Rekless_Ein Neger darf nicht neben mir sitzen
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„Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“: Über das erste Buch von Roger Rekless

Am 4. März 2019 kommt David Mayonga aka Roger Rekless’ erstes Buch raus: “Ein Neger darf nicht neben mir sitzen” – eine deutsche Geschichte. Warum das erste Buch des Münchners bereits jetzt in der Stadt gefeiert wird und warum auch du es lesen solltest, zeigen wir dir hier.

Auch hier ist “Dunkeldeutschland, (…) mitten im Herzen der Weltstadt mit Herz”

Letzten Sommer, als Rekless vor tausenden Menschen auf dem Königsplatz auftrat, die gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft bei strömenden Regen demonstrierten, war klar: hier muss mehr getan werden. David Mayonga fing gemeinsam mit dem Bonner Journalisten Nils Frenzel an, intensiv an seinem ersten Buch zu arbeiten.

Nein, es sei kein Traum von ihm, dem Münchner, Rapper, Moderator und Pädagoge gewesen, ein Buch zu schreiben: “Vor allem kein Sachbuch. Aber es ist dringend notwendig, über Alltagsrassismus aufzuklären und zu schreiben”, so Rekless. Denn der passiert tagtäglich in München. Auch hier ist “Dunkeldeutschland, (…) mitten in der Weltstadt mit Herz”. Denn egal was der Neuperlacher anfängt: Für einige bleibt er immer anders wegen seiner Hautfarbe.

Bereits die Einleitung fesselt

Der traut sich was. Einfach so zum AfD-Infoabend des Kreisverbandes München-Süd zu gehen. Diese Szene saugt mich als Leserin gleich zu Beginn in das Buch hinein. So dass ich weiterlesen muss, weiterlesen will. In der Wirtschaft wird David von der Wirtin beschimpft, erfährt praktisch live wie die Geschehnisse in Chemnitz umgedeutet werden und dass eigentlich immer die anderen Schuld sind: Die Linken, die Medien, die Ausländer. Und das in München. Hier und jetzt.

“Ein bisschen rassistisch. What in a Thousand Fucks soll das denn sein?”

Die offen fremdenfeindliche AfD sitzt in 16 Landesparlamenten und im Bundestag. Fremdenfeindlichkeit und Hass sind wieder gesellschaftstauglich geworden. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Und dennoch ist Davids Buch ein Angebot. Ein Angebot, miteinander zu reden und aufzuklären. Und zwar all jene, die von rassistischen Äußerungen nicht betroffen sind. Die in ihrer Lebenswelt keine Einblicke haben, wie mit marginalisierten Gruppen umgesprungen wird und das schon seit frühster Kindheit: “Ein Neger darf nicht neben mir sitzen” ist der Titel des Buches und der Satz, den David Mayonga von einem Jungen im Kindergarten hörte, als er selbst noch gar nicht wusste, dass er das sein sollte. 

So nimmt das Buch immer wieder Bezug auf persönliche Erfahrungen, wie Davids Kindheit in Markt Schwaben, zeigt aber auch andere Perspektiven auf. Das 280 Seiten starke Buch ist beispielsweise gespickt mit Gastbeiträgen von Shahak Shapira, Samy Deluxe und auch Chefket, der sagt: “Es ist anstrengend, jahrzehntelang davon zu erzählen, dass es für mich keine Gleichberechtigung gibt.” Der Musiker Chefket sagte in einem Interview (ab Minute 18:50), dass er keine Lust mehr hätte über Rassismus zu sprechen. Schließlich gebe es andere Dinge und Themen, die ihn ausmachen und über die er singen möchte, wie die Liebe.

Keine Lust und keine Kraft mehr

Dass es nicht zur einzigen Lebensaufgabe werden soll, über Rassismus aufzuklären, ist verständlich. Wichtig ist und bleibt es aber dennoch, gerade jetzt. Dazu verfolgen die beiden Autoren im Buch konstruktive Ansätze, wie in dem Kapitel: “Gefahren des Alltagsrassismus und wie man ihnen begegnen kann.” David Mayonga sagt dazu selbst:

“Wir alle haben Vorurteile. Das geht auch gar nicht anders. Aber wir sollten diese Vorurteile nicht als Wahrheiten sehen. Das sind sie nämlich nicht.”

#jedernebenjedem

Am 13. März liest David Mayonga aus seinem Buch “Ein Neger darf nicht neben mir sitzen” im Volkstheater. Die Veranstaltung beginnt um 20:00 Uhr. Zur Lesung “zwischen Beats und Buch” hat Rekless noch zwei andere Musiker eingeladen, die während der Veranstaltung ein paar musikalische Einlagen liefern.

Der Abend im Volkstheater wird eine Mischung aus Rap und Rassismus, Beats und Buch, Text und Toleranz – für eine Gesellschaft, in der wir Menschen danach beurteilen, wer sie sind und nicht, wie sie aussehen.

Vielleicht sollte jemand dazu auch die AfD des Kreisverbandes München-Süd einladen (oder alt OB Ude)?


In aller Kürze: 

Was? David Mayonga aka Roger Rekless mit Nils Frenzel
„Ein Neger darf nicht neben mir sitzen. Eine deutsche Geschichte“

Wie viel? 18,00  Euro

Alle Infos zur Lesung am 13. März ab 20 Uhr im Volkstheater gibt es hier. 


Für diesen Beitrag haben wir ein Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen, vielen Dank an den KomplettMedia Verlag.

Beitragsbild: © Ronja Lotz

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