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MixMuc Salon auf der Alten Utting: Sind wir nicht alle ein bisschen anders?

KulturRaum München

Wir von KulturRaum München wollen, dass Kultur für alle Menschen in München zugänglich ist. Deshalb vermitteln wir gespendete Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen kostenlos an Menschen mit geringem Einkommen. Zusätzlich zur Kartenvermittlung engagieren wir uns mit verschiedenen Projekten für mehr kulturelle Teilhabe für Alle in München.
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Eigentlich hatte sich das MixMuc Team für die Diskussion „MixMuc Salon #2: Sind wir nicht alle ein bisschen anders?“ gewünscht, dass auch Rassist*innen teilnehmen sollten. Verständlich. Denn dann hätte man sie mit ihren Ansichten konfrontieren und vielleicht mit ihnen diskutieren und streiten können.

Jede*r sollte sich mit Ausgrenzung beschäftigen

Doch sind offensichtliche Rassisten in ihren Diskriminierungen allein in unserer Gesellschaft? Und ändern sie tatsächlich ihre Meinung durch solch einen Abend? Nein, denn diese Menschen tragen ein geschlossenes Weltbild wie eine Monstranz vor sich her, obwohl sie noch nicht einmal wissen, was das ist, auch wenn sie angeblich das christliche Abendland verteidigen. Doch nicht nur sie diskriminieren Menschen, die nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören. Die meisten Bürger*innen in unserem Land, die sich selbst als politisch und sozialliberal bzw. offen für andere Menschen betrachten, sind in ihrem Alltag öfters diskriminierend und rassistisch, auch wenn sie es vielleicht nicht merken.

Wann, wo und wie oft das passiert (sehr oft), diskutierten wir mit Barbra Breeze Anderson (MixMuc), Sarah Bergh (Bergh Kultur u. Kunstprojekte, Pädagogisches Institut), Jassin Akhlaqi (MixMuc) und Hamado Dipama (Bayer. Flüchtlingsrat, Migrationsbeirat) in der Alten Utting.

Was ist Alltagsrassismus? Und wann macht der Rassismus Pause vom Alltag?

Auch wenn im vergangenen Jahr #MeToo und #MeTwo viel bewegt haben, mal wieder über Ausgrenzung, Diskriminierung und institutionellen Rassismus in Deutschland gesprochen wird, so bleibt doch, das wir uns alle zu wenig Mühe geben, Menschen zu verstehen, die regelmäßig Rassismus erfahren müssen. Dafür wird häufig der Begriff „Alltagsrassismus“ benutzt. Doch wie sagte Sarah Bergh so schön bei unserer Diskussion in der Alten Utting: „Was ist Alltagsrassismus? Und wann macht der Rassismus Pause vom Alltag?“

Es geht um Framing – also wie wir sprechen

Der „MixMuc Salon #2: Sind wir nicht alle ein bisschen anders?“ war nicht dafür da, den Rassismus der Rassisten zu zeigen, sondern dass wir alle durch unsere Wortwahl und in welchem Zusammenhang wir bestimmte Menschen setzen selbst rassistisch sind. Kurz: Es ging um Framing und Wording. Für alle, die damit nichts anfangen können: „So viele Flüchtlinge wie nie im Mittelmeer ertrunken“ lautet die Überschrift eines Artikels auf Zeit Online. Als in Norwegen ein Kreuzfahrtschiff havarierte, titelte Spiegel Online: „Menschen in Seenot – Gefährliche Schieflage“. Was das mit Framing zu tun hat? Das eine Mal sind Menschen in Seenot, beim ersten Artikel Flüchtlinge. Sind das keine Menschen? Doch, aber anscheinend muss betont werden, dass sie auf der Flucht gewesen sind. Doch wäre der Titel: „So viele Menschen auf der Flucht vor Hunger, Krieg, Diskriminierung, Rassismus oder Unterdrückung wie nie im Mittelmeer ertrunken“ dann nicht passender? Natürlich, doch wie schnell benutzen wir alle Wörter, von denen sich die gemeinten Menschen diskriminiert fühlen und setzen Themen in Zusammenhänge, die ebenso diskriminierend sind: „Junge Männer, geflohen aus Krieg und archaischen Gesellschaften – für viele hierzulande Grund zu Sorge und Angst. Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden? Wie unsicher wird Deutschland dadurch?“ lautete das Thema einer Sendung „Hart aber Fair“ (ARD) 2018. Nicht, dass das falsch verstanden wird: Hier geht es nicht um Medien-Bashing. Es gibt genug positive Beispiele, wie z.B. dieses: „Menschen in Seenot – Gefährliche Schieflage“, ebenfalls aus Spiegel Online. Auch mehrmalige Fragen danach, woher jemand kommt, auch wenn die Person eine Stadt in Deutschland genannt hat, aber „halt nicht so aussieht“ (wie mir selbst schon oft gesagt wurde), gehören in die gleiche Kategorie.

MixMuc – ein Kollektiv für Vielfalt und Zusammenhalt

Die Gesprächsrunde auf der Alten Utting war gleichzeitig die zweite Veranstaltung des regelmässig stattfindenden „MixMuc Salons“ und fand im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt, deren Auftaktveranstaltung einige MixMuc-Mitglieder bereits im Rathaus musikalisch eröffneten – eine grosse Ehre! Nach Einzelprojekten wie “MixMuc Festival”, “MixMuc Chor” und der “MixMuc Edition” (Printmagazin), startete Ende Dezember 2018 die Veranstaltungsreihe MIXMUC SALON, eine Reihe von Live-Events, die MixMuc künftig unter anderem auf der Alten Utting – dem schönsten Schiff Münchens veranstalten wird.

Das internationale, junge Kollektiv MixMuc erarbeitet facettenreiche Kulturprojekte, die Vielfalt, Zusammenhalt und Diversitätspotentiale zum Ausdruck bringen. Unsere Devise: Gemeinsam für kulturelle Vielfalt, Zusammenhalt und Inklusion ALLER. Wir positionieren uns damit  für ein friedliches Miteinander, eine humane Politik, Gleichberechtigung, Demokratie und soziale Gerechtigkeit, gegen Intoleranz, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Im MixMuc-Team arbeiten momentan rund 25 Menschen zusammen.
MixMuc wird geleitet von Julia Rid und Luisa Berauer, das Kollektiv ist im gemeinnützigen Verein für kulturelle Teilhabe, KulturRaum München e.V., beheimatet.


Text: Karnik Gregorian

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