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Weiß, Gelb, Grün/Rot: Kleine Radweg-Farbenlehre

Jan Krattiger

Ab April (frühestens) sollen die fünf Popup-Radwege vom vergangenen Sommer neu aufgemalt werden, so schrieb es die AZ am vergangenen Montag.

Höchste Zeit für eine kleine Auffrischung der Münchner Radweg-Farbenlehre.

Grün/Rot:

Das sind die Farben der neuen Mehrheit im Stadtrat – mit einem kleinen Sprenkler Lila (Volt) und Rosa (Rosa Liste) noch dazu. Diese Mehrheit hatte vergangenen Sommer für Freude gesorgt bei den Münchner Fahrradfahrer*innen: Sie veranlasste nämlich, dass die Stadt mit ziemlichem Tempo an fünf Standorten über den Sommer kurzerhand Popup-Radwege markiert hat.

Gelb:

Temporäre gelbe Markierungen wurden aufgeklebt. Das bedeutete: Weniger Fahrspuren für Autos, mehr Platz fürs Rad – weil die Coronakrise dazu geführt hat, dass etwa 20 Prozent weniger Autos auf den Straßen unterwegs waren. Groß war danach wiederum der Aufschrei, als die gelben Radspuren Ende Oktober wieder entfernt wurden – planmäßig nach Ende der viermonatigen Testphase.

Silber:

Silbern war der Hoffnungsschimmer am Horizont: Die gesammelten Erfahrungen sollten analysiert, die Bürger*innen nach ihren Meinungen zu den Radwegen befragt und dann die neuen Radwege gebaut werden, idealerweise schon im Frühjahr 2021.

Da freute sich erstmal das Radlerherz ob der Meldung, dass die Radwege ab April wieder hergestellt und befahrbar sein könnten. Nur: Was ist mit der geplanten Bürgerbeteiligung, der Analyse der gesammelten Erfahrungen und dem dazugehörigen Stadtratsbeschluss?

Eine Nachfrage auf Twitter führt zu einem Gespräch mit Gudrun Lux, Stadträtin der Grünen/Rosa Liste und Andreas Schuster, Stadtrat von der SPD/Volt-Rathausfraktion. Beide erfahrene Kämpfer*innen für eine bessere Rad-Infrastruktur, unter anderem beim Radentscheid.

Weiß:

Nicht mehr gelb und aufgeklebt, sondern weiß und aufgemalt (und mit Piktogrammen) sollen die neuen Radwege werden: „Die Popup-Radwege haben sich grundsätzlich bewährt“, sagt Gudrun Lux. Die konkreten baulichen Maßnahmen für die finale Lösung umzusetzen aber, das „dauert fürchterlich lang“. Deswegen kommen jetzt als schneller umsetzbare Wege, bis die endgültigen Umbauten beschlossen, geplant und gebaut sind, eben neue, dauerhafte Radwegmarkierungen in weiß.

Die Bürger*innen an dem Prozess teilhaben zu lassen, wurde im letzten Halbjahr durch Corona und den zweiten Shutdown erschwert. Außerdem schuf die Stadt mit dem Mobilitätsreferat eine neue Anlaufstelle für diese Themen – die jedoch muss sich auch erstmal organisieren.

Zwei Online-Termine zur Information der Bürger*innen stehen indes schon bald ins Haus: Am 17. Februar zur Rosenheimer Straße und am 18. Februar zur Gabelsberger- und Theresienstraße, weitere werden folgen.

Wann wird’s denn jetzt weiß?

Ziemlich schnell soll die neue Bemalung in der Elisenstraße kommen, weil da keine Anwohner sind und eine bauliche Lösung vom Stadtrat eh schon beschlossen wurde. Lux rechnet mit einem Stadtratsbeschluss am 17. März, dann könnte es im April losgehen.

In der Gabelsberger- und Theresienstraße wird vor Mai ziemlich sicher gar nichts gemalt. Denn die neuen, weißen Markierungen auf der Straße sind dauerhaft und bedingen, dass zuvor bestehende weggefräst werden. Das wiederum kann die Straße in Mitleidenschaft ziehen. Ein ziemlicher Aufwand, der im Zuge von sowieso anstehenden Straßensanierungen etwas später passieren soll, auf Empfehlung des Baureferats.

„Was jetzt auf die Straße kommt, ist eine Weißmarkierung mit erhöhter Sicherheit“, sagt Andreas Schuster. „Wir wollen aber weiter gehen und dazu alle integrieren. Da nehmen wir uns die Zeit, die es eben braucht.“ Dennoch sei es wichtig, diese Prozesse zu beschleunigen.

Auch an der Zweibrückenstraße könnte es noch dauern – denn da verunmöglicht die aktuelle Baustelle, neue weiße Radwege aufzumalen.

Nach Weiß kommt…

Dass die weiß markierten Radwege nicht der Weisheit letzter Schluss sind, betonen Lux und Schuster. Dennoch sehen sie eine Verbesserung der Sicherheit für Radfahrer*innen an diesen fünf Straßenzügen. Bis dann eben die finalen und an die fünf Standorte individuell angepassten baulichen Lösungen kommen, freuen wir uns eben über ein paar neue, alte Bekannte in weiß statt gelb – die hoffentlich noch vor Ende des Sommers alle aufgemalt sind.

Blau. Oder Grün. Oder Rosa?

Klar ist jetzt schon, dass irgendwann alle Radwege im Zuge der Umsetzung des Radentscheids auch noch eine einheitlich bemalte Fahrbahn bekommen. Nur ob da Blau, Rot, Grün oder gar Rosa ausgewählt wird, auch das muss der Stadtrat noch entscheiden – voraussichtlich im kommenden Juni.

(Was Schwarz oder Gelb dazu sagen, müssen wir noch rausfinden…)

1Comment
  • Heidi Paul
    Posted at 21:02h, 15 Februar

    Das hat Spaß gemacht. Pfiffige Textidee! ☺️

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