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Hoch hinaus am Sattlerplatz? Alternative Pläne für das Hirmer-Parkhaus

Benjamin Brown

Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
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Benjamin Brown

Ein Ausblick über die ganze Stadt, Hotspot für Kulturveranstaltungen und zuletzt schlichter Pragmatismus: Die Architekten Muck Petzet und Mathieu Wellner haben eine Petition gestartet, um den Abriss des Hirmer-Parkhauses zu verhindern.

Nachdem der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats beschlossen hatte, dass das Hirmer-Parkhaus am Färbergraben abgerissen und ein dortiger Neubau größtenteils dem Herrenausstatter Hirmer zur Verfügung gestellt werden soll, formiert sich nun Widerstand gegen die Entscheidung.

Die Grünen zeigten sich mit der vorschnellen Vergabe im Wirtschaftsausschuss der Stadt unzufrieden. Somit wäre es gar nicht zu einer Diskussion über alternative Nutzungsmöglichkeiten gekommen. Katrin Habenschaden, ehrenamtliche Grüne Stadträtin der Landeshauptstadt München, betont aber, dass ihre Fraktion keinerlei Probleme damit habe, dass Hirmer den Zuschlag bekommen hat. Mit dem gesamten Verfahren wären voreilig Fakten geschaffen worden, Kritik an der letztendlichen Vergabe äußert Habenschaden aber nicht.

Während die Grünen also im Stadtrat das Verfahren kritisieren, bietet eine Petition auf change.org der Münchner Architekten Muck Petzet und Mathieu Wellner eine konkrete Alternative zum Abriss.

Wird das Parkhausdach zum Sattlerplatz?

Bereits im August hatten die Architekten auf dem Dach des Parkhauses einen „Sattlerplatz“ eröffnet (siehe Titelbild) – den es unter dem Namen in München zwar umgangssprachlich, rein formell aber noch gar nicht gibt.

Neben den Rooftop-Visionen und dem Traum eines „urban bespielbaren Raumes“ mit Stadtblick, fordern Petzet und Wellner eine „Umprogrammierung des Bestandes mit nichtkommerziellen Nutzungen“ und ganz allgemein ein „Umdenken der Stadt München in der Vergabe zentraler Grundstücke an Privatinvestoren“.

Die Petition zielt also darauf ab, das Parkhaus in seiner ursprünglichen Funktion anzupassen, jedoch nicht abzureißen. Die Reaktionen auf den Vorschlag sind dabei ambivalent: Während er einerseits als wichtiger Schritt gegen eine zunehmende Kommerzialisierung der Stadt und einer Schaffung neuer Kulturflächen verstanden wird, besteht andererseits Empörung über den möglichen Verbleib des „hässlichen“ Parkhauses.

Bisher läuft die Petition, die an den Oberbürgermeister Dieter Reiter gerichtet ist, nur langsam an. In den ersten zwei Wochen konnte sie die Marke von 350 Unterschriften noch nicht knacken. Sollte sie aber dennoch Erfolg haben – und der Stadtrat gewillt sein auf den Alternativvorschlag einzugehen – stehen die Architekten und Urheber der Petition bereits mit Konzepten zur Umgestaltung des Parkhauses in den Startlöchern.

Das Parkhausdach, der neue Kultur-Hotspot, soll über eine riesige Treppe zur Straße erreichbar sein. Im Schatten der Treppe sollen Märkte und Veranstaltungen stattfinden, im Inneren des Parkhauses ebenso.

Eine Treppe soll von der Straße auf das Parkhausdach führen

Hirmer kriegt wohl den Zuschlag – trotz Protest

Mit dem recht pragmatischen Konzept, das Parkhaus in seiner ursprünglichen Funktion zu behalten und um Kulturveranstaltungen und kreative Angebote zu erweitern, soll verhindert werden, dass weiterer Baugrund in München als rein kommerzielle Fläche verwendet wird.

Zwar sollen den Plänen des Stadtrats nach im neuen Hirmer-Gebäude auch Wohnungen und Büros gebaut werden – dass die Stadt, aktueller Eigentümer des Grundes, das Areal allerdings an ein Unternehmen abtreten möchte, stößt auf Protest bei Initiativen und Vereinen wie dem Münchner Forum, das sich mit Fragen der Münchner Stadtentwicklung beschäftigt.

Dr. Detlev Sträter, Mitglied des besagten Münchner Forums, kritisiert die Pläne der Stadt massiv. Als Eigentümer der umstrittenen Fläche sollte die Stadt bereit sein, im Sinne seiner Bürger*innen zu handeln – doch dazu „fehlt den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern die Fantasie“, klagt Sträter.

Möglichkeiten zur Nutzung des Geländes gäbe es zu Genüge: Kulturräume, innenstädtische Begegnungsorte oder bezahlbarer Wohnraum. Hauptsache, es entstehe nicht erneut ein Ort, wo die „Monokultur großer Unternehmen“ vorherrsche. Dass die Stadt die Entscheidung damit begründet, sie wolle explizit ein Münchner Traditionsunternehmen fördern, kann das Münchner Forum nicht nachvollziehen. Wirkliche Gewerbeförderung würde „bezahlbare Flächen an kleine, bedrohte Münchner Unternehmen vermieten, die aufgrund hoher Pachten um ihre Existenz fürchten oder sich aus dem städtischen Raum zurückziehen müssen“.

Diskussionsbereitschaft? Stadtrat bleibt stur

Konkrete Alternativen möchte Detlev Sträter hingegen nicht bewerten – er sieht die Aufgabe des Münchner Forums derzeit nicht darin, Architektur zu beurteilen. Spannende Vorschläge zur Gestaltung des „Sattlerplatzes“ gäbe es; neben den Architekten Petzet und Wellner hatten sich ebenfalls Student*innen aus Innsbruck mit der Thematik auseinandergesetzt. Doch alle guten Ideen würden erst dann spannend, wenn die Stadt bereit wäre, auf Alternativvorschläge einzugehen.

Solange aus parteipolitischen Reihen allerdings kaum Widerstand kommt, sieht es nicht danach aus. Somit liegt es an Initiativen wie dem Münchner Forum, zu diskutieren und Protest zu äußern.

Dieser Protest stößt aktuell im Stadtrat auf taube Ohren. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl ist laut SZ froh, dass das Gelände einem Münchner Unternehmen zukommt, dies sei von Anfang an das Ziel gewesen. Und es war auch nie wirklich in Gefahr: Hirmer hatte sich als einzige Firma auf die Ausschreibung des Areals gemeldet. Kritiker bemängeln, dass die Ausschreibung nur versteckt auf einer Unterseite der Stadt publiziert wurde.

Von Kritik an einer Kommerzialisierung der Innenstadt möchte Reissl zudem nichts wissen: „Der Marienplatz war schon immer ein Kommerzort“, sagt er.

Ja dann.


Fotos: © Koopmann/Pedersen, Muck Petzet, Mathieu Wellner

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