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Fragwürdiger Entscheid: Keine städtischen Fördergelder für das Hofspielhaus

Mitten im Herzen der Altstadt, zwischen Marienplatz und Maximilianstraße, befindet sich das kleine, aber feine Hofspielhaus. Das von Schauspielerin Christiane Brammer gegründete freie Theater begeistert seit 2015 mit sieben bis acht Eigenproduktionen im Jahr und allem, was das Schauspielherz begehrt, weit über die üblichen drei Sparten – Oper, Tanz und Schauspiel – hinaus.

„Theater, Opern und Operetten, Kabarett, Konzerte, Musical, Kindertheater, Burlesque-Shows… Unser Konzept passt in keine Schublade, aber das wollen wir auch überhaupt nicht,“ beschreibt Christiane Brammer ihr „Zwölf-Sparten-Haus“ sichtlich stolz. Und stolz kann sie sein, denn das Programm sorgt bei Publikum und Presse (auch bei Mucbook) für Anerkennung.

Umso fraglicher ist es, wieso das Hofspielhaus vom Kulturreferat bei der diesjährigen Vergabe städtischer Fördergelder übergangen wurde. 

Bisher finanziert sich das Hofspielhaus über die Untervermietung der eigenen Räumlichkeiten für Seminare oder Geburtstage – das frisst Zeit & Platz, der natürlich lieber als Probenraum genutzt würde. Einzelne Produktionen werden beispielsweise von privaten Sponsoren, der Stadtsparkassenstiftung oder dem Bezirksausschuss München 1 (Lehel-Altstadt) gefördert. „Es gibt schon Leute, die uns unterstützen“, sagt Brammer. „Wir lassen uns von den ausbleibenden Geldern nicht aufhalten. Aber mehr Geld bedeutet eben auch mehr finanzielles Polster, mehr Geld für die Schauspieler, für Nischenprodukte, mehr Zeit für künstlerische Freiheit. Kunst kostet nun mal Geld, und unsubventioniert ist es schwierig.“ 

„Wenn man nichts macht, bewegt sich auch nichts!“ 

Christiane Brammer hofft nun auf ein öffentliches Statement des Kulturreferats. Dabei wird sie durch den Bezirksausschuss München 1 (Altstadt-Lehel) unterstützt. „Wir möchten mit unserem Anliegen gehört werden, denn wenn man sich nicht rührt, bewegt sich auch nichts,“ so Brammer.

Bei der Förderung durch das Kulturreferat handelt es sich um eine Turnusförderung: einzelne Produktionen werden über einen Zeitraum von drei Jahren subventioniert. Bei der letzten Vergabe im Jahr 2016, ein Jahr nach Gründung des Hofspielhauses, galt noch die Bedingung, ein Haus müsse drei Jahre bestehen, um eigene Produktionen für die Vergabe der Fördergelder anzumelden. Seit letztem Jahr wurde diese Bedingung auf zwei Jahre gesenkt und so konnte sich das Hofspielhaus mit mehreren Produktionen um eine Förderung bewerben – die jedoch ausblieb.

Wir haben nachgefragt.

Die freie Szene in München boomt

Es ist nicht so, dass die Produktionen des Hofspielhauses nicht förderwürdig seien, heißt es von Seiten des Kulturreferats. Jedoch muss sich das Hofspielhaus gegen eine starke Konkurrenz durchsetzen. Die Zahl der Einreichungen nimmt immer mehr zu. Insgesamt 93 Anträge auf Einzelprojektförderung, 14 Anträge auf Optionsförderung, 25 Anträge auf Debütförderung, neun Anträge auf Dreijahresförderung und 44 Anträge auf Arbeits- und Fortbildungsstipendien  – ein gutes Zeichen, das für eine sehr aktive freie Szene in München spricht. Aber leider eben auch bedeutet, dass nicht alles gefördert werden kann. Und das, obwohl das Kulturreferat kürzlich sogar 1,1 Millionen Euro zur zusätzlichen Vergabe bekommen hat.

Eine Jury aus Theater-Experten stellt zunächst ein Ranking aller eingereichten Produktionen auf: Welche sind unbedingt förderwürdig? Welche nicht? Und welche wären förderwürdig, wenn genug Geld zur Verfügung stünde? „Wir möchten die Produktionen, die wir für förderwürdig halten, auch adäquat fördern. Wenn wir allen Bewerbern nur ein bisschen was geben, hilft das niemandem,“ so das Kulturreferat.

„Vielleicht findet sich beim Kulturreferat ja noch ein anderer Topf,“ hofft Brammer. Sie möchte aber auch mögliche neue Sponsoren ansprechen. „Wir können schon mit den kleinsten Summen etwas anfangen und ganz genau sagen, wo das Geld am Ende landet. Alle Spenden fließen direkt in unsere Produktionen.“

Damit das Hofspielhaus sich seine Eigenheit beibehalten und seinem Publikum zukünftig noch mehr Vielfalt bieten kann, sind neue Gönner gefragt. Auch durch das Anmieten der Räumlichkeiten – zwei helle Empfangsräume im Erdgeschoss die zum ruhigen Innenhof führen, ein großer Theaterraum mit Bar im Untergeschoss, ein geräumiges Loft/Studio im Obergeschoss – für Seminare, Tagungen, Fotoshootings, Geburtstage oder Hochzeiten wird das Theater unterstützt.

Wer nun Lust auf Theater bekommen hat, findet den aktuellen Spielplan und alle Informationen online.

 


Beitragsbild: Verena Mittermeier, aus dem Stück „Zu Tisch bei König Ludwig“

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
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