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Hidden Places: Hinter dem Glitzer-Vorhang des Circus Krone

Jonas Haesner

Ich halte die Augen offen und versuche mit Fotos meine Sicht der Welt einzufangen.
Jonas Haesner

Unter dem Titel „Hidden Places“ stelle ich einmal im Monat Orte vor, die in München zwar bekannt sind, aber irgendwie auch nicht. Ich werde die Orte aus einem Blickwinkel zeigen, den du normalerweise nie zu Gesicht bekommst.

Mitte März habe ich den Circus Krone besucht und mir mal angeschaut, was dort so los ist, wenn nicht gerade die Artisten durch die Manege turnen und man die exotischsten Tiere und ihre Kunststücke bewundern kann.

Der Wunsch, zum Zirkus zu gehen

Während meiner Schulzeit habe ich erstaunlich lang die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, einmal Artist in einem Zirkus zu werden. Als ich 7 Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal bei dem Ferienprogramm Zirkus Lilalu teilgenommen und das hat mich nicht mehr losgelassen. Mit 11 bin ich zur Münchner Artistenschule gegangen und habe dort trainiert bis ich 18 Jahre alt war. Zugegeben, spätestens mit 15,16 war klar, dass das wohl ein Hobby bleibt. Aber ich bin durchaus schon in der einen oder anderen Manege gestanden. Der große Traum war natürlich immer, im Circus Krone aufzutreten. Dort waren die Vorbilder die richtig Großen, die mich schwer beeindruckt haben.

Ganz soweit sollte es bei mir nie kommen, worüber ich heute aber nicht unbedingt unglücklich bin. Dennoch übt der Circus Krone für mich nach wie vor große Faszination aus. Der rote Teppich in der Manege, der glitzernde Vorhang – ein Spot auf ihn gerichtet. Wer wartet wohl dahinter, um gleich vor das Publikum zu treten und halsbrecherische Akrobatik vorzuführen?

Das habe ich mir in dieser Folge Hidden Places angesehen.

Der größte Wanderzirkus der Welt

Trotz seines festen Sitzes in München ist der Circus Krone immer noch ein Wanderzirkus – und dazu auch noch der größte der Welt. Jedes Jahr im Sommer liefert er eine logistische Meisterleistung und gastiert in vielen Städten Europas. Viel ihres Equipments haben sie sogar doppelt, um schon zum nächsten Ort vorzufahren und dort aufbauen zu können. So gewährleisten sie, dass keine langen Pausen zwischen den Spielzeiten in den unterschiedlichen Städten entstehen.

Fast alles, was ich bei meinem Besuch in München sehen konnte, wird in verschiedene Waggons gepackt und mitgenommen. Sogar die hauseigene Schneiderei und Sattelei wird vollständig eingepackt und ist fester Teil der Zirkusfamilie. Während den Reisen werden diese immer direkt hinter dem Manegen-Eingang aufgebaut, um schnell flicken zu können, was während der Show kaputt geht. Alle Kostüme und Uniformen der Zirkus-Mitarbeiter sind von der Schneiderin selbst designt und genäht. Nur die externen Artisten bringen ihre eigenen Kostüme mit.

Während der Show: gar nicht so viel los

Was mich wohl am meisten überrascht hat, war dass die Artisten ihre Auftrittszeitpunkte wohl auch absolut als ihre Arbeitszeitpunkte verstehen. Wenn der eigene Auftritt um 21:20 Uhr beginnt, dann kommen sie vielleicht 20-30 Minuten vorher ins Haus, um sich fertig zu machen. Nicht wie ich dachte zum Start der gesamten Vorstellung.

Hinter dem Vorhang ist also quasi nichts los. Viele der Artisten wohnen in ihren Waggons auf dem Zirkusgelände und haben deswegen auch keinen weiten Weg zur Bühne.

Ein Blick hinter die Kulissen

Vor der Show durfte ich mich ausgiebig hinter den Kulissen des Zirkus umschauen. In der Schneiderei, im Trainingsraum, bei der Kapelle, der Sattelei und den Ställen. Während der Show habe ich hinter den Vorhang geschaut, wie sich dort die Artisten fertig machen.

Eine besondere Schatzkammer ist das Kostümlager. Hier finden sich hunderte der ausgefallensten und buntesten Kleider und Schuhe. Natürlich auch für Clowns.

Tiere habe ich natürlich auch getroffen. Erst im Stall…

… und dann in der Manege.

Alle Geschirre für die Pferde, Elefanten, Kamele, Zebras und was es sonst noch alles gibt, werden von Hand vom hauseigenen Sattelmeister gefertigt. Die Nähmaschine ist schon immer dabei und ist eine der wenigen, die noch ohne weiteres Leder nähen kann.

Jeden Monat wird Futter eingekauft. Für die Tiger und Löwen Fleisch im Wert von 20.000€. Das wird gefroren gelagert und zu gegebener Zeit aufgetaut und an die Tiere verfüttert.

Und dann geht die Show los…

Kurz vor dem Auftritt noch einen Schluck Wasser und dann raus in die Manege. Die Glocke im Hintergrund ist übrigens auch schon seit Gründung des Zirkus vor 100 Jahren dabei und reist immer mit. Sie könnte natürlich durch einen digitalen Sound ersetzt werden, aber ein bisschen Tradition muss bleiben.

In ganz München bin ich auf der Suche nach Hidden Places

Überall gibt es Orte, an denen man täglich vorbeigeht, die man aber nie von innen sieht.

Kennst du so einen Ort? Schreib mir in die Kommentare, bei welchen Orten du gerne mal hinter die Kulissen schauen willst und ich werde versuchen, sie vorzustellen.

Du willst wissen, was man in der Dschungelwelt des Tierparks Hellabrunn findet? Letzten Monat war ich dort und habe mich etwas umgeschaut: Hidden Places: Ein Ausflug in die Dschungelwelt des Tierparks Hellabrunn


Fotos: © Jonas Haesner

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