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Freie Fahrt mit Rad: Diese Autospuren weichen bald den Pop-Up-Lanes

#Update 24. Juni: Nachdem die Einrichtung der Pop Up Lanes sich verzögert hatte, wurden diese Woche die ersten Straßen zu Fahrradwegen ummodelliert. Ab sofort kann man auf der Rosenheimer Straße, der Zweibrückenstraße, der Elisenstraße, der Gabelsbergerstraße und der Theresienstraße bequem auf breiten Fahrradwegen fahren.

Foto: Marco Eisenack

#Update 04. Juni: Ab dem 15. Juni – also nach den Pfingstferien – werden die fünf Fahrstreifen für die Radler präpariert. Die Markierungsarbeiten sollen dann innerhalb von fünf Tagen erledigt werden.

Wo ein Wille ist, ist manchmal nicht nur sprichwörtlich ein Weg: Im Schnellverfahren einigten sich SPD, Grüne, Volt und Rosa Liste heute darauf, fünf Autospuren künftig ausschließlich Fahrradfahrer*innen vorzubehalten. Andere Metropolen machten es vor: Die „Pop-Up-Lanes“ für Radler gibt es nun vorerst bis Oktober. Hintergrund ist der um 20% gestiegene Fahrradverkehr während der Corona-Zeit. Das Virus gilt nämlich vor allem in geschlossenen Räumen – wie zum Beispiel den öffentlichen Verkehrsmitteln – als hoch ansteckend.

Neue Fahrradstreifen in der Stadt

Die Meldung, dass temporär Bike-Lanes im Stadtgebiet geschaffen werden sollen, sickerte gestern schon durch. Nun wurde durch eine Pressemitteilung der Grünen heute konkret bekannt gegeben, um welche Straßen es sich handelt:

  • In der Rosenheimer Straße stadtauswärts östlich der Ludwigsbrücke und im Bereich zwischen Rosenheimer Platz und der Orleansstraße
  • in der Zweibrückenstraße
  • in der Elisenstraße
  • in der Gabelsbergerstraße von der TUM bis zur Türkenstraße und
  • in der Theresienstraße zwischen Türkenstraße und Schleißheimer Straße.

In der Mitteilung heißt es von Stadtrat Paul Bickelbacher (Grüne): „Die Pop-up-Bike-Lanes sollen mehr Platz für den Radverkehr schaffen und all diejenigen ermutigen, die neu auf das Rad gestiegen sind. Besonders freue ich mich aber über die Abschnitte in der Rosenheimer Straße östlich der Ludwigsbrücke und in der Zweibrückenstraße. Hier kamen sich Zufußgehende und Radfahrende häufig ins Gehege. Mit den Radstreifen verbessert sich auch die Situation für die Zufußgehenden erheblich.“

Gefährlich kann nämlich leider auch eine Radfahrt werden. Die vermehrte Nutzung des Rads in den letzten Monaten ging mit einer erhöhten Unfallzahl einher: die Behörden meldeten einen Anstieg um 15% bei Rad-Unfällen. Die Regierungskoalition im Stadtrat will mit der Schaffung der neuen Radstrecken also auch ein Stück mehr Sicherheit und Komfort bieten – auf Fahrbahnen, an denen sich sonst oft Autos, Roller, Fußgänger und Fahrradfahrer gefährlich nahe kommen. Einen „Test“ der Pop-Up-Lanes im Rahmen einer angemeldeten Demo hatte der ADFC München letzten Mittwoch schon initiiert. So könnte das dann aussehen:

Dauerthema Fahrradstraßen

Das Thema Mobilität in der Stadt und insbesondere die Schaffung von neuen Fahrradstreifen zu Ungunsten von Parkplätzen oder Autospuren ist dabei seit langer Zeit ein heißes Eisen im Stadtgespräch. Letzten Sommer hatte sich mehr als 160.000 Münchner*innen für die Schaffung neuer Fahrradspuren ausgesprochen im Rahmen der beiden Bürgerbegehren „Radentscheid“ und „Altstadt-Radlring“. Das war Rekord für ein Bürgerbegehren in München. Die Umsetzung dieser Forderungen wurde schließlich durch den Stadtrat im Dezember 2019 in Beschlussform auf den Weg gebracht. 450 Kilometer an Straßen sollen dazu im Münchner Stadtgebiet bis 2025 umgestaltet werden, rechnete Andreas Groh, 1. Vorsitzender des ADFC, damals gegenüber der Presse vor.

Temporäre Radstreifen auf fünf großen Straßen

Aber zurück zum Tagesgeschäft: Bei den Pop-Up-Lanes soll es jetzt erst mal schnell und unkompliziert gehen. Die Abstimmung am kommenden Mittwoch über die Maßnahmen gilt als Formsache, da sie die Unterstützung aller Regierungsparteien genießt. An den genannten fünf Straßen soll je eine Autospur gelb angestrichen und so zum Radweg werden. Stadtrat Paul Bichelbacher (Grüne) wünscht sich weiter, dass einige der Straßen in Zukunft dauerhaft Radfahrern vorbehalten bleiben: „Die Radstreifen in der Rosenheimer Straße hatten die Grünen schon seit vielen Jahren gefordert. Schön, dass sie nun zunächst temporär, aber sicherlich in ähnlicher Form bald dauerhaft eingerichtet werden.“

Andere Metropolen machen es übrigens vor: In Bogotà wurden nach Ausbruch von Corona kurzfristig über 100 Kilometer an Fahrradstreifen entlang der Hauptverkehrsstraßen geschaffen. Auch Berlin, New York oder Wien taten sich in dieser Hinsicht als Vorreiter hervor.

Und wenn man sich erst mal an die Fahrradspuren gewöhnt hat? Gut möglich, dass ein paar dieser Straßen dann dauerhaft Radwege bleiben oder zumindest saisonal als solche eingesetzt werden! Das wäre jedenfalls ganz im Sinne des Radentscheids und der Verkehrswende hin zum Rad, für welche sich vor allem die Grünen mit Nachdruck einsetzen.


Bild: Andrew Gook on Unsplash

Florian Kraus
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