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Schluss mit (un)lustig: Catcalling soll strafbar werden

Es sind mehr als nur alberne Anmachsprüche: Catcalls. Eine Form der verbalen sexuellen Belästigung, mit der Frauen überall fast täglich konfrontiert sind. Es ist egal was wir anhaben, egal wo wir sind, egal um welche Uhrzeit wir unterwegs sind, anstößige und respektlose Kommentare wie „geiler Arsch“ oder „lass f*cken“ sind jeder Frau mindestens einmal im Leben hinterhergerufen worden. Doch das könnte in Deutschland bald strafbar werden.

Ein Gesetz gegen Catcalling?

Die Studentin Antonia Quell aus Würzburg möchte endlich einen Schlussstrich ziehen und mit „Catcalling“ abrechnen. Mit der Petition „Es ist 2020. Catcalling sollte strafbar sein.“ setzt sich die 20-jährige dafür ein, dass auch verbale sexuelle Belästigung in das Strafregister in Deutschland einbezogen wird. Denn bis jetzt ist sexuelle Belästigung erst strafbar, wenn der Täter das Opfer berührt, von Worten ist im Gesetzbuch noch keine Rede. Dass Antonia mit ihrer Meinung, dass sich die Gesetzeslage ändern muss, nicht alleine ist, zeigt ein Blick auf die Unterschriften: Über 35 000 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben, und es werden täglich mehr.

Aber ist das überhaupt möglich? Kann man gesprochene Worte strafbar machen? In Frankreich, Belgien, Portugal und den Niederlanden ist verbale sexuelle Belästigung bereits als Straftat in den Gesetzestexten vermerkt, mit Geldstrafen von bis zu 750€. Na geht doch.

Es ist doch nur ein Kompliment, was ist denn schon dabei?

Eigentlich ist der Grat zwischen Kompliment und „Catcalling“ gar nicht so schmal, wie so manch ein „Catcaller“ meinen will. Ein Kompliment, welches man einer fremden Person auf der Straße macht und die andere Person nicht in Unbehagen oder Angst versetzt, lässt sich klar von sexueller Belästigung unterscheiden.
Kurzer Test: Würdest du zu deiner eigenen Mutter „Ey, Schnecke! Geiler Arsch“ sagen? Nein? Na dann verstehen wir uns in dieser Hinsicht ja.

Und überhaupt, was erwartet man sich denn von derartigen Kommentaren? Man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass „Catcalling“ so gut wie nie dazu geführt hat, dass der „Caller“ die Nummer oder gar ein dankendes Lächeln der angesprochenen Person bekommen hat.

Sexuelle Belästigung, in egal welcher Form, physisch oder eben auch verbal, ist belastend für die Psyche und prägt leider den Alltag vieler Frauen. Schuldgefühle und ein geringes Selbstwertgefühl sind häufige Folgen solcher Übergriffe. Frauen, sich nicht dem binären Geschlechtermodell Zuordnende, aber auch Männer, werden in diesen Situationen von den Täter*innen zu Objekten reduziert und ihrer sexuellen Selbstbestimmung beraubt.

Auf Münchens Straßen gegen Catcalling

In München, sowie in anderen Großstädten weltweit, gibt es seit ein paar Jahren eine Initiative, die täglich auf das „Catcalling“-Problem aufmerksam macht. catcallsofmuc nennt sich die Gruppe junger Leute, die Erfahrungen junger Frauen, die mit verbaler sexueller Belästigung konfrontiert waren, mit Kreide auf die Straße malen. Ihr Ziel? Mehr Bewusstsein für das Problem schaffen und Opfern eine (anonyme) Plattform geben, um ihre negativen Erfahrungen zu teilen.

Und genau das braucht es: Awareness. Es muss ein Bewusstsein für dieses Problem geschaffen werden, es muss klar sein, dass anstößige Kommentare alles andere als Komplimente sind und es muss sich was ändern.

Alle Infos zur Petition:

Wie heißt die Petition? Es ist 2020. Catcalling sollte strafbar sein.

Wofür setzt sich die Petition ein? Verbale sexuelle Belästigung braucht einen eigenen Platz im Gesetz. Catcalling-Fälle können zum Beispiel wie Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern bestraft werden.

Wo und bis wann kann man unterschreiben? HIER kann man noch 4 Wochen lang unterschreiben (Stand 11.09.2020).


Beitragsbild: Nadine Shaabana on Unsplash

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