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Schwabing soll edgy sein? Na aber sowas von!

Schwabing und edgy? Früher vielleicht einmal, zu Bohème-Zeiten, als hier die Künstler- und Literatenszene herrschte. Heute sind das edgy-ste an Schwabing das Paar UGG Boots mit goldener Nieten-Applikation, für die Tage, an denen man sich besonders rockig fühlt. Die ärmellose Fellweste darf natürlich nie fehlen, genauso wenig wie die überdimensionale Sonnenbrille im Fliegen-Look, auf die jede 2000er Paris Hilton neidisch wäre.

„Hier gibt’s eben auch viel Schrott“

Jaja, Schwabing-Klischees gibt es viele. Und viele davon treffen zu. Dass Schwabing aber noch viel mehr ist, als Porsche Cayenne und teure Altbau-Träume, zeigt die 22-jährige Fotografin Maja Bjeljac: „Schwabing ist das Paradebeispiel für Münchner Glanz und Gloria, man denkt sofort an wunderschöne Altbauten. Aber hier gibt’s eben auch viel Schrott und das macht das Ganze auch so interessant.“

Über ranzige Ecken zur München-Liebe

Maja Bjeljac kommt ursprünglich aus dem Bayrischen Hinterland. „Kuhdorf im Bayrischen Wald“ wäre wohl der treffendste Ausdruck, wenn er nicht so abwertend klingen würde. Nach München wollte sie nie, sie kannte die Stadt nur als Bonzen-Stadt – dennoch verschlägt es sie nach dem Abitur hier her. Mittlerweile hat Maja München lieben gelernt. „Das liegt wahrscheinlich auch vor allem daran, dass es hier auch viele ranzige Ecken gibt und nicht alles perfekt ist.“

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht besonders schön, eher abstoßend aussieht, verbindet Maja eine Art Heimatgefühl mit der Hauptbahnhofsgegend – obwohl die das komplette Gegenteil von einem bayrischen Kuhdorf ist. Das Aufeinandertreffen von bayrischen Eigenheiten und Multikulti, die Gegensätze und die vielen Kleinigkeiten, die man bei jedem Spaziergang neu entdeckt, faszinieren sie.

„München wird so oft mit Schickeria gleichgesetzt. Aber an einigen Ecken man sieht auch einfach Betonbauten und verlassene Hinterhöfe neben Spielcasinos, Stripclubs und daneben ein neuer Bürokomplex und ne Vinothek.“

Perfekt unperfekt

Mit ihren Bildern möchte Maja das Unperfekte einfangen und Dingen eine neue Perspektive geben. Ob nun den Münchner Hauptbahnhof, die ranzigen Ecken Schwabings oder die verlassene Bio-Fakultät der Universität Regensburg. Außerdem fotografiert und beobachtet Maja gerne Menschen.

Sehen könnt ihr Maja’s Arbeiten auf ihrer Website bjeljac.de oder von 17. bis 21. April im Provisorium. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr.


Bilder: Maja Bjeljac

Giulia Gangl

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
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Das Heft über „Wohnen trotz München“

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