Teilnehmer am Mieterstammtisch
Aktuell, Stadt, Wohnen trotz München

#ausspekuliert: Diese Münchner wollen die Mietmisere bekämpfen

Jan Krattiger

Jan Krattiger

Irgendwas mit Medien, Videokameras und Gitarren. Gitarren sind immer gut.
Jan Krattiger

Zeit wird’s. Nein: Zeit wär’s schon längst gewesen.

Bevor du gleich wieder wegklickst weil du denkst, es geht hier eh nur wieder um das leidige, langweilige Thema der ewig steigenden Münchner Mieten und darum, wie schrecklich das doch alles ist, aber niemand kann (oder will) wirklich was tun: Bleib kurz am Ball, bitte. Es wird sich lohnen.

Die Faust-im-Sack-Zeiten sind vielleicht vorbei.

Denn: Es tut sich was.

Und ich meine damit nicht politische Maßnahmen in homöopathischen Dosen, die dann doch wie der sprichwörtliche Tropfen verdampfen, sondern Druck von unten. Von den Betroffenen, die sich organisieren, um einen Wandel herbeizuführen.-

Seit Juni gibt es nämlich den monatlichen Mieterstammtisch (und die dazugehörige Facebook-Gruppe), initiiert von drei Münchner_innen, die die Schnauze voll haben (man muss es wohl leider so deutlich sagen) von Luxussanierungen, Entmietungen und in Eigentumswohnungen umgewandelten Mietwohnungen. Und auch davon, dass die Stadt dem Treiben mehr oder weniger gelassen zuschaut.

Janek Schmidt, Juliane Zeißler und Tilman Schaich gaben den Impuls, weil sie selbst betroffen sind von Entmietung und Luxussanierung. Aus Austausch-Treffen zwischen Betroffenen im kleinen Kreis wurde jetzt der Münchner Mieterstammtisch. Beim ersten Treffen im Juni erwarteten die Organisatoren Vertreter von 10-12 Häusern – es kamen 21. „Es war uns recht schnell klar, dass wir eine größere Orga brauchen“, sagt Mit-Initiant Tilman Schaich. „Ursprünglich wollten wir uns nur alle zwei Monate treffen, weil es schon ein Haufen Arbeit ist.“

Tilman Schaich (Mitte) und Janek Schmidt vom Münchner Mieterstammtisch im Gespräch mit Natascha Kohnen, SPD-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl. Foto: © Markus Hautmann

Bei der zweiten Ausgabe wurden dann auch vereinzelt Politiker auf den Stammtisch aufmerksam: Natascha Kohnen, SPD-Spitzenkandidatin für den Landtag kam zu Besuch.

Hat man da nicht Angst, von Parteien ausgenützt zu werden, gerade jetzt wo der Wahlkampf langsam in die heiße Phase übergeht? „Vertreter der Linken sind sehr engagiert und die Grünen, die Piraten und die SPD haben Interesse an uns gezeigt. Von den anderen ist niemand auf uns zugekommen“, sagt Schaich. „Wir sagen aber auch, dass es nicht unbedingt sein muss, mit Parteien in einem Boot zu sitzen. Es soll eine parteiunabhängige Bürgerbewegung bleiben.“

Derweil ist auch das Rathaus schon auf den Mieterstammtisch aufmerksam geworden und hat diesen eingeladen, um von den eigenen Erfahrungen zu berichten.

Aber egal ob Politiker-Besuch oder Einladung von oben: Am kommenden Sonntag, 5. August um 19 Uhr wird jetzt erstmal der dritte Mieterstammtisch stattfinden – wegen wachsender Beliebtheit diesmal im Orangehouse.

Foto: © Markus Hautmann

Demo #ausspekuliert am 15. September

Die regelmäßigen, monatlichen Stammtische sind aber nicht das einzige, was sich tut: Die Stammtlischler planen für den 15. September eine große Demo. Unter dem Titel #ausspekuliert sollen die Münchner Miet-Probleme und damit verbundene Forderungen auf die Straße getragen werden. „Jeder schimpft seit Jahren, aber keiner bewegt sich,“ so Schaich. „Ich habe aber das Gefühl, dass die Leute mittlerweile die Nase voll haben und endlich ihren Hintern hochkriegen.“

Bis zur Demo müssten sie zwar die konkreten Forderungen noch ausarbeiten – gerade als Laien: „Wir haben über ein paar Zusammenhänge noch etwas zu wenig Einblick. Ein Team arbeitet aber an den politischen Inhalten.“

Wir für unseren Teil sind froh, dass mal jemand den Anfang gemacht hat und sich für ein bezahlbares München einsetzt – den 15. September haben wir auf jeden Fall schon geblockt und rot angestrichen im Kalender.


In aller Kürze:

Was? 3. Münchner Mieterstammtisch

Wann? Sonntag, 5.8.2018 ab 19 Uhr

Wo? Orangehouse, Feierwerk

Wieviel? Eintritt frei

Mehr Infos hier


Fotos: © Markus Hautmann

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