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Münchner Gesichter: Tausendsassa Tuncay Acar

Gastronom, Musiker, Produzent, Dj, Netzwerker, Veranstalter, Kulturschaffender, diplomierter Archäologe und Graffitipionier: Tuncay Acar ist Vieles. Wenn man seinen Lebenslauf so anschaut, wird einem glatt schwindelig, ob der vielen Referenzen und Betätigungsfelder.

Nicht zuletzt ist er einer der wichtigsten Kritiker Münchens! Bei öffentlichen Diskussionen bringt er sich regelmäßig ein und legt den Finger in die Wunden der Stadt: wenn es mal wieder um schlechte Verhältnisse für Kunst- und Kulturschaffende geht, zum Beispiel. Das musste er schließlich oft genug am eigenen Leib erfahren. Nachzulesen sind derlei Ausführungen unter anderem auch auf seinem Blog TripTown, der sowas wie sein persönliches Sprachrohr in die Welt ist.

Die Plattenteller dreht er unter dem Pseudonym „DJ Süperfly“ – eine Reminiszenz an die eigenen Wurzeln: „Grown up in two funky towns – Munich and Istanbul -, Süperfly explores the deepless deeps of Norientalism. Constantly crossing the borders of cultural, ethnical, geographcal, chronological and fictional regions and musical genres“, beschreibt er sich selbst auf Mixcloud.

Engagement im Import/Export und beim „Real München e.V.“

Mit der Freigeist- und Subkulturinstitution „Import Export“ hat er sich ab 2010 einen Namen gemacht. Er war Gründungsmitglied und Namensgeber der Kreativ-Crew an der Dauchauer Straße (zu Beginn noch in der Goethestraße am Hauptbahnhof). Zwischenzeitlich hat es ihn aber zum „Real München e.V.“ hingezogen, den er mit Freund*innen gegründet hat. Der eingetragene Verein veranstaltete unter anderem 2017 und 2018 das „Ois Giasing„-Stadtteil-Festival. Das Import/Export ist derweil seit 2015 in den Händen guter Freund*innen und alter Verbündeter. Hände, die sich diesen Sommer über wieder reichen:

Den ganzen August über findet in seiner ehemaligen Wirkungsstätte das Import Export-Open bei komplett kostenlosem Eintritt statt. Eine Kollaboration und Veranstaltungsreihe der beiden Crews. Ein Besuch lohnt sich immer, und sei es nur auf ein kühles Bier im sonnigen Innenhof. Unterstützen kann man das Crowd-finanzierte Projekt übrigens hier. Aber reden wir nicht länger um den heißen Brei herum – hier sind unsere „Münchner Gesichter„-Fragen an das bayrische Original Tuncay:

Weißwurscht oder Leberkas? – Die wirklich wichtigen Fragen

Weißwurst oder Leberkas?
Ich versuch so wenig wie möglich Fleisch zu essen, aber von der Weißwurst komm ich einfach noch nicht weg. Tatsächlich auch gerne mit einer schönen Weißbierhalbe vor 12.

Woran arbeitest du gerade?
An einem politischen Musical, dass die Entwicklung des politischen Islam im Spiegel der deutschen und insbesondere bayerischen Innenpolitik vom 1. Weltkrieg bis in die Gegenwart verfolgt. Und natürlich am Programm fürs Import Export Open Festival im August, an dem ich mit meinen Kolleg*innen vom Verein Real München e.V. maßgeblich beteiligt bin.

Worüber fluchst du am häufigsten in München?
Über Grantler, zu dicke Autos im Glockenbachviertel und dieses pseudoweltmännische neureiche Bauernlackl-Gehabe.

Dein bayerisches Lieblingssprichwort?
„Zefix Halleluja Kreizkruzinesn nomoi nei“. Wobei ich nicht check, was das nomoi nei bedeuten soll, aber es liegt einfach gut im Mund.

Das macht dich zum Münchner: …das gerollte R und das Blöd-daherreden.

Meine Neu-Entdeckung der letzten Monate?
Die Weinfass-Sauna beim Franz Himpsl (Unterbiberger Hofmusik) im Garten inklusive angrenzendem kühlen Bächlein zum nackat reinspringen danach.

Geht immer: …Ein Ouzo im Anti in der Jahnstrasse. Wobei ich in letzter Zeit auf Zipouro umgestiegen bin, ohne Anis. Das kriegt aber nicht jeder. Insofern geniess ich da auch meinen Sonderstatus.

Dein Lieblings-Insta-Account?
Hab kein Insta.

Wo war deine wildeste Partynacht?
An der Isar.

Damit wilde Partynächte und Sachen wie das Import Export-Sommerfest samt Kulturprogramm noch länger statt finden können, bitten das Import Export und der Real München e.V. momentan um finanziellen Support via einer Crowdfunding-Aktion. Mehr Infos findest dazu du hier.

Zum Abschluss noch ein „#Schmachtfetzen“ von Tuncays Blog, der mir so gut gefällt, dass ich ihn hier einfach mal hinten an stelle.

„ay, ay, ay, ay cantaba
Ay, ay, ay, ay, ay gemia
Ay, ay, ay, ay, ay cantaba
De pasion mortal moria“


Bilder: Tuncay Acar


Redaktionelle Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels stand fälschlicherweise, dass Tuncay Acar bis heute das Import/Export mitbetreibt. Dies wurde geändert.

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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