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Afterwiesn oder trachtenfreie Zone? Ein Leitfaden fürs Clubbing am Anstich-Samstag

Er rückt immer näher, der Anstich-Samstag. Der 22. September, der feierliche Start der Wiesn. Der Beginn von zwei Wochen Massenbesäufnis, drei Wochen Kostümwettbewerb, bei dem das ein oder andere Schickeria-Dirndl leider nicht viel besser abschneidet als der Klischee-Australier. Drei Wochen klingelnde AirBNB-Kassen, drei Wochen vollgestopfte U-Bahnen, drei Wochen Afterwiesn.

Und der Münchner steht wie jedes Jahr vor der Frage: Mitmachen oder nicht? Sobald du dir selbst diese Frage beantwortet hast, haben wir hier

den ultimativen Leitfaden für den kommenden Samstag.

-Der jährliche Wiesn-Vollsuff ist ganz dein Ding? Dann auf zur Afterwiesn! (Kategorie A)

-Die Wiesn muss schon sein, aber danach darf es auch gerne wieder richtige Musik sein? Trau dich in den normalen Clubbetrieb (Kategorie B) – aber benimm dich.

-Du hast mit der Wiesn nichts am Hut? Absolut gar nichts? Dann haben wir hier ein paar Tipps (Kategorie C).

-Gewonnen hat übrigens, wem ein bisschen Tracht nichts ausmacht (Kategorie B + C).

Kategorie A: Ein Prooooosit, ein Prooooosit…


Bekommst du auch dieses Kribbeln unter der Haut, wenn du im Juli schon die ersten skeletthaften Umrisse der Festzelte auf der Theresienwiese entdeckst? Wenn der Duft von gebrannten Mandeln (Okay, und Kotze. Und Pisse. Aber: Gebrannte Mandeln!!!) quasi schon durch die Lüfte weht und es langsam wieder Zeit wird, die Tracht aus dem Schrank zu holen? Ob nun der Tisch für den Anstich schon reserviert oder der 5-Uhr-Wecker fürs Anstehen schon gestellt ist: du bist ganz in deinem Element. Deshalb darf es auch nach der Wiesn gerne süffig und mit viel Humptata weitergehen. Oder du bist Wiesn-Tourist?

Dann halte dich (nicht nur am ersten Samstag) an folgende Clubs:

Am nächsten gelegen und auch am naheliegendsten, wenn einem im Suff einfach nur noch alles egal ist: 16 Tage Wiesn, 16 Tage Party: Tag 1 im Neuraum. Für 7 Euro Eintritt gibt es auf der offiziellen ENERGY Afterwiesn-Party Clubsound und Wiesenhits auf zwei Floors, mit Facebook-QR-Code bekommst du 2 Euro Rabatt. Hier musst du dir auch noch so angetrunken um den Einlass keine Sorgen machen, zumindest lässt die Facebook-Beschreibung der Partyreihe eine hohe Bierschedl-Toleranz vermuten: „Einmal umfallen und ihr seid da! Raus aus dem Bierzelt, Frischluftwatsch‘n kassieren und dann mit Dirndl und Tracht wieder rein in die perfekte Nacht.“

Ebenfalls an allen 16 Wiesntagen geöffnet: Die 089 Bar!

Rücksicht auf den Mass- und Hendl-geschädigten Geldbeutel nimmt wie immer die Nachtgalerie: Mit Facebook-QR-Code zahlst du bei der 90s After Wiesn Party bis Mitternacht nur die Hälfte des regulären Eintrittspreises von 10 Euro, Getränke gibt es schon ab 50 Cent. Und mit der Tram 18 und 19 dauert’s auch nicht lange hin. Neben den Hits der 90er erwarten auch auch die berühmt-berüchtigten Naga-Burger, die schon so manche betrunkene Heißhungerattacke stillten.

Und auch das Call me Drella lädt zur Drella After Wiesn: Bavarian Fashion Week (sic!) für alle Lederhosenblogger (sic!) und Dirndllover, im buntesten Festzelt der Stadt! Eintritt ist hier allerdings unter Vorbehalt, dafür können Tische im Voraus gebucht werden. Du bist Fan von VIP-Tischen? Auch bei den Oktoberfest Nights 2017 im Pacha können Tische reserviert werden.

Nicht zu vergessen natürlich auch die P1 Wiesn, jeden Tag ab 22 Uhr im P1. Wie in der Facebook-Veranstaltung so schön geschrieben steht: Der perfekte Wiesn Tag fängt auf der Theresienwiese an und endet entweder am Türsteher oder in den frühen Morgenstunden, bei einem Sonnenaufgang auf Münchens schönster Terrasse. Deshalb am besten auch hier einen Tisch reservieren!

Kategorie B: Hauptsache keine Blasmusik


Der tolerante Typ hat es, neben dem Wiesnliebhaber natürlich, zur Wiesnzeit am leichtesten in München: Ihn interessiert es nämlich überhaupt nichts:

Dich interessiert nicht, wer das teuerste Dirndl hat, dich interessiert nicht, wer sich am Nebentisch im Käfer eine Nase Koks gezogen hat, dich interessieren die besoffenen Menschenmassen nicht. Du bist hart im Nehmen. Unerschrocken, ja teilweise sogar amüsiert, machst du dich auf ins Nachtleben. Deine Toleranz gegenüber Wiesnbesuchern bringt dir hier einen großen Vorteil: Bei der Wahl des Clubs hast du alle Freiheiten.

Du musst auf nichts achten, außer auf den passenden Sound.

Und den liefern dieses Jahr im Harry Klein Leon Licht, Aether, Julian Wassermann und Benna, mit WUT-Newcomerin Lily Lillemor im Séparée. An der Abendkasse zahlt ihr 10 Euro, oder ihr holt euch die Tickets für 8 Euro im Vorverkauf. Übrigens: Aus dem jährlichen Anstich mit Format:B, der genauso Tradition ist, wie Len Faki zu Weihnachten, wurde dieses Jahr ein Wiesn-Finale mit Format:B. Ob AirMax oder Haferlschuhe, Turnbeutel oder Trachtenjanker, in traditioneller Symbiose wird hier gesteppt bis in die frühen Morgenstunden.

Lederhosen der ganz anderen Art findet ihr Samstag im Blitz, bei der Cruise mit Glaskin, Roland Appel und Tijana T. Eintritt sind 15 Euro. Konservative Einstellungen werden an der Tür (hoffentlich) aussortiert.

Elektronisch gehts weiter mit Paul and the Hungry Wolf all night long  für 10 Euro VVK im MMA. Im Bahnwärter Thiel feiern währenddessen TWO IN A ROW ihren 8. Geburtstag bei 8 Jahre TWO IN A ROW mit BAAL, Moritz Butschek, COEO, Manuel Kim und Mellowflex.

 C: Wiesn? Schleich di!


Du gehörst zu der Sorte Münchner, die ihre Wohnung die kommenden drei Wochen am liebsten gar nicht erst verlassen würden? Leider hält uns der Arbeits- oder Unialltag von einer Komplettabschottung ab und so teilen wir uns schweren Herzens unsere Heimatstadt mit fünf bis sechs Millionen sabbernden Besoffenen, weichen Kotzepfützen – ach wäre der Floor doch nur wirklich Lava – und Grapschversuchen aus.

(Apropos Grapschen: Hier liest du ein Beitrag zum Thema sichere Wiesn)

Da siehts eher schlecht aus in der Münchner Club-Szene. Verständlich, denn mit der Eintrittsverweigerung sinken die Umsätze. Da hilft nur noch die Flucht in Bars und Kneipen, die nicht auf Eintrittsgelder angewiesen sind. Wo du vor den Trachtenzombies sicher bist, haben wir in dieser Liste zusammengefasst.

Und wem das nicht reicht: Kopf hoch, in 16 Tagen ist es dann auch wieder vorbei!

Beitragsbild: „Wiesn bei Nacht“ von Jochen Henke, CC BY-NC 2.0, GIFs via Giphy

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
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