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Münchner Radlfahrer, erobert euch die Stadt zurück!

Was kam raus bei der ersten offiziellen Diskussionsrunde? Der Grüne Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek und Fraktionschefin der Landtagsgrünen, Katharina Schulze, luden Montagabend ins Backstage ein, um das geplante Bürgerbegehren nach dem Vorbild Berlins in die Wege zu leiten. In Berlin wurde letztes Jahr ein Entwurf für ein neues Radgesetz beschlossen. Das Ziel? „Vision Zero“, also null tödliche Unfälle mit dem Fahrrad. Und zwar durch den Bau von sicheren Radwegen und Kreuzungen. Außerdem sollen Radschnellwege und Radparkplätze entstehen und der Anteil der Radfahrer am Gesamtstraßenverkehr gesteigert werden.

Warum nicht auch in München?

Die Frage stellen sich die Bewohner der angeblichen Radlhauptstadt zurecht. Geld hat der Freistaat ja bekanntlich. Am Geld soll es auch tatsächlich nicht scheitern, lässt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher verlauten. Das Problem sei der Platzmangel. Um Platz für breitere Fahrradspuren oder Radschnellwege zu schaffen, müsste den Autofahrern Fläche abgezogen werden. Dass das nicht so einfach ist, zeigt die Rosenheimer Straße: Statt einer geplanten eigenen Fahrradspur soll dort nun ein Tempolimit für die Sicherheit der Radfahrer sorgen. Die Stadt München muss sich außerdem ganz anderen rechtlichen Voraussetzungen stellen als Berlin, denn Berlin ist ein Bundesland und kann somit Gesetze verabschieden. München nicht.

Was tun?

Um den Inhalt eines potentiellen Bürgerbegehrens zu formulieren und rechtlich prüfen zu lassen, müsse man jetzt schnell Gespräche starten, so Janecek. „Man muss möglichst viele Leute ansprechen!“, empfiehlt Martin Glas, Münchner Vorsitzender des Fahrradclubs ADFC. Der unerwartet hohe Ansturm auf die Diskussionsrunde am Montagabend zeigte, dass es genug Zuspruch von Seiten der Bevölkerung gibt. Nun gilt es weitere Mitstreiter zu sammeln! So begann es nämlich auch in Berlin: innerhalb von nur zwei Monaten wurden über 100 000 Unterschriften gesammelt, wovon nur 20 000 notwendig gewesen wären. Die Diskussionsveranstaltung „Frei Fahrt fürs Rad!“ letzten Montag ist der erste Schritt in die Richtung eines Bürgerbegehrens – nun liegt es an euch, liebe Münchner Radlfahrer!

Neues von der Donnersberger Brücke

Aber ganz untätig ist man in München auch nicht, denn der Arnulfsteg kommt! Nach einer Sperrpause soll im Frühjahr 2018 nun doch endlich mit dem Bau des geplanten Fußgänger- und Radlstegs, der Neuhausen und das Westend verbindet, begonnen werden. Die 242 Meter lange Stahlkonstruktion reicht quer über das Gleisfeld, mit barrierefreien Zugängen im Arnufpark, an der Philip-Loewenfeld-Straße und an den Bahnsteigen des S-Bahnhalts Donnersbergerbrücke. Kosten wird das Projekt rund 22 Millionen Euro – vier Millionen mehr als ursprünglich geplant. Grund dafür ist der Baustopp. Die Baufirma konnte die speziellen Bauteile nicht fristgerecht liefern, also wurde der Vertrag gekündigt und eine vorübergehende Sperrpause erlegt. Es musste ein neue Firma zu neuen Preisen engagiert werden, es gab einen teuren Rechtsstreit mit der alten Firma und das von der Deutschen Bahn für die Sperrung des Gleisfelds eigens entwickelte Konzept musste wieder abgewickelt und für 2018 neu ausgearbeitet werden. Daher die Mehrkosten.

Aber es bleibt weiterhin spannend, denn eine weitere Hürde muss der Arnulfsteg noch nehmen. Im Juli wird das Mehrjahresinvestitionsprogramm bis zur Fertigstellung Ende 2020 beschlossen.

Die Ziele der Münchner Stadtratsfraktionen

Was bis dahin hoffentlich sonst noch alles in München passieren soll, haben die Radverkehrsbeauftragten der Stadtratsfraktionen letzten Monat im Verkehrszentrum des Deutschen Museum besprochen. Bei den Forderungen ist man sich einig: es sollen attraktive Radschnellwege und -hauptrouten (FDP, CSU, Grüne, Linke), Radparkplätze und -häuser (FDP, Grüne) und genug Platz für Fußgänger (Grüne, Linke) entstehen. Außerdem soll der Winterdienst verbessert werden (CSU, SDP). Weiterhin werden eine Reduzierung des ruhenden Verkehrs (FDP), mehr MVG-Fahrräder v.a. in ÖPNV-schwachen Gebieten (CSU), sichere Kreuzungen (SDP), bessere Radverkehrsführungen an Baustellen (SPD), die vorgezogene Aufstellfläche „ARAS“ -also eine Fläche vor den an Ampeln wartenden Autos, speziell für Radfahrer- (Linke) und eine Roteinfärbung der Fahrradwege, wie es beides auch in den Fahrrad-freundlichen Niederlanden gibt, verpflichtende Abbiege-Assistenz-Systeme zur Erhöhung der Sicherheit für Radfahrer (ÖDP) und eine Reduzierung der Autoparkplätze (Grüne) um jährlich 2 Prozent (ÖDP) gefordert. Das klingt doch schon einmal gut. Jetzt gilt es nur noch, diese Ziel umzusetzen.

Übrigens, sechs weitere gute Nachrichten für Radfahrer in München findet ihr hier.


Beitragsbild: David via Unsplash

Giulia Gangl

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
1Comment
  • Costa Garnix
    Posted at 18:25h, 25 Dezember

    Wer braucht so einen Schwachsinn? Radfahrer sind auch so schon Plage genug und eine Zumutung für jeden normalen Verkehrsteilnehmer.

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