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Parkplätze für E-Scooter in der Innenstadt – Freiheit ade?

Leila Herrmann

Wir schreiben das Jahr 2019, es ist ein Spätsommerabend in München. Nach drei (natürlich alkoholfreien, wir wollen ja verantwortungsbewusst sein) Bier auf dem Gärtnerplatz fröstelt es uns langsam. Wir schnappen uns einen E-Scooter und fahren nach Hause. Auf dem Weg spüren wir den Wind in den Haaren und genießen den süßen Duft der Freiheit, der uns in der Nase kitzelt. Alles ist gut.
Den Roller stellen wir dann einfach vor der Wohnung ab – entspannt, praktisch, was dann damit passiert, geht uns nichts mehr an. Einen Meter weiter fällt die Tür hinter uns ins Schloss.
Aber damit soll jetzt Schluss sein. Denn: München hat nun Parkplätze für E-Scooter in der Innenstadt eingeführt und nimmt uns, wortwörtlich, den Wind aus den Segeln. Nochmal und nochmal und nochmal um den Block fahren, nur um dann vor einem ganz korrekt ausgeschilderten Parkplatz am Straßenrand zu parken? Willkommen im Jahr 2020.

They see me rollin’, they hatin’

Nicht nur die Münchner Grantler, die sich sowieso gerne mal zu allem äußern, hat das Thema E-Roller auf eine Nervenprobe gestellt. Bürger, Lokalpolitiker und auch der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund ärgern sich über das „wilde Parken“. Die häufigste Beschwerde, die bei der Stadtverwaltung zum Thema E-Scooter eingegangen ist: Behindernd oder nicht regelkonform abgestellt. Damit weder Fußgänger noch andere Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt werden, hat die Stadt nun extra ausgewiesene Abstellflächen für die Scooter in der Innenstadt geschaffen. Die Flächen sind durch entsprechende Schilder gekennzeichnet, die teilweise auch von Fahrrädern und E-Motorrollern mitbenutzt werden können.

Ab sofort finden sich die ersten sechs Abstellflächen für die E-Roller in Schwabing: an der Marktstraße, an der Haimhauser Straße, an der Trautenwolffstraße, an der Giselastraße und zwei an der Leopoldstraße. Weitere folgen in den kommenden Wochen innerhalb des Mittleren Rings.

Parkplatznot passé?

Natürlich bin ich keine Verfechterin von systematischem Falschparken und säuberlich aufgereihten Rollern vor der Einfahrt oder auf dem Fahrradweg. Eltern sollen schließlich noch problemlos mit ihrem Kinderwagen an den Rollern vorbeikommen und Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer*innen nicht eingeschränkt werden. Aber da kommt schon die Frage auf: Seit wann haben wir so viel Parkraum in der Münchner Innenstadt, wo doch sonst Parkplätze so rar sind? Seit Jahren wird von „Parkplatznot“ gesprochen und über neue Optionen diskutiert. Und jetzt plötzlich können PKW-Stellplätze zu Abstellflächen für E-Scooter werden? Und wie schade, dass gerade jetzt, wo schon angefangen wurde mehr aus den Flächen zu machen und Parkplätze in heißgeliebte Schanigärten zu verwandeln, die Stellplätze nun doch wieder „nur“ für ein anderes Gefährt hergerichtet werden.

Gut, dass die Benutzung immer noch auf freiwilliger Basis ist. Wenn Scooter-Sympathisanten die E-Roller nicht gedankenlos mitten auf dem Weg abstellen, sondern etwas achtsamer am Straßenrand, muss es vielleicht zwangsläufig nicht immer ein Parkplatz sein – so müssen wir dann auch gleichzeitig nichts von unserer Freiheit aufgeben.


Beitragsbild: Unsplash/Alexander Schimmeck

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