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Sonntags im Hinterhof: Die Sonntagsgesellschaften laden ein!

Kennst du eigentlich deine Nachbarn?

Wahrscheinlich geht es vielen wie mir. Im Erdgeschoss wohnt eine Rentnerin, die gezwungenermaßen immer die Pakete für das ganze Haus annimmt (❤️). Unter uns wohnt ein Herr, dem unsere Vorglüh-Partys manchmal zu lange gehen. Und über uns wohnt eine WG, genauer gesagt: Über unserem Schlafzimmer wohnt ein Kerl, der Schlagzeug spielt. Ein bisschen kennt man sich also, grüßt sich im Treppenhaus, wechselt ein paar Worte. Mehr aber auch nicht. Warum eigentlich?

Noch eine Sache, bei denen es wahrscheinlich vielen ähnlich geht: Wir haben einen wunderschönen großen Innenhof, sogar mit Kinderspielplatz und alten Bäumen. Den durchquere ich leider nur auf meinem Weg zum Müllhäuschen. Und jedes Mal denke ich mir: „Schade, dass es irgendwie keinen anderen Anlass gibt, hier mal Zeit zu verbringen.“

Münchens Gärten und Hinterhöfe geselliger machen

Eine neue Nachbarschafts-Serie soll dieses ungenützte Potential nun ausschöpfen: Sonntagsgesellschaften, die kleine Schwester der Hofflohmärkte. Funktioniert nach dem selben Prinzip: Erlaubnis der Hausverwaltung einholen, den eigenen Innenhof kostenfrei via Mail bei Sonntagsgesellschaften anmelden und schon kann es losgehen. Dein Innenhof wird samt gewählter Kategorie – Ohrwurm, Handwerk, Wundertüte oder Spiel & Spaß – auf einem Stadtviertel-Plan vermerkt, die Flyer liegen in lokalen Geschäften und Cafés aus und wenn der große Tag dann gekommen ist, sind alle Viertel-Bewohner herzlich zu einem bunten Programm eingeladen.

Was man erleben kann?

Das liegt ganz bei den Hausbewohnern! Auf der Sonntagsgesellschaften-Website findest du viele Ideen, darunter Bastelstationen, Gesellschaftsspiele, Lesungen, Poetry Slams und Theater, gemeinsames Malen auf Leinwänden, Kinderschminken, Schatzsuche und Schnitzeljagd – alles, worauf du Lust hast! Backe Kuchen, serviere Tee und Kaffee, selbstgemachte Limonade. Schmück deinen Hof mit Luftballons, bastel Plakate, male mit Straßenkreide. Mach deinen Hof zu deiner eigenen Bühne!

Die Köpfe hinter den Sonntagsgesellschaften

Wir haben mit Anne und René, den beiden Initiatoren der Sonntagsgesellschaften, die auch die Hofflohmärkte organisieren, über Anonymität und Zusammenhalt im eigenen Viertel gesprochen.

Mucbook: Woher kommt euer Engagement für all die „Hinterhof-Aktionen“? 
„Die Idee der Sonntagsgesellschaften ist aus dem Gedanken entsprungen, die Nachbarschaften in Städten (München) zu stärken. Wir möchten den Fokus in der Stadt in Zeiten der Digitalisierung und zunehmenden Anonymisierung wieder mehr auf das Mit- und Füreinander legen. Statt vor dem Handy zu sitzen sich aktiv in die Augen zu schauen, Neues zu probieren, durch gegenseitigen Austausch zu lernen und sich persönlich zu treffen. Wieder kreativ zu werden, das ist unsere Motivation. Wir wollen Nachbarn, Freunde und Stadtbewohner dazu motivieren mitzumachen. Wir wollen ihnen eine Plattform bieten für noch mehr Zusammenkunft, Austausch und Inspiration in München.

Sonntagsgesellschaften ist eine neue bunte Nachbarschaftsserie, eine Initiative von zwei Kreativen, die Hausanwohnern den Raum bietet ihren eigenen Hof und Garten zur bunten Bühne zu machen und dadurch andere mitzureißen. Durch die Umsetzung in Münchens Hinterhöfen wird auf der einen Seite die Neugierde Neues zu entdecken geweckt. Und auf der anderen Seite bleibt die Intimität des Rahmens gewährt.“

Der Trend zur Anonymisierung

Hat sich der Zusammenhalt innerhalb der Nachbarschaft über die Jahre verändert? 
„Eindeutig ja. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass sich die Nachbarschaften im Laufe unserer Jahre in München weiterentwickelt haben. Eine Entwicklung eher hin zur Entfremdung statt zur Annäherung. Wir möchten gerade in Zeiten der aktiven Nutzung sozialer Netzwerke den Fokus auf das Hier-und-Jetzt, auf das Neue, Spannende lenken. Der Trend der Anonymisierung geht auch in München an uns nicht vorbei.

Wir möchten einen Mix schaffen, die Nachbarschaften gezielt stärken. Zeigen, dass ein Mit- und Füreinander kreative Aspekte zum Leben erwecken kann, eine Diskussion bereichert, eine Foto- oder Malaktion inspiriert und gerade durch die Idee der Sonntagsgesellschaften wieder für mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit im eigenen Viertel geschaffen wird.“

Und zu guter Letzt: Wie sieht euer perfekter Sonntag aus?
„Unser perfekter Sonntag ist leicht beschrieben. René und ich treffen uns in einem Café. Etwas Koffein und das Gespräch ist am Laufen. Wilder Gedankenaustausch, Spaziergänge durch München, Farben, Muster, Inspiration. Gespräche mit Anwohnern regen zu neuen Ideen an, decken Probleme und Bedürfnisse auf, wecken Neugierde auf mehr. Gemeinsam entdecken wir München stets von einer neuen, noch spannenderen Seite, machen Bilder, die Anregungen anderer Stadtbewohner bringen uns zum Nachdenken. Am Ende des Tages gehen wir mit bereichertem Herz nach Hause.

Klingt das jetzt zu kitschig und weit hergeholt? Mag sein, das ist es aber nicht. Denn die Frage ist immer: Wie gehst du auf deine Mitmenschen zu? Bist du wirklich interessiert an dem Warum und Wieso?“

Sonntagsgesellschaften, auch in deinem Viertel!

Anne und René wollen Nachbarn zusammenbringen, den Zusammenhalt im Viertel stärken und Platz bieten für  Kreativität und Miteinander. Die Organisation wird den Hausbewohnern überlassen, mit Sonntagsgesellschaften wird lediglich ein Anstoß gegeben. Deshalb werden von ihrer Seite auch keine Anmelde-Gebühren verlangt. Der Eintritt ist kostlos, Warenverkäufe im Hof sind nur gegen eine Spende gestattet. Die beste Bezahlung ist immer noch ein Lächeln und ein nettes Gespräch!


Dein Hinterhof soll auch zur bunten Bühne werden? Melde ihn einfach an! Hier sind die Termine für die jeweiligen Viertel:

Sonntag, 10. Juni, 11-16 Uhr – Viehhofviertel und Isarvorstadt
Sonntag, 15. Juli, 11-16 Uhr – Haidhausen
Sonntag, 16. September, 11-16 Uhr – Neuhausen
Sonntag, 21. Oktober, 11-16 Uhr – Hadern

 

Zum Schluss News vom MUCBOOK-Magazin:

Nach unseren letzten Schwerpunkten Sport, Münchens Kreativwirtschaft und Design in München dreht sich in der nächsten Ausgabe unseres MUCBOOK-Magazins alles um Münchner Stadtviertel! Wir schauen genau hin. Wie alt ist der Durchschnittsbewohner in Haidhausen? Wo steht das älteste öffentliche Klo und wo gibt es den schönsten Biergarten? Ende Mai ist es so weit, spätestens dann findest du unser neues Magazin im Shop.


Beitragsbild: Christian Kaindl via Unsplash, weitere: Sonntagsgesellschaften

Giulia Gangl

Giulia Gangl

"Überladung mit überflüssigen Fremdwörtern,
ausgiebige Verwendung von Modewörtern.
Die grauenhafte Unsitte, sich mit Klammern (als könnte mans vor Einfällen gar nicht aushalten) und Gedankenstrichen dauernd selber - bevor es ein anderer tut - zu unterbrechen, und so (beiläufig) andere Leute zu kopieren und dem Leser - mag er sich doch daran gewöhnen! - die größte Qual zu breiten.
Aufplustern der einfachsten Gedanken zu einer wunderkindhaften und verquollenen Form."
(Kurt Tucholsky)

Ups.
Giulia Gangl
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