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Berlin, San Francisco, Trudering: Sarah Raichs Debüt “Dieses makellose Blau” feiert das Absurde im Alltäglichen

Was in der englischen Sprachkultur ein weit verbreitetes und gern gelesenes Genre ist, wird hier zulande eher stiefmütterlich behandelt: Kurzgeschichten. Nun ist es der in München lebenden Autorin Sarah Raich gelungen, mit einer solchen Anthologie ihr Debüt zu geben. Lachend sagt die Autorin: „Auf einen Kurzgeschichtenband hat in Deutschland niemand gewartet, außer der Mikrotext Verlag!“

Was das über das Buch aussagt? Es muss sehr gut sein! Elf Geschichten füllen “Dieses makellose Blau“. Thematisch hängen die einzelnen Erzählungen nicht zusammen, sondern stehen alle für sich. Dennoch haben sie vor allem eines gemein: Es handelt sich um Alltagssituationen – von meist weiblichen Charakteren – mit skurril anmutendem Twist. Und dieser unerwartete Twist ist es, der das Lesen so spannend gestaltet.

Auf das Skurrile in ihren Geschichten angesprochen, erklärt Sarah: „Ich glaube das ist, weil ich oft versuche etwas zu beschreiben, was man nicht beschreiben kann.” Die Autorin lauscht gerne den Interpretationen ihrer Leser*innen und freut sich über neue Ansätze und Erkenntnisse der Texte, die ihr beim Schreiben manchmal selbst gar nicht in dieser Art auffallen.

Obsessive Faszination für Müllhäuschen

Insbesondere für eine der elf Geschichten, „Dorothy Parker“, hat die Autorin, die mit ihrer Familie im Stadtteil Trudering lebt, ihre Inspiration in München gefunden. Wie auch in der Erzählung gibt es in ihrer Straße in Trudering eine dubiose Garagentür neben einem seit langer Zeit leerstehendem Haus…

Das nur auf den ersten Blick langweilig erscheinende Wohngebiet hat die junge Autorin, die unter anderem in Berlin, San Francisco und in der Münchner Innenstadt lebte, erst mit der Zeit kennen und lieben gelernt: “Ich wusste bevor ich nach Trudering gezogen bin gar nicht, wo dieser Stadtteil von München liegt.“ Seither birgt Trudering für Sarah Raich jedoch jede Menge Inspiration.

Denn auch eine andere Geschichte, die titelgebende, hat ihre Anfänge in den Wohngebieten Truderings gefunden. Die Autorin habe nämlich mit der Zeit gemerkt, dass das nicht so plakativ Spannende für sie oftmals den größeren Reiz habe. “Ich habe zum Beispiel eine obsessive Faszination für Müllhäuschen”, gesteht Sarah schmunzelnd. Ein solches fand so auch Eingang in “Dieses makellose Blau” – denn Müllhäuschen gibt es in Trudering nur zuhauf.

Wer jedoch nicht zum Club der Trudering-Fans gehört, braucht keine Angst zu haben: Weit nicht alle Geschichten der Anthologie wurden von der Truderinger Wohngebietsromantik inspiriert. Manche Texte sind schon vor mehreren Jahren entstanden, als die Autorin noch an anderen Orten lebte. Nun jedenfalls ist mit “Dieses makellose Blau” ein Best of von Sarahs Texten entstanden. Und dieses Sammelsurium an detailverliebten Kurzgeschichten eignet sich hervorragend als Sommerlektüre.

Ein dystopischer Jugendroman über den Klimawandel

Und nun, in weniger als zwei Wochen, erscheint bereits Sarah Raichs zweites Buch. Ein Jugendroman, diesmal im Piper Verlag. “Es scheint jetzt so, als hätte ich auch eine obsessive Faszination für Trudering“, erzählt Sarah lachend, als sie berichtet, dass ihr neues Buch in diesem Stadtteil Münchens sogar ausdrücklich die Handlung aufnimmt. Dass es ein Jugendbuch werden würde, habe die Autorin, die in Berlin allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaften studiert hat, erst nach etwa hundert Seiten gemerkt.

„All that’s left“ handelt von Aufbruch, Suche und der Reise einer starken jungen Heldin in einer zerstörten Welt im Jahr 2059. Die eigentlich als Dystopie beworbene Lektüre über den Klimawandel könnte aktueller allerdings nicht sein… Eine Lesung von “All that’s left” findet online am Donnerstag, den 29. Juli um 20.00 Uhr live auf dem Instagram Account von der Buchhändlerin und Bücherbloggerin Magda Birkmann statt.


Beitragsbild: © Jakob Berr

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