Oktoberfest-Afterwiesn-Wiesn-Wirtsbudenstraße
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Afterwiesn oder trachtenfreie Zone? Ein Leitfaden fürs Clubbing am Anstich-Samstag

Er rückt immer näher, der Anstich-Samstag. Der 16. September, der feierliche Start der Wiesn. Der Beginn von drei Wochen Massenbesäufnis, drei Wochen Kostümwettbewerb, bei dem das ein oder andere Schickeria-Dirndl leider nicht viel besser abschneidet als der Klischee-Australier. Drei Wochen klingelnde AirBNB-Kassen, drei Wochen vollgestopfte U-Bahnen, drei Wochen Afterwiesn. Und der Münchner steht wie jedes Jahr vor der Frage: Mitmachen oder nicht? Sobald ihr euch selbst diese Frage beantwortet habt, haben wir hier den ultimativen Leitfaden für den kommenden Samstag.

Der jährliche Wiesn-Vollsuff ist ganz euer Ding? Dann auf zur Afterwiesn! (Kategorie A)

Die Wiesn muss schon sein, aber danach darf es auch gerne wieder richtige Musik sein? Euer Pegel ist noch gesellschaftstauglich? Traut euch in den normalen Clubbetrieb (Kategorie B) – aber benehmt euch.

Ihr habt mit der Wiesn nichts am Hut? Absolut gar nichts? Dann ist die Auswahl nicht besonders groß (Kategorie C). Gewonnen hat, wem ein bisschen Tracht nichts ausmacht (Kategorie B + C).

Kategorie A: Ein Prooooosit, ein Prooooosit…


Bekommt ihr auch dieses Kribbeln unter der Haut, wenn ihr im Juli schon die ersten skeletthaften Umrisse der Festzelte auf der Theresienwiese entdeckt? Wenn der Duft von gebrannten Mandeln (Okay, und Kotze. Und Pisse. Aber: Gebrannte Mandeln!!!) quasi schon durch die Lüfte weht und es langsam wieder Zeit wird, die Tracht aus dem Keller zu holen? Ob nun der Tisch für den Anstich schon reserviert oder der 5-Uhr-Wecker fürs Anstehen schon gestellt ist: ihr seid ganz in eurem Element. Deshalb darf es auch nach der Wiesn gerne süffig und mit viel Humptata weitergehen. Oder seid ihr Wiesn-Touristen? Dann haltet euch (nicht nur am ersten Samstag) an folgende Clubs:

Am nächsten gelegen und auch am naheliegendsten, wenn einem im Suff einfach nur noch alles egal ist: 18 Tage Wiesn, 18 Tage Party: Tag 1 im Neuraum. Für 7€ Eintritt gibt es auf der offiziellen ENERGY Afterwiesn-Party Clubsound und Wiesenhits auf zwei Floors. Hier müsst ihr euch auch noch so betrunken um den Einlass keine Sorgen machen, zumindest lässt die Facebook-Beschreibung der Partyreihe eine hohe Bierschedl-Toleranz vermuten: „Einmal umfallen und ihr seid da! Raus aus dem Bierzelt, Frischluftwatsch‘n kassieren und dann mit Dirndl und Tracht wieder rein in die perfekte Nacht.“ Ebenfalls an allen 18 Wiesntagen geöffnet: Die 089 Bar!

Rücksicht auf den Mass- und Hendl-geschädigten Geldbeutel nimmt wie immer die Nachtgalerie: bis 00:30 Uhr ist der Eintritt zur Nachtgalerie After Wiesn Party frei. Und mit der Tram 18 und 19 dauert’s auch nicht lange hin. Geboten werden Clubsound und R’n’B, Shots für 0,50€ und die berühmt-berüchtigten Naga-Burger, die schon so manche betrunkene Heißhungerattacke stillten.

Und auch das Call me Drella lädt zur Drella After Wiesn: Bavarian Fashion Week (sic!) für alle Lederhosenblogger (sic!) und Dirndllover, im buntesten Festzelt der Stadt! Eintritt ist hier allerdings unter Vorbehalt, dafür können Tische im Voraus gebucht werden. Ihr seid Fan von VIP-Tischen? Auch bei den Oktoberfest Nights 2017 im Pacha können Tische und sogar eigene Wiesn-Shuttles reserviert werden.

Koan Booty, koa Party! NO BOOTY NO PARTY freut sich auf die Wiesn und feiert das Wiesn-Special im Ampere. Die Ladies haben wie immer bis 00:00 Uhr freien Einritt – zwecks Booty, versteht sich. Geshaked wird ebendieser zu Hip Hop, Dancehall, Afrobeats, Soca Music und Trap.

Kategorie B: Hauptsache keine Blasmusik


Der tolerante Typ hat es, neben dem Wiesnliebhaber natürlich, zur Wiesnzeit am leichtesten in München: Ihn interessiert es nämlich überhaupt nicht. Euch interessiert nicht, wer das teuerste Dirndl hat, euch interessiert nicht, wer sich am Nebentisch im Käfer eine Nase Koks gezogen hat, euch interessiert kein Bier, euch interessieren die besoffenen Menschenmassen nicht. Ihr seid hart im Nehmen. Unerschrocken, ja teilweise sogar amüsiert, macht ihr euch auf ins Nachtleben. Eure Toleranz gegenüber Wiesnbesuchern bringt euch hier einen großen Vorteil: Bei der Wahl des Clubs habt ihr alle Freiheiten. Ihr müsst auf nichts achten, außer auf den passenden Sound.

Und den liefert das Harry Klein mit Format:B. Für 10€ Abendkasse seid ihr dabei beim jährlichen Anstich mit Format:B, oder ihr holt euch die Tickets für 8€ im Vorverkauf. Ob AirMax oder Haferlschuhe, Turnbeutel oder Trachtenjanker, in traditioneller Symbiose wird hier gesteppt bis in die frühen Morgenstunden.

Elektronisch gehts weiter mit Paul and the Hungry Wolf all night long  für 10€ VVK im MMA oder mit MMA-Sound in der Roten Sonne, bei Molten Moods pres. Simo Cell, Kessel Vale und Jonas Yamer für 12€. Faulchen Fänther und seine Rasselbande bespielen ab 18:00 Uhr die Minna Thiel. Im Blitz bringen euch Mano Le Tough, The Drifter, Ed Davenport und Baikal beim Maeve Showcase  zum Tanzen. Außerdem mit dabei: Residents Julietta und Roland Appel.

Wiesn meets Proggy? Geht, in der Theaterfabrik. Ob die Tracht nun Vibe-technisch zur Goa-Deko passt, sei dahingestellt. Früher oder später sieht man sowieso nur noch verschwommen, der eine oder andere sieht vielleicht sogar weitaus Seltsameres als den Anblick der Wiesnbesucher. Für 12€ VVK bekommt ihr auf der Proggynation feinste Anti-Wiesnmusik von Fabio & Moon und den Klopfgeistern.

Warum eigentlich nicht mal wieder ein bisschen Indie? Bei Momentum im STROM gibt es abwechslungsreichen Sound aus den Genres Indie, Alternative und Electronic. Mit dabei sind Sounds von Alt-J, Foals, Bilderbuch, den Arctic Monkeys, The xx, The Black Keys, Moderat und viele mehr.

 C: Wiesn? Schleich di!


Ihr gehört zu der Sorte Münchner, die ihre Wohnung die kommenden drei Wochen am liebsten gar nicht erst verlassen würden? Leider hält uns der Arbeits- oder Unialltag von einer Komplettabschottung ab und so teilen wir uns schweren Herzens unsere Heimatstadt mit fünf bis sechs Millionen sabbernden Besoffenen, weichen Kotzepfützen – ach wäre der Floor doch nur wirklich Lava – und Grapschversuchen aus. (Apropos Grapschen: Wieso ist der Aufschrei bei sexueller Belästigung durch Asylsuchende eigentlich so groß, während es bei besoffenen Lederhosenträgern nur heißt „Ah geh, hob di ned so!“ und „Aussa mit de Depf!“?)

Da siehts eher schlecht aus in der Münchner Club-Szene. Verständlich, denn mit der Eintrittsverweigerung sinken die Umsätze. Da hilft nur noch die Flucht in Bars und Kneipen, die nicht auf Eintrittsgelder angewiesen sind. Wo ihr vor den Trachtenzombies sicher seit, haben wir euch in dieser Liste zusammengefasst.

Und wem das nicht reicht: Kopf hoch, in 18 Tagen ist es dann auch wieder vorbei!


Beitragsbild: „Wiesn bei Nacht“ von Jochen Henke, CC BY-NC 2.0, GIFs via Giphy

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