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Die Würde des Menschen ist unantastbar – Fotovortrag zum Flüchtlingslager Idomeni

Alle haben wir noch die Bilder und Emotionen des großen Flüchtlingszug im Kopf – auch wenn es verzerrte Bilder sind. Viele hatten damals den Eindruck, dass da tausende allein reisende Männern kamen. Dass jedoch auch viele Familien mit Kindern flüchteten, ist nur vage – vielleicht noch durch die Bilder des toten Jungen am türkischen Strand – zu den meisten durchgedrungen.

Der Freiburger Fotograf David Lohmüller ist damals als Helfer in das Flüchtlingslager nach Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze gereist. Er hat im Gegensatz zur Berichterstattung nicht primär die Zustände, sondern die Menschen und Stimmungen dort fotografisch festgehalten.

Mit dem Wanndakulturfestival ab dem 4. Mai kommt die ergreifende Ausstellung nach München.

„Das Camp war ein riesiges Familienlager mit bis zu 6000 Kindern. Das musste ich festhalten und zuhause vermitteln.“

Die Fotos standen erstmal nicht im Vordergrund. Täglich wurde morgens stundenlang Essen verteilt, danach Kleidung und so weiter und wenn irgendwann zwischendurch Zeit war, konnte David sich der Fotografie widmen.

„Ich habe versucht zu dokumentieren, was da los war und was mir auffiel“ so Lohmüller. Auch er zog mit der Erwartung, auf fast ausschließlich alleinreisende Männer zu treffen, los. Im Camp, in dem größtenteils menschenunwürdige Bedingungen herrschten, war er jedoch überrascht von den vielen Familien und Kindern.

„Hello my Friend“

Mit dem „Team-Banana“ verteilte Lohmüller jeden Morgen bis zu fünf Stunden lang über 5000 Bananen an die Kids. Bei der Ankunft begrüßten sie ihn mit „Hello my Friend“ und es wurde teilweise tatsächlich Freundschaft daraus. Ein junges Mädchen mit dem Namen Purjeen, übersetzte für ihn. Obwohl das Essen immer knapp war und man dafür stundenlang anstehen musste, wurde er von ihrer Familie oft zum Essen eingeladen. „Es ist den Menschen unglaublich wichtig Gastfreundschaft zeigen zu können„, obwohl sie selbst kaum etwas hatten.

David wurde von den Menschen inspiriert, die unermüdlich versuchten nach Vorne zu blicken. Sie führten ihm vor Augen, was der Satz „die Würde des Menschen ist unantastbar“ wirklich bedeutet. Mit vielen von ihnen steht Lohmüller heute noch in Kontakt.

„Den künstlerischen Wert der Bilder, legt der Betrachter fest“

Die Fotos sind größtenteils rein dokumentarisch, allerdings gab es hin und wieder Situationen von außergewöhnlicher, fast absurd schöner Stimmung. Die Landschaft um das Lager war sehr schön. Ironischerweise war es möglich viele stimmungsvolle und visuell ansprechende Einstellungen zu finden.

Auf den Bildern ist alles eingefangen, was den Fotografen bewegte. Den künstlerischen Wert der Bilder, legt jeder Betrachter für sich selbst fest, denn das war nicht der ursprüngliche Gedanke hinter den Bildern.

Was bleibt, ist Hoffnung

Flüchtlinge, die in ganz Europa verteilt sind, teilweise in staatlich geführten Flüchtlingscamps leben und noch immer auf ihre Anträge warten, sind medial nicht mehr besonders präsent. Viele Notstände sind aber noch immer nicht gelöst. Genau das treibt den Freiburger mit seinem Projekt an. Denn was bleibt, ist die Hoffnung.


Im Rahmen des Wanndakulturfestivals wird Lohmüller am Freitag den 04. Mai ab 19:00 Uhr einen Fotovortrag halten. 

Wannda Kulturfestival | Kreativquartier | Dachauerstr. 114 | München

Weitere Info’s findest du hier und hier.



Titelbild Flüchtlingscamp Idomeni © David Lohmüller

Simone Slawik
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