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Die Hälfte der Sommerstraßen kann man sich echt sparen

Thomas Stöppler
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Das ist jetzt ein wenig peinlich: Letzte Woche habe ich geschrieben, dass die Stadt gerade vieles richtig macht und jetzt schreibe ich, dass die Stadt ganz vieles falsch macht. Naja ganz vieles nicht aber etwas: Die Sommerstraßen. Bei der temporären Umnutzung werden insgesamt 15 Straßenzüge in München zu Spielstraßen. An und für sich eine gute Idee, hat sich letztes Jahr schon bewährt und wird jetzt ausgebaut. Nur: Beim Blick auf die meisten ausgewählten Straßen stellt sich schon die Frage der Sinnhaftigkeit.

Zum Beispiel die Maronstraße in Sendling: Ganz normale, schmale Wohnstraße mit schmalen Bürgersteigen. Sie verbindet den Paul-Meisel-Weg und die Kraelerstraße. Alles noch nie gehört? Warum auch. Da ist nämlich außer Wohnhäusern exakt nichts. Kein Lokal, kein Laden, kein Park, kein Spielplatz. Und weil im Paul-Meisel-Weg und in der Kraelerstraße auch nicht so wirklich der Bär steppt, ist der Durchgangsverkehr gleich null. Das heißt für die Menschen, die dort wohnen, wird das jetzt ganz nett, aber mehr auch nicht. Allen anderen wird es herzlich egal sein.

Die Autos bleiben

Gleiches gilt unter anderem für die Mondstraße in Untersendling und die Passionistenstraße in Pasing. An anderen Orten machen die „Sommerstraßen“ grundsätzlich durchaus mehr Sinn: Am Zenettiplatz oder am Hohenschwangauplatz. Aber auch da muss man sich Fragen über die Sinnhaftigkeit des Konzepts stellen: Die Stadt München mag das „Pop-Up-Fußgängerzonen“ nennen, aber es sind nur verkehrsberuhigte Bereiche. Das heißt es fahren immer noch Autos. Die müssen langsamer fahren und Rücksicht nehmen (müssen sie das nicht sowieso?). Also wer jetzt schon Liegestuhl, Biertisch und Grill eingepackt hat, kann alles gleich wieder in den Keller räumen, weil soweit geht der Spaß dann doch nicht.

Und klar, Autofahrer*innen die nur durch die Maronstraße durchfahren wollen, machen jetzt einen Bogen drumherum. Nur wer fährt denn eben vom Paul-Meisel-Weg in die Kraelerstraße? Fast ausschließlich Anwohner*innen und die müssen da so oder so durch. Am Ende kommt für die Verkehrswende nichts bei rum und öffentlicher Raum entsteht dort auch nicht. Natürlich kann man schlecht die Sonnenstraße in eine Spielstraße verwandeln, aber nur weil es keinem weh tut, bringt es auch nicht gleich was.

Dabei hätte es durchaus Alternativen gegeben: Die Schwanthalerstraße zwischen Parkstraße und Holzapfelstraße zum Beispiel: Da staut sich der Verkehr eh gerade, weil die Menschen sich die Straße schon zum Großteil zu eigen gemacht haben. Oder Augustenstraße oder Klenzestraße. Und auch in anderen Vierteln hätte es bessere Möglichkeiten gegeben. Die Idee der Sommerstraßen ist gut, aber sie hätte eben konsequenter und radikaler umgesetzt werden müssen. Vielleicht klappt das ja nächstes Jahr.


Foto: © Mucbook

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