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München wird umgebaut: Wir schauen auf 3 Großprojekte

Münchens Stadtbild verändert sich stetig. Nun stehen in der Zukunft mitunter drei Mega-Bauprojekte an, die großen Einfluss auf die architektonische Identität der Landeshauptstadt haben werden. Wie das aber so oft bei großen Bauprojekten der Fall ist, zieht sich das manchmal etwas in die Länge und die Zukunft wird zum dehnbaren Begriff.

Was aber können wir bereits im kommenden Jahr erwarten? Zum Jahresauftakt wollten wir uns einen Überblick über drei besonders vielversprechende Mega-Bauprojekte verschaffen. Am Stachus wird sich einiges ändern, für die baufällige Großmarkthalle in Sendling muss dringend etwas Neues her und der Dauerbrenner Paketpost-Areal wollte doch auch mal in die nächste Runde, oder?

Großmarkthalle: wer baut weiter?

Die Großmarkthalle in Sendling ist mit ihren fast 120 Jahren, gelinde gesagt, etwas in die Jahre gekommen. Um den Betrieb für die Händler*innen dort überhaupt am Laufen zu halten, wurde in die baufällige Anlage bisweilen sehr viel Geld investiert. Und es geht noch weiter: Bis zum Jahr 2024 müsste die Stadt geschätzt 30 Millionen Euro in die Aufrechterhaltung der Halle investieren. Ob danach noch weitere Sanierungen erforderlich wären, lässt sich laut Werkleitung der Münchner Stadthallen nicht sicher sagen. In den letzten Jahren hat sich trotz dieser Dringlichkeit in Punkto Neubau allerdings nicht viel getan.

Jetzt will der Unternehmer Ralf Büschl (der von der Paketposthalle)unter die Arme greifen. Im November vergangenen Jahres hatte er seinen Einstieg verkündet und prompt wurde ein neues Konzept vorgestellt. Dieses sieht im Entwurf für die Großmarkthalle neben Büro- und Gewerbeflächen auch Hotels und Wohnungen vor. Bei letzteren würde Büschl auch nicht vor den strengen Vorgaben der SoBoN zurückschrecken. So ganz ohne Zugeständnis der Stadt ginge das allerdings nicht: Büschl stellte die Forderung, dass er weitestgehend entscheiden dürfe, was gebaut wird. Aufgrund der Größe und Beudeutung der neuen Halle für das Münchner Stadtbild, benötigt man für derartige Großprojekte eigentlich einen städtebaulichen Architekturwettbewerb. Es wurde jedoch bereits angedeutet, dass dieser aufgrund des (finanziellen) Zeitdrucks womöglich entfallen könnte. Gegenstimmen wurden allerdings auch schon laut. Bis Ende des ersten Quartals jedenfalls soll dem Stadtrat von der Büschl-Gruppe ein Zwischenbericht vorgelegt werden. Dieser Zeitplan sei dann Entscheidungsgrundlage für eine etwaige Zusammenarbeit.

Stagnation am Paketpostareal?

Moment. Das mit dem fehlenden Architekturwettbewerb kommt uns doch im Zusammenhang mit Büschl bekannt vor? Diese Kritik wurde nämlich auch schon in Hinblick auf die geplanten Hochhaus-Türme auf dem Paketpostareal laut. Für diese hatte nämlich das von Büschl beauftragte, renommierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron schon einen Entwurf erstellt, mit dem die Büschl-Gruppe bereits lange Zeit wirbt. Doch das ist nicht der einzige Haken: Noch immer gibt es große Verfechter*innen, die sich gegen die geplanten 155 Meter hohen Hochhäuser im Generellen stellen – vorne an der Landtagsabgeordnete und Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Bogenhausen, Robert Brannekämper. Im Frühjahr wollen er und seine Mitstreiter*innen Unterschriften für einen Bürgerbegehren sammeln, um so einen Bürgerentscheid zu initiieren. Um dieses Verfahren abzukürzen, plant unter anderem Grünen-Politikerin Anna Hanusch direkt ein Ratsbegehren. Auch Büschl bat bereits darum, womöglich erhofft er sich über diesen Weg eine weniger voreingenommene Wähler*innenschaft.

Bei der restlichen Planung des Areals rund um die Paketposthalle, welches Investor Büschl 2018 erwarb, ist man jedoch schon einen Schritt weiter. Seit Oktober vergangenen Jahres wurden fleißig Öffentlichkeitsbeteiligung betrieben und ein Bürger*innengutachten erstellt. Diese Unterlagen, die noch Anfang dieses Jahres was in die weitere Planung für das PaketPost-Areal einfließen soll. Damit ist es mit der Öffentlichkeitsbeteiligung am Bauprojekt jedoch noch nicht getan, denn es wird noch weitere Möglichkeiten der MItwirkung am Planungsprozess für alle anderen Münchner*innen geben.

Benko-Pläne am Stachus

In der Innenstadt kauft der Österreichische Milliardär und Immobilieninvestor René Benko gerne ein. Erst letztens erwarb er das Gebäude des ehemaligen Kaut-Bullinger in der Rosenstraße und die Alte Akademie wird gerade saniert. Auch sonst haben er und seine Signa-Gruppe sich auf Warenhäuser spezialisiert. Ein Gebäude, das Signa nun seit längerer Zeit gehört, ist der Karstadt in der Schützenstraße – ein Mega-Bauprojekt.

Die genauen Pläne dafür sind auf der Website der Signa-Gruppe einzusehen und einiges kommt dabei bereits 2022 auf uns zu. Im Spätsommer vergangenen Jahres begann bereits der Umbau des historischen, vorderen Gebäudetrakts, während sich der Neubau noch in der Planungsphase befindet. Erst wenn die überwiegend innen stattfindenen Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes Ende 2023 beendet ist, wird der größere, hintere Gebäudeteil aus den siebziger Jahren abgerissen und schafft Platz für einen durchgehbaren Neubaukomplex – so ist ein durchgängiger Warenhausbetrieb möglich. Gerade befindet sich der Neubau in der Planungsvorbereitung. Ist der Billigungsbeschluss 2022 erfolgreich, folgt ein Designwettbewerb.

Insgesamt soll bei dem riesigen Gebäudekomplex schließlich ein Erlebnistempel mit Kaufhaus, Lokalen und Büros entstehen – laut Website ein “facettenreicher Nutzungsmix”. Eine Entwicklung, die sich aktuell auch in anderen, ehemaligen Innenstadtkaufhäusern abzeichnet.

München wird umgebaut

Es ist also einiges Großes im Entstehen begriffen und wird uns auch dieses Jahr beschäftigen. Wir bleiben dran!


Beitragsbild: Sandra Grunewald via Unsplash

1Comment
  • Jonas Anders
    Posted at 13:30h, 12 Januar

    In dem Artikel fehlt die Bezugnahme auf die Klimakatastrophe und den Resourcenmangel. Aber das das ist nicht nur hier so, das wird meist vergessen. Es muss streng geprüft werden, was in welcher Form wirklich notwendig ist. Wem das nicht in die Stimmung passt – das dicke Ende kommt doch.

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