Kunsthaus Raab Gabi Blum
Aktuell, Kunst

Was haben Schuhe, Bier und Kunst gemeinsam? Gabi Blum im Interview über das Kunsthaus Raab

Donnersbergerstraße 15. Fast wäre ich daran vorbeigeradelt. Das silberne Lametta, das wie eine eingezogene Markise vor der Fensterfront im Wind flattert, ist mir dann aber doch noch ins Auge gestochen.

Die Wände des großen Raums hinter den Fenstern sind unverputzt, die Decke löchrig. An manch einer Stelle lassen sich an den Wänden noch die Reste einer bunt gemusterten Tapete erahnen, an einer anderen kommt das raue Mauerwerk zum Vorschein. In der Mitte ist ein Viereck auf dem Boden mit Holz ausgelegt, darauf steht ein alter Holztisch, der aussieht, als hätte er schon so einige Stammtisch-Abende miterlebt.

Dahinter lehnen drei überdimensionale Bierflaschen aus Pappmaschee an der Wand. In dem mittleren Schaufenster hängen vier große Leuchtbuchstaben: OVER. Willkommen im  Kunsthaus Raab.

Kunst auf Zeit

Aus und vorbei wird auch die Ausstellung in einigen Wochen schon wieder sein, die gerade in den Räumlichkeiten des ehemaligen Schuhhaus Raab in der Donnersbergerstraße zu sehen ist. Mit ihrer Zwischennutzung, dem Kunsthaus Raab, geht es der Münchner Künstlerin Gabi Blum aber um mehr als darum, einfach nur Kunst zu zeigen. Es geht um Raum, Prozess und Begegnung.

Auch für Gruppen, die sich regelmäßig treffen, um sich über ein beliebiges Thema auszutauschen, stellt die Neuhauserin das Kunsthaus Raab gerne zur Verfügung (für den Münchner Mieterstammtisch zum Beispiel).

 

Kunsthaus Raab Over

Mucbook: Wie kamst du zu diesen ungewöhnlichen Räumen? Was war hier vorher drinnen?

Gabi Blum: Vorher war hier das Schuhhaus Raab und davor war hier die Wittelsbacher Bierhalle drinnen. Das Schuhhaus Raab ist vor zwei Jahren raus und stand seit dem leer. Und ich bin so dazu gekommen, weil ich zum Einen hier wohne, in der Genossenschaft zwei Häuser weiter, und weil wir eine Mieterinitiative haben, da es Probleme gibt mit dem Kauf der Grundstücke.

Welche Künstler dürfen bei dir ausstellen?

Letztendlich fing es mit einer Aktion an, das waren diese Wände und der Turm. Wir haben nur die Wände rein getragen, das war gleich im Juli die erste Aktion, die stattfand. Dann hatte ich zur Ersten Ausstellung die Arbeit der Klasse Markus Oehlen in der Akademie gesehen und bei manchen Objekten, wie bei den großen Bierflaschen, war klar: das schmeißen die weg, das hol ich ins Raab. Für mich war von Anfang an auch wichtig, dass die Leute sich rein trauen und komische Sachen sehen, bei denen sie nicht diesen Kunst-Abschreck-Moment haben.

Sind dann die Leute, die du ansprechen willst, auch in erster Linie die, die sich hier im Viertel bewegen?

Ja, genau. Mir ist es total wichtig, dass an den Orten, an denen ich was mache, auch die Leute kommen, die in der direkten Umgebung sind. Weil ich es furchtbar finde, wenn immer nur die gleichen und immer nur die Kunstleute kommen. Das ist auch meine Art zu arbeiten, weil ich mich generell mit Räumen und Orten befasse. Dann kommen natürlich die Kunstleute dazu und dann gibt es immer eine ganz spannende Mischung.

Wie kommt das Projekt denn an?

Ich will die Leute ansprechen, die sich im Viertel bewegen und das funktioniert eigentlich gut. Gestern kam zum Beispiel ein Deutschkurs rein von schräg gegenüber, die haben gerade die Präpositionen gelernt und mussten danach so einen Text über den Besuch im Kunsthaus Raab schreiben: Hast du auch das Video gesehen? 

Seit wann beschäftigst du dich denn mit dem Thema Raum?

Also in meiner Kunst hat es sich nach und nach dazu entwickelt, dass es immer konkreter um Raum ging. Irgendwann habe ich angefangen, immer komplexere Räume zu bauen. Ich erfinde Räume, die irgendwo stehen, auch gerne außerhalb von Kunsträumen, also im öffentlichen Raum oder an Orten, wo nicht nur Kunst gezeigt wird.

Eigentlich geht es mir vor allem darum, Bilder zu kreieren und wenn ich Maler wäre, würde ich sie eben malen.

Es geht in deiner Arbeit also nicht nur um Wohnraum im Speziellen?

Nein, gar nicht. In dem Fall ist es eben ein Raum, den ich bespiele, der ja schon da ist. Aber für mich ist es auch ein Kunstprojekt, natürlich. Wichtig ist mir, dass der Raum so eine Art Prozess hat. Das Konzept ist eben nicht, alte Ausstellung rausräumen und neue rein, sondern dass es nach und nach immer voller wird.

Also die Objekte von der ersten Ausstellung sind noch da und die zweite Ausstellung, die jetzt dazu kam, ist von 21 Neuhauser Künstlern, und hat sich hier komplett rein gemischt.

Gibt es etwas, das du gerne anstoßen würdest bei den Besuchern, die hier waren?

Ja, dass sie nachdenken. Oder viele haben auch gesagt, was ich total schön finde: „Sowas habe ich lange nicht gesehen“ oder „sowas habe ich noch nie gesehen, ich finde das total inspirierend und anregend.“ Also dass man einen Zugang bietet zu Kunst, zu der viele Leute einfach sonst nicht hinkommen. Denn das, was ich hier zeige, findet sonst eher in totalen Off- Spaces statt oder an Orten, zu denen die meisten Leute überhaupt keinen Zugang haben. Und das funktioniert hier ganz gut!

Kunsthaus Raab Tisch

Du stellst den Raum ja auch dem Münchner Mieterstammtisch zur Verfügung.

Genau. Die waren am Dienstag da. Das war super! Ich hatte mir vom Richelbräu Bierbänke und Tische geliehen und da war hier alles voll. Und das war schon krass, was die Leute da teilweise erzählt haben. Für sowas ist der Raum auch da, der Mieterstammtisch ist eine super Sache.

Was ist hier denn demnächst so geboten?

Am 27. Oktober zum Beispiel ist hier die Neuhauser Musiknacht, da mache ich natürlich auf und eröffne die Fotoausstellung von Ivan Baschang, wir zeigen eine Fotoserie die er mal gemacht hat von leerstehenden Ladenräumen in Giesing und ich hab eine Band die am nächsten Tag spielt: „Raphael & Franz machen Musik für Dich“ als Matinée. Ute Heim zeigt bei mir ihr neuestes Projekt Anfang Dezember, Hank Schmidt in der Beeck hält einen Vortrag über die ja! WG und der Außenminister der Künstlerrepublik Uzupis kommt vorbei, da kann man dann eine Einbürgerung mitmachen. Es werden sich im Laufe der Zeit einfach immer mehr kleinere Ausstellungen hier integrieren und Relikte der Veranstaltungen übrig bleiben.

Das Projekt läuft noch bis Ende des Jahres, oder?

Genau, ich habe jetzt aber erfahren, dass ich noch länger machen kann und jetzt muss ich schnell überlegen, wie das dann ausschaut. Weil das Konzept, das ich jetzt versuche, ist darauf ausgelegt, dass es nur bis Ende des Jahres geht und auch so eine Art Showdown passiert. Damit man schon so einen Countdown hat, von wegen „jetzt ist es schon wieder vorbei“ und dann ist im Januar eben vielleicht nochmal Wiedereröffnung! Da muss ich jetzt noch überlegen, wie es dann weiter geht.

Danke für das Gespräch, Gabi!


In aller Kürze:

Was? Zwischennutzung Kunsthaus Raab von Gabi Blum

Wann? Donnerstag und Freitag von 13-19 Uhr

Wo? Donnersbergerstraße 15


Bilder: © Stefane Barnes

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