den Markt Gebäude der AOK, einer Apotheke und der Stadtbibliothek. Wer nach dem Schlendern das Bedürfnis nach noch mehr Einkaufsmöglichkeiten hat, findet mit den Pasinger Arcaden in gerade einmal 150 Meter Entfernung eine weitere Möglichkeit zum Bummeln.

Der Elisabethmarkt: Namensvetter der berühmten Kaiserin

Der Elisabethplatz mitsamt der dazugehörigen Straße liegt im Herzen Schwabings, wo Kaiserin Sissi (Elisabeth) zusammen mit ihrem Gatten häufiger die dort wohnende Verwandtschaft besuchte. Aus diesem Grund bekam der Platz Ende des 19.Jahrhunderts seinen Namen. Im Jahr 1903 wurde der bis dato auf dem Maffeianger stattfindende Markt an diese Stelle verlegt. Der Platz und seine Markthalle wurden während dem zweiten Weltkrieg zerstört, danach traten die noch heute typischen Häuschen an ihre Stelle. In einem von diesen befindet sich das Wirtshaus „Wintergarten„, das sowohl innen als im Biergarten unter den Bäumen zum Verweilen einlädt – Publicviewing bei Sportevents inklusive. Auf der Karte des Hauses findet sich bodenständig bayrische Kost zu fairen Preisen, sowie eine kleine Auswahl an Getränken. In den restlichen Häusern finden insgesamt 25 verschiedene Stände Platz – teilweise gefüllt mit „alten Bekannten“, wie einer Hofpfisterei oder Hermannsdorfer, die man von Münchens Stadtbild kennt – aber auch zahlreichen Neuentdeckungen. Ein Stand hat sich rein auf Kartoffeln spezialisiert, ein anderer auf spanische Feinkost, oder das „Le Châlet du Fromage“ – zu deutsch die Käsehütte.

Doch auch der Elisabethmarkt wartet mit kulturellen Schmankerln auf. Neben den vorhandenen Wandbildern braucht es nur eine Überquerung der Nordendstraße und man steht vor der Schauburg, dem Theater für junges Publikum, in der ab September wieder Stücke aufgeführt werden. Nicht nur Jugendliche, sowohl Kinder als auch Erwachsene kommen rund um den Elisabethmarkt auf ihre Kosten – entweder auf dem Spielplatz direkt vor Ort, oder in den unzähligen Bars drumherum.

Der Wiener Markt: Alle Wege führen nach Wien

Oder zumindest führt die Innere Wiener Straße, die am Wiener Platz vorbeiführt, dorthin. Das ist auch der Grund, weshalb der Platz und der auf ihm stattfindende Markt ihren Namen tragen. Mit 350 Quadratmetern ist der Wiener Markt der kleinste der vier ständigen Märkte in München. Acht Stände finden auf ihm Platz, werden jedoch durch die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten des Haidhausener Viertels ergänzt. Das Standangebot ähnelt dem der vorhergehenden Märkte. Da gibt es das Blumenhäusl am Wiener Platz, das Fischhäusl, Margot’s Boulangerie und den Laden Wein trifft Schokolade.

Direkt an den Marktplatz grenzen außerdem einige nette Möglichkeiten einzukehren. Ganz nach Bedarf lässt sich dabei wählen zwischen dem Hofbräukeller mit dazugehörigem Biergarten, der Sandbar mit Urlaubsfeeling oder dem einem Hasenbau nachempfundenen White Rabbit’s Room. Hat man vom Sitzen genug, gibt es alles – vom Secondhandladen bis zum Fahrradgeschäft – vom Wiener Platz aus ganz bequem zu Fuß zu erreichen.

Der Wiener Platz wurde 1891 nach der österreichischen Stadt Wien benannt, weil die hier entlang führende Innere Wiener Straße den Beginn der Verbindungsstraße nach Wien darstellte. Die Geschichte des kleinsten der vier ständigen Münchner Lebensmittelmärkte ist abwechslungsreich: Am 1. November 1889 wurde der bis dahin an der Preysingstraße abgehaltene Markt an seinen heutigen Standort verlegt. Eine „Bekanntmachung des Magistrats der königlichen Haupt- und Residenzstadt München vom 25. October 1889“, unterzeichnet von Bürgermeister Dr. von Widenmeyer ist die „Geburtsurkunde“ des Marktes am Wiener Platz. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Markt stark beschädigt und in den Jahren nach Kriegsende wieder aufgebaut. 2002 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten am Wiener Platz und dem Markt beendet und zurückgelassen wurde ein Kleinod in Haidhausen. Im darauf folgenden Jahr bekam der Platz sogar einen Maibaum, gestiftet von den „Freunden Haidhausens“.

Alles neu?

Alle Münchner Märkte haben eine lange Geschichte und die meisten sind seit ihrer Entstehung kaum verändert worden. Das ist auch der Grund, weshalb seit geraumer Zeit Pläne zu einer kompletten Sanierung der Märkte ausgearbeitet werden. Der Elisabethmarkt ist dabei erste Markt, welcher ab diesem Herbst auch gleichzeitg gänzlich neu strukturiert werden soll. Wer ihn also noch mit seinen alten, aber charmanten Hüttchen erleben will, sollte unbedingt einen Sommerausflug dorthin einplanen. Aber aufgepasst: Im Gegensatz zum Viktualienmarkt schließen die kleinen Märkte früher. Vielleicht eignet sich also ein freier Nachmittag oder das Wochenende eher für einen Streifzug über Münchens Märkte.

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