Aktuell, Kultur

Was passiert zwischen Bullitt und Abrissbirne? Rumours, Rumours, Rumours: Das Rumours!

Markus und Felix haben sich im Oktober bei einem gemeinsamen Projekt kennengelernt. Wahrscheinlich hätte keiner von ihnen gedacht, dass sie gerade mal ein halbes Jahr später ihre eigene gemeinsame Live-Bühne eröffnen. Wir haben uns mit den beiden im noch-Bullitt getroffen und uns erzählen lassen, wer sie sind und was sie auf dem Gelände der Optimolwerke noch so vorhaben, bevor sie voraussichtlich Ende des Jahres endgültig abgerissen werden.

Mucbook_Rumours-19Tschüss, Optimolwerke…

Die Nachmittagssonne brennt (soweit man im April von „brennen“ sprechen kann) über der Friedenstraße. Ich betrete das Optimolgelände wie schon so oft durch den Eingang in dem altbekannten gelben Gebäude. Obwohl ich genau in diesem Moment in einen Kaugummi trete und -wie schon so oft- anfange, das gesamte Gelände zu verfluchen, werde ich doch ein wenig wehmütig. So heruntergekommen es auch ist, wird es doch, oder gerade deshalb, irgendwo fehlen. Der Eindruck wird noch verstärkt, als ich mit Markus und Felix die Tür zum Bullitt öffne, dem man die Spuren des vergangenen Wochenendes noch deutlich ansieht. Aber die Energie der beiden steckt an! Voller Tatendrang erzählen sie mir von den geplanten Umbaumaßnahmen: Draußen soll eine Openair-Bühne entstehen, außerdem sollen Sitzsäcke den Garten in eine Lounge verwandeln. Das DJ-Pult innen sowie die Boxen werden abgebaut – nur das unscheinbare kleine Pult im hinteren Eck, das noch aus Harry-Zeiten stammt, bleibt – damit nach den Konzerten noch ein bisschen weitergefeiert werden kann. Die Stolperfalle links neben dem DJ-Pult wird noch etwas weiter nach vorne gezogen und um vier Zentimeter erhöht, und schon steht die Innenbühne. Außerdem sollen die Klos komplett saniert werden. Entstehen soll vor allem eins: Viel Platz für Subkultur! Während in München immer mehr und mehr kleine Bühnen schließen müssen und eine Location nach der anderen teuer renoviert wird, will das Rumours jungen Künstlern eine Plattform bieten. Aussteller, Singer-Songwriter und Bands jedes Genres sind herzlich dazu eingeladen, das Gelände mit Kunst und Kultur zu füllen.

… und hallo, Rumours!Mucbook_Rumours-22

Warum ,Rumours‘? 

Wer der Englischen Sprache mächtig ist, kann ,Rumours‘ relativ leicht mit ,Gerüchte‘ übersetzen. Und Gerüchte gibt es allerhand über das
Kultfabrik- und Optimolgelände! Wann wird es denn jetzt abgerissen? Ende 2016, Ende 2017? Was muss schließen, was bleibt? Aus jedem Eck hört man etwas anderes. Gerüchte über Gerüchte. Ein „Rumour“ bewahrheitet sich: Das Rumours. (Ein zusätzlicher Fun Fact, über den mir die beiden später noch mehr erzählen: Das Album ,Rumours‘ von Fleetwood Mac feiert im Jahr 2017 sein 40-jähriges Jubiläum.)


Was ist neu, anders und einzigartig am Rumours?

Das besondere am Rumours ist auf jeden Fall die Openair-Bühne, die im ehemaligen Bullitt-Außenbereich entstehen soll und drei Monate lang durchgehend geöffnet ist. Dass der Garten, in dem übrigens die einzigen beiden Bäume auf dem gesamten Optimolgelände stehen, ein wahrer Schatz ist, ist den beiden Rumours-Gründern bewusst. Das wollen sie noch einmal richtig ausnutzen: Neben den vielen Konzerten sind auch ein Bücherfestival und ein veganer Outdoor-Brunch in Planung. Bei Regen kann jederzeit nach innen gewechselt werden. Neu und einzigartig ist auch, dass mit dem Rumours zum ersten Mal in München ein (Techno-)Club in eine Live Bühne verwandelt wird, die für ausnahmslos alle Genres offen ist.

 

Wer unterstützt sie dabei? 

Hauptsponsor des Clubs ist Markus‘ Ticketshop für Subkulturevents, brombeershop.de. Neben vielen Helfern aus der Subkultur-Szene, die sich sofort freiwillig gemeldet haben, wird das Rumours noch von dem Softwareunternehmen Efficient Information Technologies unterstützt, das ihr Kassensystem eCos bereitstellt. Außerdem unterstützen sie Mundart Footwear und der Erfinder des veganen Seitan-Döners, Erbils in Haidhausen, der auch das Catering macht. Aber jeder kann die beiden unterstützen und zwar am besten und einfachsten, indem ihr alle endlich wieder auf mehr Konzerte geht. Also: „Support your local band, kommt in Scharen und trinkt viel Bier!“

Ein Song, der mit ihrem Projekt zu tun hat? 

Kein Song, sondern sogar ein ganzes Album, ist, wie bereits angesprochen, ,Rumours‘ von Fleetwood Mac. Nachdem der neue Name mehr oder weniger feststand und nur noch überprüft werden musste, ob er denn noch frei ist, ist Felix zufällig auf die Meldung über das 40-jährige Jubiläum des Albums der Blues- und Rockband aus den Siebzigern gestoßen. Fleetwood Mac ist die Art von Band, deren Platten einem früher immer von den Eltern vorgespielt wurden. Deswegen kennen sie Markus und Felix auch beide, trotz der 17 Jahre Altersunterschied zwischen ihnen.

 

Mucbook_Rumours-1

Was machen die beiden, wenn sie nicht gerade am Rumours arbeiten?

Sie haben ihr Hobby zum Beruf gemacht, deshalb hat alles irgendwie mit Musik und Kultur zu tun. Felix arbeitet noch für einen anderen Münchner Live-Club, dort ist er für das Booking und die Organisation von Konzerten zuständig. Er geht auch privat oft und gerne auf Konzerte und hat Musikwissenschaft studiert. Markus arbeitet als Berater für Kulturbetriebe und ist außerdem Inhaber des Brombeershops, ein Ticketshop für Subkultur. Für Hobbys wie Longboarden oder die Berge bleibt da nicht viel Zeit, aber da es beide geschafft haben, die Arbeit mit Vergnügen zu verbinden und in ihrer Hingabe zur Subkultur auch jede Menge Herzblut stecken, finden sie das auch überhaupt nicht schlimm.

Was lieben sie an München besonders? 

Für Markus ist München Heimat geworden. Seine vielen Jobs im Subkultur-Bereich haben ihn mit der Stadt verbunden. Für den aus Straubing stammenden Felix hat München genau die richtige Größe zwischen Kuhdorf und Weltstadt. Was beide zugleich belustigt und verwundert: das bekannte Münchner Phänomen des sich-ständig-über-den-Weg-Laufens. Wie kann es sein, dass man es nicht schafft, durch unsere geliebte 1,6-Millionen Einwohner Stadt zu fahren, ohne irgendjemanden zu treffen, den man kennt?!

Wenn das Rumours eine Person wäre, wie wäre die Person? 

„Wild. Sprunghaft, positiv sprunghaft! Verrückt. Offenherzig. Open-Minded. Weltoffen. Offen und zugänglich für unterschiedliche Arten von Kunst!“

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Klingt wie etwas, das München auf jeden Fall brauchen kann. Aber wieso auf dem Optimolgelände, über das sich doch schon der Schatten der Abrissbrine legt? Da der genaue Zeitpunkt des Abrisses immer wieder weiter nach hinten verschoben wurde, hoffen die beiden einfach, dass ihnen noch der ein oder andere zusätzliche Monat geschenkt wird. Außerdem möchten Markus und Felix der Öffentlichkeit zeigen, dass ihr Konzept funktioniert und von den Münchner gut angenommen wird. Und danach sieht es auch aus! Für das Opening-Wochenende um den 01. Juni stehen schon Stray Colors, The Veras und Manu im Programm und es haben sich auch schon die ersten Bands ihre Termine für die folgenden Monate gesichert.

Hier also ein Aufruf an alle Münchner Bands, Musiker, Songwriter, an alle Leute, die noch auf der Suche nach einer neuen, coolen Location für ihren Abend sind: Das Rumours kommt! Infos zur Venue findet ihr unter www.rumours-club.de!


Fotos: Christin Büttner

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
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