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Aktuell, Stadt

Wie bunt wählt München? Wir diskutieren am 9. Januar im Mucbook Clubhaus

Sandra Langmann

München gibt sich nach außen hin gerne als bunte Stadt – doch ist das wirklich so? Und wie schaut es eigentlich im Stadtrat aus? Im März 2020 geben die Münchner*innen bei der Kommunalwahl ihre Stimme ab und wählen jene Vertreter*innen, die nicht nur für die Stadt entscheiden, sondern sie auch repräsentieren.

Daher laden wir am 9. Januar 2020 sechs Stadtratskandidat*innen mit Migrationshintergrund zur Podiumsdiskussion ins Mucbook Clubhaus ein. Als Moderatoren haben wir uns das Podcastduo der Kanackischen Welle geschnappt.

Warum?

In München leben Menschen aus 180 Nationen zusammen. Die Stadt hat einen Ausländeranteil von 27,6 %, weitere 15,5% der Münchner*innen haben einen Migrationshintergrund (Quelle: münchen.de).
Dennoch muss man auf den Wahllisten für den Münchner Stadtrat nach Menschen mit Migrationshintergund lange suchen. Auf den Parteilisten stehen nur wenig Kandidat*innen mit Migrationsgeschichte. „Wenn diese dann noch auf die letzten Plätze platziert werden, haben sie natürlich keine Chance, gewählt zu werden“, sagt Sevghin Mayr, Mitinitiatorin von München wählt bunt. Wie viele Kanditat*innen es genau sind, konnte Mayr noch nicht herausfinden. Eine Statistik dazu gibt es nicht, bei den Stadträten habe sie bereits angefragt. „Es sind maximal 20 Kandidati*innen mit Migrationshintergrund – für alle Parteien.“

Die Initiative München wählt bunt ist eine überparteiliche Initiative. Sie setzt sich für eine repräsentative Zusammensetzung des Stadtrats ein – für bunte politische Gremien in München, und somit Kooparationspartner der Podiumsdiskussion.

Wer ist dabei?

Moderiert wird die Veranstaltung von Kanackische Welle – dem Podcast-Duo Marcel Aburakia und Malcolm Ohanwe. Die beiden deutschen Journalisten mit palästinensischen Wurzeln wissen Rassismus, Popkultur und religiöse Spannungen richtig anzusprechen.

Kanakische Welle_

Damit du weißt, mit wem sich das Moderations-Duo am 9. Januar das Podium teilt, stellen wir die geladenen Stadtratskandidat*innen kurz vor. Dafür haben wir eine „Checkliste“ zusammengestellt, die die Kandidat*innen für uns ausgefüllt haben:

Lara Galli (SPD)

Geburtsjahr:
1968

Geburtsort:
Mailand, Italien

Beruf:
Sozialberaterin – Büroleiterin der Filiale des Patronato INCA/CGIL e.V. in München (italienische Gewerkschaft in München)

Seit wann leben Sie in München und warum?
Seit September 2000 – wegen der Liebe.

Darum mache ich bei der Podiumsdiskussion „Stadtratskandidat*innen mit Migrationshintergrund“ mit:
Ich kämpfe für die Gleichberechtigung und die aktive Partizipation aller Bürger*Innen im sozialen- und politischen Leben unserer Stadt.

Darüber möchte ich sprechen / Das ist mein Herzensthema:
Wir sind nicht alle gleich, aber alle sollten die gleichen Möglichkeiten haben: Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt, in der Familie, im Alltagsleben, in der Politik.

Diese Angewohnheit macht mich zur Münchnerin:
Ich bin Italienerin, Münchnerin, EU-Bürgerin, Weltbürgerin. Als ich 2000 nach München kam, konnte ich kein Deutsch und hatte keine Freunde oder Bekannte (mein Mann, den ich in Mailand kennengelernt hatte, kam aus Karlsruhe). Seitdem bin ich dreifache Mutter, immer vollerwerbstätig gewesen, sozial und politisch engagiert. Es ist nicht einfach gewesen, aber München hat mir ermöglicht, all das zu erreichen. Ich will, dass diese Stadt eine europäische, sozialdemokratische Stadt bleibt: eine Stadt für alle!

Serdar Duran (CSU)

Serdar Duran

Geburtsjahr:
1987

Geburtsort:
München

Beruf:
Wirtschaftsfachwirt, Verwaltungsangestellter Ausländerbehörde München

Seit wann leben Sie in München und warum?
Ich bin in der bayerischen Landeshauptstadt geboren. Der Stadt, in der meine Familie seit vier Generationen lebt und der ich mich verbunden fühle.

Darum mache ich bei der Podiumsdiskussion „Stadtratskandidat mit Migrationshintergrund“ mit:
Erst war ich das „Ausländerkind“, dann wurde ich der „Moslem“, jetzt bin ich der „Migrant“. Egal, wie sie uns nennen. Wir sind Teil der Stadtgesellschaft, München ist auch unser Zuhause. München ist bunter als die meisten denken. Wir sind qualifiziert genug, um die Zukunft dieser schönen Stadt mitzugestalten.

Darüber möchte ich sprechen / Das ist mein Herzensthema:
Über das, was die Münchnerinnen und Münchner am meisten stört. Über den Immobilienwahnsinn. Über die Behörden sowie Verkehrs- und Bahn-Chaos. Über die Spaltung der Gesellschaft. Über die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen. Wie wir wieder Leben und leben lassen können.

Diese Angewohnheit macht mich zum Münchner:
Ich grüße und verabschiede mich grundsätzlich mit einem „Servus“.
Auf die Frage: Wie es mir geht, antworte ich mit „Passt scho“. Meine Frau und ich spazieren gerne durch den Englischen Garten und die Altstadt.

Olga Dub-Büssenschütt (CSU)

Geburtsjahr:
1984

Geburtsort:
Drohobytsch (Gebiet Lwiw/Lemberg), Ukraine

Beruf:
Volkswirtin, M.A., beratende Volks- und Betriebswirtin, Unternehmens- und Existenzgründerberaterin, Business Coach.

Seit wann leben Sie in München und warum?
Seit September 2004. Ich kam nach München als Studentin, um an der LMU Volkswirtschaftslehre zu studieren und eine Auslandserfahrung zu sammeln. Mit dem Ziel, anschließend in die Ukraine zurück zu kehren, um das Land aufzubauen und in die große ukrainische Politik zu gehen. Jedoch bin ich nach dem Studium aus privaten Gründen hier geblieben, da ich eine Familie gegründet habe.

Darum mache ich bei der Podiumsdiskussion „Stadtratskandidat*innen mit Migrationshintergrund“ mit:
Ich bin hier nicht geboren und auch nicht aufgewachsen, sondern kam als relativ geformter junger Mensch mit eigenen Werten und eigener Weltvorstellung nach München und bin hier geblieben. Im Glauben an unbegrenzte Möglichkeiten für alle. Somit bin ich die Vertreterin der ersten Generation von Menschen mit Migrationshintergrund in dieser Stadt, kenne alle Herausforderungen, die diese Menschen meistern müssen und zwar nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis und eigener Erfahrung. Ich habe mich von Null auf selbst gemacht ohne jegliche Unterstützung seitens des Staates und möchte den anderen Menschen mehr Mut machen, aber auch auf die realen Probleme bei der Integration hinweisen.

Erstaunlicherweise bekommen solche Menschen wie ich kaum Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. So fühle ich mich auch geehrt bei dieser Podiumsdiskussion teilnehmen zu können. Dabei zu sein ist für mich ein Zeichen der Wertschätzung, aber auch der Hoffnung, die politische Landschaft in Deutschland für solche Menschen wie mich, nicht nur de jure, sondern de facto, langfristig zu öffnen.

Darüber möchte ich sprechen / Das ist mein Herzensthema:
Es gibt vieles, was mir auf der Seele brennt. Aber in erster Linie möchte ich über die politische Integration, d.h. über die aktive und passive politische Partizipation, die politische Bildung und die Chancengleichheit von Menschen mit Migrationshintergrund sprechen. Als Mitglied im Münchner Migrationsbeirat und Vorsitzende des Arbeitskreises Migration und Integration der CSU München habe ich in diesem Bereich viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ich gerne teilen möchte.

Diese Angewohnheit macht mich zur Münchnerin:
Das Leben nach dem Motto „ leben und leben lassen“ hat schon immer München geprägt, deswegen fühle ich mich hier wohl. Ich liebe den Englischen Garten und zwar zu jeder Jahreszeit, verbringe dort gerne meine Freizeit mit langen Spaziergängen und der ganzen Familie. Ich mag auch die Wiesnzeit und gehe jedes Jahr gerne auf die Wiesn.

Dipl.-Ing. Balidemaj Delija (Die Grünen)

Delija Balidemaj

Geburtsjahr:
1967

Geburtsort:
Martinaj Montenegro

Beruf:
IT Angestellte LHM

Seit wann leben Sie in München und warum?
Ich lebe in München seit 1997. Ich wollte mich und meine Frau in Sicherheit bringen, während des Krieges im früheren Jugoslawien.

Darum mache ich bei der Podiumsdiskussion „Stadtratskandidat*innen mit Migrationshintergrund“ mit:
Es ist mir persönlich ganz wichtig, in meiner Heimatstadt München mitzugestalten und ein Vorbild für andere Menschen mit Migrationshintergrund zu sein, beziehungsweise als Leitbild für erfolgreiche Integration zu fungieren. Es soll nicht wichtig sein, woher man kommt. Es soll wichtig sein, wohin man will. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen mehr Menschen mit Migrationshintergrund politisch aktiv werden.

Darüber möchte ich sprechen / Das ist mein Herzensthema:
Meine Herzensangelegenheit ist Migrations- und Integrationspolitik. Ich möchte in den Stadtrat, um für Gleichberechtigung und Teilhabe von Migrantinnen und Migranten auf sozialer und politischer Ebene sowie Chancengleichheit zu kämpfen – für eine bunte und weltoffene Gesellschaft.

Diese Angewohnheit macht mich zum Münchner:
Meine Lebensart, Toleranz, Offenheit sowie Gemütlichkeit macht mich zum Münchner.

Lourdes María Ros de Andrés (Die Grünen)

Geburtsjahr:
1966

Geburtsort:
Plochingen, Baden-Württemberg

Beruf:
Geschäftsführender Vorstand InitiativGruppe Interkulturelle Begegnung und Bildung e.V., Autorin, Lehrbeauftragte DaF-Institut LMU

Seit wann leben Sie in München und warum?
1986 zum Studium gekommen

Darum mache ich bei der Podiumsdiskussion „Stadtratskandidat*innen mit Migrationshintergrund“ mit:
Weil ich das Thema sehr wichtig finde, der Stadtrat sollte auch die Vielfalt der Menschen in München spiegeln.

Darüber möchte ich sprechen / Das ist mein Herzensthema: Struktureller Rassismus, Bildungsbenachteiligung, Chancenungerechtigkeit von Menschen mit Migrationsgeschichte oder PoC.

Diese Angewohnheit macht mich zur Münchnerin:
Mein Leben seit über 30 Jahren in dieser Stadt, mein Münchner Kindl, die Selbstverständlichkeit des multikulturellem Umfelds.

Erol Akbulut (SPD)

Geburtsjahr:
1975

Geburtsort:
München

Beruf:
Betriebsrat

Seit wann leben Sie in München und warum?
Seit Geburt

Darum mache ich bei der Podiumsdiskussion „Stadtratskandidat*innen mit Migrationshintergrund“ mit:
Als Betriebsrat kenne ich die Anliegen und Problem der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In meinem Ehrenamt als Migrationsbeirat will ich eine Brücke sein für die 45% unserer Bürger*innen mit Migrationshintergrund in München.

Darüber möchte ich sprechen / Das ist mein Herzensthema:
Rassismus und Nationalismus, Mietpreise, MVG, Verkehr.

Diese Angewohnheit macht mich zum Münchner:
Respektvoller Umgang und Akzeptanz.


In aller Kürze

Was? Podiumsdiskussion mit Stadtratskandidat*innen mit Migrationshintergrund

Wann? 9. Januar 2020 ab 18:30 Uhr

Wo? Mucbook Clubhaus, Schillerstraße 3a, 80331 München

Tickets? Der Eintritt ist frei!


Beitragsbilder: Privat, oh, Özgün Turgut, www.foto-schwabing.de, www.pexels.com

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