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Steht hier bald das neue Lovelace? Das alte Gesundheitshaus wird für 5 Jahre zur Zwischennutzung

Zwischennutzungen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und sind in aller Munde. Nicht zuletzt die Stadt hat das erkannt und versucht, diese immer zielgerichteter zu unterstützen. Zumindest den guten Willen kann man in letzter Zeit zählen lassen – über die Ausführung lässt sich natürlich manchmal streiten.

Ziemlich bahnbrechend könnte werden, was bald an der Dachauer Straße 90 passieren wird

Da läuft bis zum 1. März ein sogenanntes „Interessenbekundungsverfahren zur Vergabe im Erbbaurecht„, wie es seitens der Verwaltung lautet und auch auf der Webseite des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft als Link zur Ausschreibung des Kommunalreferats zu finden ist. Das klingt nach Behördenkauderwelsch. Ist es auch.

Konkret heißt das: Das Gebäude wird für fünf Jahre zur Zwischennutzung freigegeben. Ein potentieller Interessent muss nachweisen, dass er die Location wirtschaftlich betreiben kann. Neben einem Bauzins, der im Prinzip einer an die Stadt zu entrichtenden Miete entspricht, dürfte auch die Inbetriebnahme zunächst mit einigen Investitionen verbunden sein.

Riesige Immobilie in der Maxvorstadt

Das Areal des alten Gesundheitshauses misst knapp 9.000 Quadratmeter. Während sich ein Zwischennutzer hier bald ein halbes Jahrzehnt frei austoben kann, wollen die Behörden simultan einen neuen Bebauungsplan erarbeiten. Langfristig wird das alte Gebäude nämlich einem neuen Verwaltungsgebäude weichen.

Aber was kommt derweil rein?

Da das oben bereits erwähnte „Interessenbekundungsverfahren“ noch nicht abgeschlossen ist, lässt sich logischerweise wenig zu dessen Ausgang sagen. Die letztendliche Entscheidung liegt ab März beim Kommunalreferat. Denkbar sind viele Nutzungen, auch zum Beispiel ein Großkonzern oder Investor als Zwischenmieter. Das Ausschreibungsverfahren ist nicht grundsätzlich auf eine Nutzung im kulturellen Sinne beschränkt.

Schön wär’s aber schon, oder? Das Prozedere, das hierfür gewählt wurde, könnte auf jeden Fall auch darauf abzielen. Kommunalreferentin Kristina Frank dazu gegenüber MUCBOOK: „Meine Devise ist es, Leerstand nicht nur durch vorausschauende Planung zu vermeiden, sondern ihn auch aktiv zu beheben. Deshalb begrüße ich es sehr, das ehemalige Gesundheitshaus für fünf Jahre mit temporärer Zwischennutzung beleben zu können. Obwohl das Gebäude in einem schlechten baulichen Zustand ist, bietet es in bester Innenstadtlage viel Platz für verschiedenste Nutzungen aller Art.

Ganz oder gar nicht

Hierzu sei erwähnt, dass ein Zwischennutzer das komplette Gebäude mieten muss. Fünf Stockwerke und zwei Untergeschosse sind potentiell zu bespielen. Das Gebäude an sich ist baufällig und einigen Renovierungen zu unterziehen, seit drei Jahren etwa steht es leer.

Eine Freude sicher für den, der’s kann (Michi Kern, Daniel Hahn, Zehra Spindler – lest ihr mit?), ein bisschen überambitioniert wohl für komplette Novizen. So ist auch die komplette Haustechnik weitgehend nicht funktionsfähig und nicht nutzbar. Von der Stadtverwaltung wird das Bestandsgebäude eingedenk dessen als Abbruchobjekt eingestuft. Ein potentieller Interessent muss deshalb auch ein ausgearbeitetes und wirtschaftlich tragfähiges Konzept vorweisen.

Was sind also denkbare Szenarien?

Die gängige Mischung aus „Party, Kunst und Kultur“ drängt sich geradezu auf. Jüngst hat das Lovelace etwa bewiesen, wie vielseitig man mit einem solchen Projekt umgehen kann und dass auch ein Hotel ordentliche Parties verträgt. Fast schon legendär sind Zehra Spindlers einstige Interimsprojekte ‚Puerto Giesing‚ und ‚Art Babel‘.

Das sind große Fußstapfen, in die man da treten kann. Vielleicht schafft es München ja in naher Zukunft mal wieder in die New York Times (‚Yes, Munich is getting dope!‘). Davon abgesehen wär’s auf jeden Fall schön, wenn wir es erst mal alle in das Gebäude schaffen: mit einer für alle zugänglichen Zwischennutzung.

Mögen die Spiele beginnen!

 

Außerdem noch: ein kleiner Platz am Elisabethmarkt

Wenn es erst mal eine Nummer kleiner sein darf, dann sei an dieser Stelle noch auf eine weitere kleine Zwischennutzung hingewiesen: am Elisabethmarkt im Herzen Schwabings steht eines der Marktpavillons auf überschaubaren 25 Quadratmetern zur Disposition. Hier soll schon sehr bald für 11 Monate eine Kulturnutzung für Zwischenmieter möglich werden. Interessenten sollten sich in dem Falle aber ranhalten, am 31. Januar endet nämlich schon die Frist für Bewerbungen an das Kompetenzteam Kultur-Kreativwirtschaft.


Beitragsbild: © Jan Krattiger

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