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Kaiserwetter – MOSUS: Münchens lang ersehnte Open Air Afterhour

Der Sommer ist da und die Münchner haben Bock in der Sonne zu tanzen. Open Airs bieten Gelegenheit dazu. Nur dass in München die Zahl der Open Airs leider ziemlich begrenzt ist, und sich folglich die ganze Stadt auf Back to the Woods, Schall im Schilf, Isle of Summer und Co. stürzt. Spontan mal hinschauen? Geht in den meisten Fällen nicht. Wer seine Tickets nicht Monate im Voraus in der Early-Bird-Phase kauft, muss mit Ticketpreisen von 30€+ rechnen – wenn er denn überhaupt noch eins bekommt.

Und wie jeden Sommer stellt sich der Münchner Technoliebhaber wieder einmal die Frage, wieso hier denn eigentlich alles so kompliziert sein muss. (Auch wenn wir die Antworten bereits kennen.) Wieso haben die Münchner Clubs keine Außenbereiche? Im Winter reichen ein Sonnenschirm und zwei Stehtische als Raucherbereich. In milden Sommernächten verbringt man dann aber doch gerne auch mal mehr als 10 Minuten im Freien. Und überhaupt: Wieso haben die Clubs, zumindest im Sommer, nicht auch mal tagsüber offen? Es muss ja nicht von Donnerstag bis Montag gehen, aber zumindest einen Tag, oder sei es auch nur ein Vormittag, unter freiem Himmel weiter feiern können, das wärs doch.

Freunde der Sonne, aufgepasst!

Masi hat die Lösung für alle spontanen Freilufttänzer. Zwischen den grauen Wellblechverkleidungen der alten Klangwelt gibt es jetzt, unter bunten Lampions, Fähnchen und freiem Himmel, eine neue Afterhour für München! Jeden Sonntag kann ab 11 Uhr im Kaiserwetter – MOSUS getanzt und gechillt werden.

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Masi Kohestani kam als ehemaliges Flüchtlingskind von Afghanistan nach Deutschland. Vor 10-15 Jahren entdeckte er seine Liebe zur elektronischen Musik und ist seitdem auch selbst als DJ bei Wannda, im Pathos, auf dem Ikarus, Echelon oder Isle of Summer tätig.

Was hat dich dazu bewegt, „Kaiserwetter – MOSUS“ zu starten?
„Ich will Menschen, die irgendwie gleich sind, miteinander verbinden. Ein Ort, an dem Gemeinschaftsgefühl entsteht und aufeinander aufgepasst wird. Wo Menschen sich helfen indem sie sich z.B. gegenseitig Wasser anbieten wenn einer am Boden sitzt, dem es offensichtlich nicht ganz gut geht. Das kann doch nicht sein, dass man in so einer Situation Angst haben muss, dass einem auch noch das Handy geklaut oder sonst etwas mit einem gemacht wird. Das Kaiserwetter/Volksgarten war früher so mein Jugendding, und das will ich wieder aufleben lassen. Ich habe ein bisschen recherchiert, um herauszufinden wer früher das Kaiserwetter gemacht hat – und siehe da, es waren Bekannte von mir, die ich aus der Szene kenne! Ich habe sie gefragt, ob ich den Namen übernehmen kann und sie meinten, wenn das einer darf, dann ich!“

Wieso ein Kaiserwetter-Revival und kein neuer Name?
„Eine Legende bleibt natürlich eine Legende, deswegen habe ich es Kaiserwetter – MOSUS genannt. MOSUS ist quasi der Sohn vom alten Kaiserwetter. Wir ziehen dem ganzen ein neues Kleidchen an. Es soll nicht dasselbe werden wie das alte Kaiserwetter, aber es soll auf das alte anstoßen! Damit können wir natürlich nicht jeden alten Kaiserwetter-Fan überzeugen, aber wir sind offen für Kritik und Feedback.“

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Was macht das Kaiserwetter – MOSUS so besonders?

„Das Publikum und die vielen Künstler, die helfen, diesen Traum zu ermöglichen. Das gibt es nicht oft, dass die Partygäste am Ende zum Besen greifen und helfen zusammenzukehren oder schnell zur Tanke laufen, wenn uns das Eis ausgeht. Diese tollen Menschen sind es, die das Kaiserwetter zu etwas besonderem machen!
Von der Türe über die DJs bis zum Publikum wird alles eigens ausgewählt und geschaut, das die Stimmung stimmt. Lieber haben wir nur 20 Gäste an einem Tag, als dass wir irgendwelche Leute reinlassen, die nicht rein passen. Dafür haben wir auch top geschultes Personal, das die Leute nett begrüßt, aber auch nett(!) abweist. Zum Bespiel wenn jemand zu durch aussieht oder aggressiv wirkt. Wir wollen keine Pöbeleien, und vor allem auch dass sich die Mädels bei uns sicher fühlen.“

Wer passt denn ins neue Kaiserwetter? Die typischenen Afterhour Club Gäste? 
„Nein nein, wir wollen uns ganz weit vom klassischen Afterhour Club distanzieren! Deswegen haben wir auch die Öffnungszeiten geändert, statt um 6 Uhr machen wir jetzt, im Sommer, doch erst um 11 Uhr auf. Sonst bekommen wir nur solche Leute. Wir wollen keine Reste sammeln 😉 Im neuen Kaiserwetter – MOSUS haben wir Leute aus der Roten Sonne, dem Harry, dem MMA oder auch einfach Leute, die die ganze Woche arbeiten mussten und noch Lust haben, mit einem abschließenden Rave die Woche ausklingen zu lassen. Ob das jetzt der 50-jährige Mann ist, der noch Lust auf tanzen hat, oder eine Gruppe von 18-Jährigen. Wobei wir schon versuchen, ein Ü21-Grenze zu halten. Wir wolle keine Turnbeutelhüpfer! Man soll sich schon zur Musik bewegen können, nicht rumspringen.“

Was muss sich im Münchner Nachtleben ändern?
„Mehr Menschlichkeit! Respekt und gegenseitige Wertschätzung, das ist es, was mir in München fehlt. Die Gesellschaft lebt nur von Sekunde zu Sekunde und achtet nicht auf andere, merkt nicht, wenn andere Hilfe brauchen.“

Wo gehst du so feiern?
„Ich gehe nicht wegen dem Club, sondern wegen den Künstlern feiern. Wo die dann auflegen, ist mir eigentlich egal. Aber ich gehe gerne ins Harry oder die Sonne. Ins MMA nicht so gerne, weil ich kein Techno mag. Lieber chillige Beats! Oft lege ich aber an Wochenende auch selbst auf, zuletzt auf dem Ikarus. Dann feier ich dort auch meistens weiter. Mit dem Kaiserwetter – MOSUS habe ich jetzt auch einen Ort in München, an den ich sonntags noch einmal zum Wochenend-Abschluss zurückkommen kann.“


in aller Kürze:
Was? Kaiserwetter – MOSUS, Open Air Afterhour
Wo? Landsbegerstraße 173, hinten bei McFIT (Tram 18/19: Lokschuppen)
Wann? Jeden Sonntag bei gutem (Kaiser-)Wetter von 11-22 Uhr, aktuelle Infos gibt es immer auf Facebook
Wie viel? 10€ Eintritt


Fotos: Kaiserwetter – MOSUS

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
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