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Münchner Gesichter – #NoPAG-Edition: Linda Nübling

Jan Krattiger

Irgendwas mit Medien, Videokameras und Gitarren. Gitarren sind immer gut.
Jan Krattiger

In dieser Sonderserie unserer Reihe „Münchner Gesichter“ zeigen wir dir ab jetzt regelmäßig MünchnerInnen, die sich gegen das neue Polizeiaufgabengesetz (PAG) der bayerischen Staatsregierung zur Wehr setzen. Sie waren ziemlich sicher bei der Großdemo am 10. Mai mit dabei und engagieren sich auch sonst politisch für eine freie und offene Gesellschaft. Wir unterstützen diesen Protest und wollen unseren Teil dazu beitragen, dass er lebendig und sichtbar bleibt.

Heute mit:

Linda Nübling (Studio Nüe)

Linda, Warum engagierst du dich für politische/gesellschaftliche Themen (wie das #NoPAG) und warum ist das wichtig? 

Um ehrlich zu sein, würde ich mich selbst generell nicht als politisch engagiert bezeichnen. Aber wenn dann bestimmte Themen aufkommen wie das PAG, muss ich einfach den Mund aufmachen. Das PAG verletzt meine Privatsphäre und die anderer, deswegen ist es mir wichtig (egal, was die Zukunft bringt), dafür auf die Straße zu gehen und zu zeigen, dass ich dagegen bin.  Jeder denkt heutzutage, dass seine Stimme sowieso nichts ausrichten kann. Hätten andere Widerstandsbewegungen auch so gedacht, dann hätte Amerika nie einen schwarzen Präsidenten gehabt und Frau Merkel keine 13-jährige Amtszeit.

Warum sollte mich das interessieren? 

Diese Frage finde ich irgendwie seltsam. Das Polizeiaufgabengesetz betrifft einfach JEDEN! Wen das nicht interessiert, ist ignorant und hat kein Interesse daran, weiterhin in einer halbwegs freien und friedlichen Gesellschaft zu leben. Ja, die Polizei ist zu unserer Sicherheit da und in vielen Momenten kann man auch froh darüber sein. Trotzdem befinden wir uns in keinem Ausnahmezustand bzw. ist unsere Gesellschaft keiner ernsthaften Bedrohung ausgesetzt, die ein solches Gesetz nur im entferntesten rechtfertigen würde. Und wenn es doch eine vermeintliche Bedrohung gibt, dann entsteht sie durch solche Gesetze, die Feindseligkeit, Unmut und Angst schüren.

Wir diskutieren momentan über verschärfte Polizeigesetze, krasse Überwachung und Kruzifixe in öffentlichen Gebäuden, also eine Politik von vorgestern. Was können wir da tun, um das zu ändern?   

Weiter auf die Straße gehen, den Mund auf machen und dagegen halten. Manche Leute wollen diese Politik von vorgestern. Aber NOCH MEHR wollen sie NICHT. Da bin ich mir ganz sicher. Es kann wirklich nicht wahr sein, dass alles, wofür unsere Vorfahren gekämpft haben und was erreicht wurde, mutwillig durch Beschränktheit, Angst-Mache und Ignoranz zunichte gemacht wird. Die Menschen müssen endlich begreifen, in was für einer friedlichen glücklichen Welt wir hier leben dürfen. In München sind wir alle in Watte gepackt. Statt dankbar dafür zu sein, werden künstlich Ängste heraufbeschworen anstatt Nächstenliebe zu zeigen und mal etwas vom Kuchen abzugeben.

Was bedeutet dir Demokratie?  Eine Haltung haben / Protest zu zeigen?

Definitiv. Und zwar am besten nicht immer nur GEGEN etwas, sondern auch FÜR etwas. Und gerade wenn die rechte Seite wieder Fahrt aufnimmt, sollten wir Anderen zeigen, dass wir die Geschichte nicht vergessen haben. Und das sage sogar ich als Deutsche mit ghanaischen Wurzeln, die die deutsche Geschichte sicherlich nicht als ihre Geschichte bezeichnen würde. Rassismus & Nationalsozialismus haben hier keinen Platz. Punkt.

Wo trifft man dich in München, wenn du dich nicht gerade politisch engagierst? 

Entweder in meinem Grafikbüro, dem Studio Nüe auf den Veranstaltungen meines Female-Business-Salons SALON CONNECT, beim Auflegen im mit unserer Eventreihe FAB5 oder gar nicht in München. Wenn ich nämlich mal wieder raus muss, um meinen Horizont zu erweitern, neue Kulturen, andere Küchen und Menschen kennenzulernen. Und um mich zu sonnen, hier geht diesbezüglich ja nur 3 Monate im Jahr etwas :).


Fotos: © Linda Nübling

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