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Aktuelles aus der Schlafstadt: Betreutes Tanzen am Maximiliansplatz

Corona im Sommer ist für die Politik das, was für die DB der Neuschnee im Winter ist: Eine Überraschung. Schon zum zweiten Mal in Folge hätte man etwas vorausschauender planen können. Denn der Wunsch nach Feiern und Tanzen ist auch bei Münchner*innen groß. Und auch die Münchner Clubs fordern einen Plan für den zweiten Corona-Sommer.

Peter Fleming, Betreiber des Harry Klein und aktuell Beteiligter an den Kollektivgärten, erzählt der SZ, dass seine Gäst*innen nicht mehr verstünden, dass auch dort im Freien ein Tanzverbot herrsche. Und auch nicht-kommerzielle Kollektive haben bei einer Demonstration unter dem Motto “Freiräumen jetzt” bereits im Juni ihrem Ärger Luft gemacht und forderten unter anderem Flächen für pandemiegerechte Veranstaltungen.

Der Stadtrat reagiert jetzt ein zweites Mal und schlägt etwas vor: In der am heutigen Mittwoch beschlossenen Vorlage werden die Münchner*innen fein säuberlich in verschiedene Feiergruppen aufgedröselt und nach ihren Bedürfnissen analysiert. Unter anderem wird darin auch das sogenannte “klassische Club-Publikum” aufgeführt. Dem soll nun versuchsweise für 4 Wochen der Maximiliansplatz als Outdoor-Club zur Verfügung gestellt werden.

Da war doch schon mal was?

Erst im Juli wollte die grün-rote Mehrheit im Stadtrat prüfen, ob die benachbarte Ludwigstraße am Wochenende zur legalen Partyzone erklärt werden kann, um die Türkenstraße zu entlasten. Wenig überraschend kam die Münchner Stadtverwaltung aber zu dem Ergebnis, dass dies aus verkehrs- und infektionsschutzrechtlichen Gründen nicht umsetzbar sei.

Maximiliansplatz: Tanzen, aber wie?

Nun also ein neuer Versuch, der Antrag: Lebenswertes München für alle – nächtliches Feiern und Anwohner*innen-Interessen in Einklang bringen. Die Grünanlage am Maximiliansplatz rund um das Goethe-Denkmal soll sich vorerst für vier Wochen in einen Outdoor-Club verwandeln. “Die Nähe zu den benachbarten Clubs ermöglicht eine Bestuhlung und das Angebot von Musik, Toiletten wären nutzbar, auch eine Umzäunung mit Einlasskontrolle ist hier gut möglich”, heißt es im Antrag. Für dieses Pilotprojekt haben sich das Gesundheits-, Kreisverwaltungs- und das Sozialreferat unter anderem folgende Regeln überlegt:

  • Die Personenzahl ist auf auf eine Person pro 5 qm „bespielbarer” Fläche festgelegt
  • Ein Ordnungsdienst überwacht insbesondere die Einhaltung des Hygienekonzepts
  • Einlass ist nur möglich für geimpfte, genesene oder getestete Personen mit Registrierung.
  • Die Fläche wird dabei zweigeteilt: Im Gastrobereich gelten die Regeln analog zum bekannten Gastrokonzept. Im abgetrennten “Veranstaltungsbereich” kann man dagegen mit Maske tanzen. Verzehr ist dort nicht erlaubt, Glasbehälter explizit auch nicht.

Ähm…

Es braucht keinen Abschluss in Marktforschung, um anzuzweifeln, dass sich das Türkenstraßenpublikum von diesem in Aussicht gestellten Angebot wahrscheinlich nicht abwerben lässt. Vielleicht ist es aber auch eine neue Option für Leute, die einfach mal wieder – legal – tanzen wollen. Fraglich ist nur, wie viele das überhaupt sein können. Von 250-400 ist die Rede, was uns für den kleinen Platz eine äußerst optimistische Schätzung zu sein scheint.

Es bleibt aber vorerst abzuwarten, wie sich die Clubbetreiber*innen entscheiden werden, denn die müssten das alles dann auch selber umsetzen. Dort zeigten sich bereits Stimmen, die die Wirtschaftlichkeit eines solchen Pilotprojekts in Frage stellen. So auch Tom Hilner, einer der Betreiber des Pacha (via SZ): “… wir müssen abwägen, unter welchen Bedingungen wir es machen können und wollen.”

Im genehmigten Beschluss des Stadtrats ist nun auf dieses Risiko folgendermaßen eingegangen worden: “Das Kulturreferat wird gebeten zu prüfen, inwiefern ein Risiko in der Höhe von insgesamt maximal 20.000 Euro abgesichert und die Veranstaltung – Pilotprojekt am Goethe-Denkmal – ermöglicht werden kann.”

Im Antrag ist man sich aber sicher, das Risiko der Infektionsverbreitung bei diesem Projekt sei “nach Einschätzung des Gesundheitsreferats als deutlich geringer einzuschätzen als bei spontanen ‘Massenaufläufen’ (Bsp. Türkenstraße, Isar, Strände am Mittelmeer)”.

Lobenswertes Angebot für Jugendliche

Jetzt aber Spaß beiseite. Es wurde auch an andere Zielgruppen gedacht. Und dieses Konzept klingt auf Anhieb deutlich sinnvoller und erfolgsversprechender: Die SPD / Volt – Fraktion, und die Fraktion Die Grünen – Rosa Liste wollen an zehn quer über München verteilten Standorten für Jugendliche umgebaute Container und mobile Toiletten stellen. So soll ein Treffen auch bei schlechtem Wetter ohne Konsumzwang attraktiver gestaltet und unterstützt werden.

Und was ist mit den Kollektiven?

Im Antragstext werden auch mögliche Party-Orte im Münchner Umland für junge Erwachsene diskutiert. Die Stadtratsfraktion Die Linke/Die Partei hatte den Antrag “Selbstverwaltete, junge Subkultur in München etablieren” eingereicht. Doch so konkret wie beim Maximiliansplatz wird es bei weitem noch nicht – vieles wird geprüft, einiges wurde bereits verworfen.

Das Bündnis “Freiräumen Jetzt” sagt in einem Statement dazu: “Die vorgeschlagenen Dinge in der Beschlussvorlage sind alle sehr lobenswert, in vielen Bereichen ein echter Fortschritt. […] Leider wird wortreich kaschiert, dass beim eigentlichen Problempunkt weiterhin überhaupt kein Angebot gemacht wird: Es gibt weiterhin keine einzige öffentlich ausgewiesene Sonderfläche auf der nächtliches, lautes Feiern von Jugendlichen* und jungen Erwachsenen* möglich ist. Damit gibt es immer noch kein Angebot für die aktiven Kollektive in der Stadt.”

+++ Update 12.08. +++

Bereits einen Tag nach dem Beschluss haben die um den Maximiliansplatz liegenden Clubs ihre Teilnahme zugesagt. Am Freitag, den 27.08. wird somit der Outdoor-Club das erste Mal seine Türen öffnen. An insgesamt vier aufeinanderfolgenden Wochenenden wird die Testphase laufen.


Beitragsbild: @Zac Bromell via unsplash

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