Alle Artikel von Thomas Steierer
Autor und Journalist, Schwerpunkt Kultur (Kabarett, Literatur, Film). Eine Auswahl von Printveröffentlichungen der auf mucbook veröffentlichten Interviews findet sich hier: https://www.torial.com/thomas.steierer


„Wenn man Gegenwind spürt, ist man zumindest in Fahrt“
von

Den zynischen Advocatus diaboli gibt Max Utthof, der Jurist unter den Kabarettisten, nur auf der Bühne. Seit Februar leitet der Münchner Kabarettist, Jahrgang 1967, gemeinsam mit Claus von Wagner das monatliche ZDF-Satireformat „Die Anstalt“. Mit seinem neuen Bühnenprogramm „Gegendarstellung“ feiert er am 13.Oktober München-Premiere im Lustspielhaus, weitere Termine ebendort am 14.10. sowie am 3. und 4. 11. folgen. Im Interview spricht der Kabarettbühnenbetreibersohn, inzwischen selbst Familienvater, über dumme Werbung, das Erfolgsgeheimnis der „Anstalt“, Grenzen der Satire sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Jura und Kabarett. Continue reading “„Wenn man Gegenwind spürt, ist man zumindest in Fahrt“” »

09. Oktober 2014
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„Sinn und Unsinn gleichberechtigt“.
von

Der Weg zur Erleuchtung? Der Weg ist das Ziel. Dies ist eines der Lebensundwirkens-Themen des Münchner Kabarettisten Sven Kemmler (Jahrgang 1968). „Die 36 Kammern der Nutzlosigkeit“ heißt sein viertes Bühnenprogramm, das der Moderator der montäglichen Vereinsheim-Satireshow “Blickpunkt Spot“ am Freitag, 26. September (und am 10.12.) in der Lach-und-Schieß-Gesellschaft (20 Uhr) spielt. Im Interview spricht der Autor des Berufsfindungsodyssee-Buchs „Und was wirst Du, wenn ich groß bin?“ und Co-Autor von Michael Mittermeier über die Grundsätze des „Sven-Buddhismus“, Segen und Fluch des Komikerdaseins und das Ende des Neoliberalismus.

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23. September 2014
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“Innere Ruhe statt wütende Faust”.
von

Ehre, wem Ehre gbührt. Sie ist Hauptpreisträgerin beim Bayerischen Kabarettpreis 2014: Luise Kinseher, ihres Zeichens charmant-hinterfotzige Mama Bavaria, resolute Polizeichefin in der Serie “München 7” und nicht zuletzt Spitzenfrau in Sachen Typenkabarett. Am 7.Juli wird der Bayerische Kabarettpreis in Aschaffenburg verliehen. Im Interview spricht die niederbayerische Wahlmünchnerin über schwierige Anfänge, ihren Laudator Frank-Markus Barwasser (“Pelzig“) sowie ihr neues Bühnenprogramm “Ruhe bewahren” (Premiere am 14.10. in der Lach-und Schieß-Gesellschaft). Continue reading ““Innere Ruhe statt wütende Faust”.” »

03. Juli 2014
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„Manchmal braucht es einen Perspektivenwechsel“.
von
„Beste Chance“ startet am Donnerstag (26. Juni) im Kino, das Finale der auf dem oberbayerischen Land spielenden Coming-of-Age-Trilogie von Marcus H. Rosenmüller, gefeierter Regisseur von Nockherberg-Singspiel und „Wer früher stirbt, ist länger tot“, sein Kinodebüt-Erfolgsfilm mit 1,8 Millionen Zuschauern. Im Interview spricht der gebürtige Tegernseer, Jahrgang 1973, über den richtigen Moment im Leben, seine hohe Produktivität sowie über Licht und Schatten in der Filmbranche.

„Beste Chance“, der neue Film von Regisseur Marcus H. Rosenmüller, startet am Donnerstag, den 26.Juni im Kino. Dieser Film bildet das Finale der auf dem oberbayerischen Land spielenden Coming-of-Age-Trilogie.  Gefeiert wurde Rosenmüller u.a. für das Nockherberg-Singspiel und für „Wer früher stirbt, ist länger tot“, sein Kinodebüt-Erfolgsfilm mit 1,8 Millionen Zuschauern. Im Interview spricht der gebürtige Tegernseer, Jahrgang 1973, über den richtigen Moment im Leben, seine hohe Produktivität sowie über Licht und Schatten in der Filmbranche.

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23. Juni 2014
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“Die Phantasie können sie uns nicht nehmen”.
von
“Die Phantasie können sie uns nicht nehmen”.

In Sachen Typenkabarett führt kein Weg an ihm vorbei im deutschsprachigen Raum: Helmut Schleich, unter anderem bekannt als Franz-Josef-Strauß-Wiedererwecker vom Nockherberg-Singspiel und Prominentenparodie-Chameleon, etwa im eigenen BR-Format „Schleichfernsehen“.
Mit seinem neuen Programm „Ehrlich“ feiert der 46-jährige Preisträger des Deutschen Kleinkunstpreises nun 30-jähriges Bühnenjubiläum. Die Premiere findet am 27. Mai im Lustspielhaus statt (weitere Termine ebendort Ende Mai, im Juni und Juli). Im Interview spricht der gebürtige Schongauer über Ehrlichkeit im Großen wie Kleinen, sein Verhältnis zu Franz Josef Strauss sowie seine drei Jahrzehnte im Kabarett.

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20. Mai 2014
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“Geld, Gewalt, und die alltägliche Dummheit”.
von

Der Münchner Kabarettist Christian Springer, bekannt als grantelnder Kassenwart von Schloss Neuschwanstein „Fonsi“, moderiert mit Michael Altinger das BR-Kabarettformat „Schlachthof“.
Im Interview spricht der 49-Jährige, im vergangenen Jahr mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet, über „Oben ohne“, sein erstes Bühnenprogramm seit über 10 Jahren ohne „Fonsi“ (14. und 15. Mai sowie 27. Juni in der Lach-und Schießgesellschaft), seine Nockherberg-Erfahrungen und sein ehrenamtliches Syrien-Engagement. Continue reading ““Geld, Gewalt, und die alltägliche Dummheit”.” »

24. April 2014
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„Die Macht des Mittelmaßes“.
von

Gerhard Polt ist eine lebende Legende. Nun hat der Autor, Kabarettist, Schauspieler und Filmemacher („Kehraus“, „Fast wia im richtigen Leben“) nach 10 Jahren einen neuen Kinofilm realisiert (Kinostart am Donnerstag, 6.2.).
In „Und Äktschn!“ (Regie Frederick Baker) spielt er den Amateurfilmer Hans. A. Pospiech, der „Hitler als Mensch“ zeigen möchte. Im Interview spricht Polt (Jahrgang 1942) über die Banalität des Bösen, seine Lieblingsfilme, Erfolgsmaßstäbe, und sein Ziele für 2014. Continue reading “„Die Macht des Mittelmaßes“.” »

05. Februar 2014
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„Viele Menschen würden einen gerne scheitern sehen“.
von

F wie Familie, F wie Fälschung, F wie Fiktion. Darum dreht sich „F“, der neue Roman von Daniel Kehlmann (Jahrgang 1975). Sein „Die Vermessung der Welt“ mit rund 2,3 Millionen verkauften Exemplaren und inzwischen in 46 Sprachen übersetzt, ist einer der größten Bucherfolge der Gegenwart. Vor seiner vom Literaturhaus München veranstalteten Lesung in der Großen Aula der Ludwigs-Maximilians-Universität am 24. Oktober (20 Uhr) spricht Kehlmann im Interview über die Fallhöhe nach dem Bestseller, Kritikerurteile und seine Mission als Autor. Continue reading “„Viele Menschen würden einen gerne scheitern sehen“.” »

14. Oktober 2013
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“Das Internet ist eine feige Sau”.
von


Michael Mittermeier zählt zu den erfolgreichsten Komikern im deutschsprachigen Raum. Aktuell ist er mit seinem neuen Bühnenprogramm „Blackout“ auf Tour. Die CD ist am 4. Oktober erschienen. Vor seinen bereits ausverkauften Auftritten im Circus Krone (7. bis 9.10.) spricht der 47-jährige Oberbayer und Magister der Amerikanistik im Interview über Blackouts im Großen und Kleinen, sein soziales Engagement, den Kick  von Auftritten in englischsprachigen Raum und die harte Ochsentour zu Beginn seiner Karriere. Continue reading ““Das Internet ist eine feige Sau”.” »

07. Oktober 2013
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Großartig. Erschütternd. Komisch.
von

Wenn Gott ein schlechtes Gewissen hat, dann entsteht ein Kabarettist. Besonders groß muss dieses gewesen sein im Fall vom Urheber der These Sigi Zimmerschied. Seines Zeichens legendärer Passauer Bühnenfuror. Unverwechselbar in seiner archaischen Sprachgewalt, kompromisslosen Deutlichkeit und mimischen Ausdruckskraft. Nun gibt es das Destillat seiner Bühnenaktivitäten der letzten fünfzehn Jahre in Buchform. Am 31. Juli liest Zimmerschied aus „Die Stachelbeersträucher von Saigon“ in der Lach-und Schießgesellschaft. Continue reading “Großartig. Erschütternd. Komisch.” »

01. Juli 2013
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„Hochgejubelt und verdammt“.
von

Zum 100.Jubiläum wird die Tour de France, die am Samstag (29.Juni) startet, überschattet von diversen Dopingskandalen. ZEIT-Autor Johannes Schweikle legt mit “Ausreißversuch” einen Schlüsselroman vor, der -nach Jan Ullrichs ambivalenter Dopingbeichte dieser Tage besonders aktuell- die Frage nach dem Warum von Doping im Sport und darüber hinaus etwa mittels Schönheitsoperationen und Ritalin beleuchtet. Im Interview spricht der Reportage-Dozent an der Akademie der Bayerischen Presse in München (Jahrgang 1960) über Sündenböcke, Auswege aus dem Betrugssystem, Ausreißversuche im Radsport und wirklichen Leben.
An aktuellen Aufhängern fehlt es nicht. Dennoch die Frage: Was reizt Sie am Thema Doping im Radsport als Romanrahmen, wie kam es zum Buchprojekt „Ausreißversuch“?
Zum einen hat mich bei der so genannten Beichte von Lance Armstrong massiv gestört, dass das keine Beichte war, sondern ein Kratzen an der Oberfläche. Er hat nur zugegeben, was die ganze Welt schon wusste. Aber zu allem, was interessant wäre, wie er sein Betrugssystem perfektioniert hat, zu all dem hat er nichts gesagt. Es hat mich gereizt, hier in die Tiefe zu gehen.
Auch der deutsche Toursieger Jan Ullrich ist des Dopings überführt.
Da haben wir das zweite Motiv für meinen Roman. Als der Dopingfall Jan Ullrich in der deutschen Öffentlichkeit verhandelt wurde, hatte ich das Gefühl: Ihm wird Unrecht getan. Klar, er hat betrogen. Aber er wurde zum Sündenbock gemacht, er wurde dämonisiert, er musste den Kopf hinhalten für sehr viele andere. Das finde ich in hohem Maße ungerecht. Deshalb wollte ich mich mit diesem Stoff beschäftigen.
Wie bewerten Sie das lange Zeit beharrliche Schweigen von Jan Ullrich in Sachen Doping?
Ich würde ihm wünschen, dass er eine Form findet, sich zu erklären. Ich bin mir sicher, dass das gut für ihn wäre. Er könnte so seinen Frieden machen. Ich kann auf der anderen Seite aber auch sehr gut verstehen, dass er dies nicht tut. Durch den Medienzirkus geschleift zu werden und als reuiger Sünder im Fernsehen, den Zeitungen und Magazinen vorgeführt zu werden, das ist eine Rolle, die sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig ist.
Wie haben Sie für den Roman recherchiert?
Ich betreibe seit vielen Jahren selbst Radsport. Von daher weiß ich in etwa, wie er sich anfühlt. Journalistisch habe ich schon des Öfteren über dieses Thema berichtet, große Rennen aus nächster Nähe miterlebt und mit diverse Rennfahrer porträtiert. Zur Recherche für dieses Buch habe ich gezielt Gespräche geführt mit Radprofis, Trainern und Managern. Das hat sich zur faktischen Grundlage verdichtet, die ich gebraucht habe, um eine tiefgründige Geschichte schreiben zu können.
Was waren Ihre eindrücklichsten persönlichen Erlebnisse in Sachen Radsport?
Ich habe einige Etappen der Tour de France live erlebt und darüber berichtet, etwa wie sich eine französische Provinzstadt für einen Tag komplett verwandelt, wenn die Tourkarawane einfällt und aus einem verschlafenen Provinznest plötzlich der Mittelpunkt der Radsportwelt wird. Ansonsten verfolge die Tour am Fernseher, vor allem die Bergetappen. Das ist großartiger Sport. Ich sitze regelmäßig vor dem Fernseher und schicke Gebeten gen Himmel: Bitte lass doch den, der da gerade eine tolle Leistung bringt, sauber sein. Dass ich mich wirklich begeistern kann. Es nagt halt immer der Zweifel, ob ich glauben kann, was ich da sehe.
Und aktiv?
Ich bin einige Etappen in Frankreich, von denen im Buch die Rede ist, schon selbst gefahren. Der Mont Ventoux ist ein erzählerischer Fixpunkt für den Roman – ich war schon mit dem Rad oben. Als ich in diese Mondlandschaft ohne jegliche Vegetation fuhr, habe ich ebenfalls ein Stoßgebet gen Himmel geschickt: Bitte jetzt kein Gegenwind. Die Steigung ist lang und unerbittlich, es gibt keine flachen Passage zum Erholen.
Ein großartiges Erlebnis war auch die Flandernrundfahrt. Sie gehört zu den klassischen Rennen des Radsports. Am Sonntag treten die Profis an, einen Tag vorher dürfen wir Hobbyradler auf der gleichen Strecke fahren. Im Belgien ist Radfahren Volkssport wie in Deutschland Fußball. Vor dieser Kulisse und der Begeisterung der Belgier selbst zu schwitzen, das ist genial.
Haben Sie gemäß dem Romantitel selbst einmal einen Ausreißversuch unternommen?
Wenn man mit Freunden eine Tour fährt, gehört dieses Kräftemessen dazu. Dass man versucht, den anderen davonzufahren und auszuloten, wer der Stärkste ist, das hat auch in der Ebene des Freizeitsports seine Faszination.
Und im übertragenen Sinne, in anderen Lebensbereichen?
Ich empfinde die künstlerische Aufgabe, einen Roman zu schreiben, durchaus als Ausreißversuch. Das ist ein Aufbruch ins Ungewisse. Auch hierbei weiß ich nicht, ob ich die Kraft und die Fähigkeiten haben, eine Idee zu Ende zu bringen. Vielleicht merke ich unterwegs: Das war zwar eine gute Idee, aber ich habe es zum falschen Zeitpunkt probiert oder der Gegenwind ist zu stark und ich muss irgendwann aufgeben. Da gibt es durchaus Parallelen zum Radsport.
In Ihrem ersten Roman „Fallwind“ über den Schneider von Ulm geht es ebenfalls um den Absturz eines zunächst Hochgejubelten. Was reizt Sie am Fallhöhephänomen und was sagt dies über die Gesellschaft aus?
Im „Fallwind“ geht es um ein Ereignis, welches im Jahr 1811 stattgefunden hat. Bei einer Lesung aus diesem Roman kam eine schöne Reaktion von einem Zuhörer. Er sagte: Das kommt mir gar nicht vor wie 1811, sondern wie wenn es heute wäre. Genau das ist es, was mich an diesem Thema reizt: Wie geht die Gesellschaft um mit Menschen, die etwas Besonderes wagen, sozusagen einen Ausreißversuch unternehmen?
Wie geht die Gesellschaft um mit diesen Menschen?
Wenn es klappt, ist ihnen der Beifall sicher, dann finden es alle toll. Wenn der Ausreißer scheitert, heißt es hinterher: Das haben wir gleich gewusst. Beim Schneider von Ulm sagte das Publikum: Wie kommt ausgerechnet ein Schneider dazu, das Fliegen zu probieren!? Genauso ist das auch im Sport. Man möge sich bitte erinnern, wie Jan Ullrich hochgejubelt wurde. Als klar war, dass er seine Leistungen nicht nur mit Apfelschorle und Müsliriegeln erbracht hat, wurde er in der gleichen Intensität verdammt.
„Willkommen im Club der Selbstoptimierer“, sagt Kathrin, die Freundin des Protagonisten Max Witt in „Ausreißversuch“. Kann man „Ausreißversuch“ auch als Denkanstoß verstehen, müsste sich etwas ändern, im Radsport und gesellschaftlich?
Absolut. Nicht nur im Radsport muss sich nach meinem Dafürhalten etwas ändern, sondern auch in der Gesellschaft. Diese Optimierungsmentalität, um nicht zu sagen, dieser Optimierungswahn: Es wäre besser, wenn wir uns davon befreien könnten.
Wie könnte das funktionieren?
Im Radsport würden intelligentere Dopingkontrollen helfen. Die rituellen Kontrollen nach den Rennen sind nicht viel wert, da erwischt man nur die Dummen. Man müsste viel gezielter unangemeldet im Training kontrollieren. So könnte man einem sauberen Sport näher kommen.
Und über den Sport hinaus hinaus?
Gesellschaftlich ist die Aufgabe viel schwieriger. Ich weiß nicht, wie wir von diesem ewigen Vergleichen, wer toller ist, wegkommen können.
Im PR-Text zum Buch heißt es: „Jan Ullrich schweigt. Max Witt erzählt seine ganze Geschichte: Als junger Radrennfahrer gewinnt er unerwartet die Tour de France“. Bei Schlüsselromanen kam es in den letzten Jahren oftmals dazu, dass die erkennbar Dargestellten die Veröffentlichung des Romans gerichtlich unterbunden haben.
Das ist natürlich eine Grundunsicherheit in diesem Genre. Ich habe Jan Ullrich den Text vorab geschickt und ihm damit die Möglichkeit eingeräumt, Einspruch zu erheben. Das hat er nicht getan. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass uns gerichtliche Auseinandersetzungen erspart bleiben.
Für das Buchbuchprojekt haben Sie ein Stipendium des Förderkreises Deutscher Schriftsteller in Baden Württemberg erhalten. Wie funktioniert das Ineinklangbringen von Schriftstellerei und dem Brotjob Journalismus?
Das Stipendium war in doppelter Hinsicht wertvoll. Zu einen war es eine Form der Anerkennung, dass eine Jury sagt: Jawohl, wir glauben an dieses Buch. Das hat Rückwind gegeben. Zum anderen hat mir das Geld geholfen, die Monate ohne Einnahmen zu überbrücken, da ich in der Zeit, in der ich an dem Roman geschrieben habe, nicht journalistisch arbeiten konnte. Von der Schriftstellerei kann ich im Moment nicht leben. Ohne den Journalismus könnte ich meine finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen.
Sie sind erst relativ spät belletristisch an die Öffentlichkeit getreten, was war und ist Ihre Motivation hierfür?
Als Journalist hat mich von Anfang an die Reportage am meisten gereizt. Sie gehört zu den erzählerischen Gattungen im Journalismus. Deshalb kam irgendwann der Wunsch, mich in der großen Währung des Erzählens zu versuchen, sprich: Einen Roman zu schreiben.
Sind neue Projekte Ihrerseits bereits absehbar?
Diesen Sommer führt die Tour de France erstmals über korsische Straßen. Bevor das Rennen beginnt, will ich die schönste Etappe auf der Insel vorfahren und eine Reportage schreiben, wie sich das anfühlt. Eine literarische Idee, die ich gerne verwirklichen möchte, hat mit einer Figur zu tun, die einen Gutteil der Menschheit in Bewegung gebracht hat. Ich finde es faszinierend, wenn Menschen in Bewegung sind. Dann lassen sich Motive und Befindlichkeiten viel plastischer und sinnlicher darstellen als in ruhendem Zustand.
Johannes Schweikle: “Ausreißversuch. Roman einer Karriere”, 208 Seiten, Klöpfer & Meyer, 20 Euro.

Zum 100.Jubiläum wird die Tour de France, die am Samstag (29.Juni) startet, überschattet von diversen Dopingskandalen. ZEIT-Autor Johannes Schweikle legt mit “Ausreißversuch” einen Schlüsselroman vor, der -nach Jan Ullrichs ambivalenter Dopingbeichte dieser Tage besonders aktuell- die Frage nach dem Warum von Doping im Sport und darüber hinaus etwa mittels Schönheitsoperationen und Ritalin beleuchtet. Im Interview spricht der Reportage-Dozent an der Akademie der Bayerischen Presse in München (Jahrgang 1960) über Sündenböcke, Auswege aus dem Betrugssystem, Ausreißversuche im Radsport und wirklichen Leben. Continue reading “„Hochgejubelt und verdammt“.” »

27. Juni 2013
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“Hinterfotzigkeit und Abgründe”.
von

Er gehört zu den ganz Großen seiner Branche im deutschsprachigen Raum: Der österreichische Kabarettist Josef Hader, hierzulande auch bekannt als Schauspieler im Kultfilm „Indien“ sowie Verfilmungen von Wolf-Haas-Romanen wie „Der Knochenmann“ oder „Komm, süßer Tod“. Am 24. November spielt der Wahlwiener „Hader muss weg“ im Volkstheater. Im Interview spricht Hader über das Phänomen seiner Dauerbrennerprogramme, den Reiz am Drehbuchschreiben und Grenzen von Satire.

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06. November 2012
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„Slapstick-Psychodrama.“
von

Eine kollegiale Katastrophe sind sie nur auf der Bühne: Seit bald 10 Jahren eskalieren Arthur Senkrecht und der Pianist Pusch mit intelligenter Situationskomik und charmanter Musik.  Im gesamten deutschsprachigen Raum und in Fernsehformaten wie „Ottis Schlachthof“. Dahinter stecken zwei Münchner, Schauspieler und Drehbuchautor Arnd Schimkat („Ottos Eleven“, „Wer früher stirbt, ist länger tot“) und Pianist Bastian Pusch („Bully Parade“, „Happy birthday Lang Lang!“). Vor Ihrem Auftritt in der Pasinger Fabrik am Donnerstag (11. Oktober) sprechen die beiden im Interview über ihr kongeniales Zusammenwirken, Genreschubladen und ihr skurrilstes Tour-Erlebnis. Continue reading “„Slapstick-Psychodrama.“” »

09. Oktober 2012
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“Herz, Kopf und Unterleib.”
von

Räuberpistole, subtile: Am Freitag (21. September) findet die Premiere von „Der Schatten eines Fluges“ im Dachauer Ludwig-Thoma-Haus statt, eine brilliante Adaption des legendären bayerischen Volksstücks „Räuber Kneißl“ (weitere Termine am 22., 28. und 29. September, jeweils 20 Uhr). Die Musik kommt unter anderem vom Oberammergau-Quartett “Kofelgschroa”. Die Münchner Schauspielerin und Volkssängerin Julia Loibl spielt die weibliche Hauptrolle, man kennt sie auch als eine Hälfte von „Hasemanns Töchter“ und aus dem Fernsehen. Im Interview spricht sie über ihre Schauspielleidenschaft, das nötige Durchhaltevermögen in der Branche und ihre Meilenstein- Begegnung.

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21. September 2012
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„Ich warte, bis Polanski anruft.“
von

Außergewöhnlich opulent arrangierte Hymnen, atmosphärisch elektrisierend zwischen den Polen Melancholie und Hoffnung oszillierend. Sie haben Konstantin Gropper und seinem Musikprojekt „Get Well Soon“  Lorbeeren der internationalen Musikpresse, eine Einladung zum legendären Glastonbury Festival, Charterfolge und Touren durch Europa eingebracht. Am 24. August erscheint mit „The scarlet beast o`seven heads“ (City Slang) das dritte Album von „Get Well Soon“. Vor dem Konzert in München am 17. September in der Theaterfabrik spricht GWS-Mastermind Konstantin Gropper im Interview über Erwartungshaltung nach dem Hype, das neue Album und seinen bevorstehenden 30. Geburtstag. Continue reading “„Ich warte, bis Polanski anruft.“” »

20. August 2012
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„Hauptwohnsitz ist mein Kopf.“
von

Unverwechselbar in seiner Sprachgewalt, kompromisslosen Deutlichkeit, mimischen Ausdruckskraft und Vielstimmigkeit: Der legendäre Passauer Kabarettist Sigi Zimmerschied gastiert mit seinem aktuellen Programm „Reisswolf“ vom 16. August bis 8. September (jeweils Donnerstag bis Samstag) im Fraunhofer Theater. Ein packendes Kammerspiel, in dem ein erpresserischer Aktenvernichter aus dem Nähkästchen plaudert. Abgründe sind im Kleinen wie größeren Ganzen wie immer bei Zimmerschied zur Genüge inbegriffen: Großartig erschütternd komisch. Im Interview spricht Zimmerschied über Erpresserpotential, München, Fraunhofer Theater und Passau, Fernsehpräsenz und neue Projekte. Continue reading “„Hauptwohnsitz ist mein Kopf.“” »

01. August 2012
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„Der Papst hatte keine Zeit.“
von

Kabarett und Jonglieren: Christoph Sieber hat beides drauf. Am Montag hat der Diplom-Pantomime den Bayerischen Kabarettpreis erhalten (Kategorie „Senkrechtstarter“). Das Bayerische Fernsehen sendet die Aufzeichnung der Preisverleihung am Freitag, 20. Juli um 22.30 Uhr. Im Interview spricht Sieber, der im SWR das TV-Kabarett-Format „Spätschicht“ moderiert, über Bayern, Willy Astor und sein aktuelles Bühnenprogramm. Für das er im Herbst wiederkommt: Die München-Premiere von „Alles ist nie genug“ findet am 16. September in der Lach-und Schieß-Gesellschaft statt.

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17. Juli 2012
Feiern & Kultur | Kommentieren


Der Polt-Kosmos
von

In Feuilleton, Funk und Fernsehen: Im Frühjahr ist Gerhard Polt hierzulande groß gefeiert worden. Anlässlich seines 70. Geburtstags. Nun findet am Mittwoch (11. Juli) im Münchner Literaturhaus die Finissage statt zur multimedialen Polt-Ausstellung “Braucht`s des?!“, die noch bis zum 15. Juli zu sehen ist. Danach kann man sich den legendären Ausnahmekabarettisten mittels aktueller Gesamtwerkschau weiter umfassend erlesen und anhören. Eine Rezension.

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10. Juli 2012
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“Mit Pelzig würde ich mich gut verstehen.”
von

Mit seiner pfiffigen Kleinbürger-Kunstfigur „Pelzig“ ist Frank-Markus Barwasser einem TV-Millionenpublikum bekannt ( „Neues aus der Anstalt“ und „Pelzig hält sich“). Nun kehrt der 52-jährige Würzburger mit seinem aktuellen Programm „Pelzig stellt sich“ zurück auf die Bühne. Vor der München-Premiere am Mittwoch im Lustspielhaus und weiteren Auftritten in Circus Krone (12. Juli) und Schlachthof (18. bis 22. Juli) spricht Barwasser im Interview über Ideenfindung, seine kabarettistischen Anfänge und die unterschiedliche Herangehensweise Bühne-Fernsehen. Continue reading ““Mit Pelzig würde ich mich gut verstehen.”” »

26. Juni 2012
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Helge naht
von

Er ist zurück. Ende Januar hat er im Volkstheater den „Großen Karl Valentin-Preis“ verliehen bekommen. Von Donnerstag bis Samstag (17. bis 19. Mai) spielt er nun wieder in München: Helge Schneider, jener furiose Jazzmusiker und einer der großen Komiker unserer Tage.

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13. Mai 2012
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Polt liest Graf РLests`n. H̦rts`n. Schauts`n an.
von

Spürbar auf einer Wellenlänge mit Oskar Maria Graf: Gerhard Polt, in seiner parodistisch demaskierenden Treffsicherheit und stoischen Unangepasstheit ebenbürtiger Satiriker. Dementsprechend fesselnd authentisch trug er am Freitag im Literaturhaus vor aus dem Werk der anarchistischen bayerischen Schriftstellerlegende (1894-1967). In der ihm eigenen meisterhaft in diverse Charaktere hineinschlüpfenden Inbrunst machte Polt den literarisch-musikalischen Oskar-Maria-Graf-Abend zur packenden mitunter brüllend komischen Zeitreise. Continue reading “Polt liest Graf – Lests`n. Hörts`n. Schauts`n an.” »

15. April 2012
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Occupy anders vorgestellt
von

Das Jonglieren mit Zahlen, Immobilien, Menschen. Sprich: Die Finanzwelt. Der Kabarettist Claus von Wagner hat sie sich vorgenommen in seinem denkanstoßend tiefgründigen wie pointenreichen neuen Programm. „Theorie des feinen Menschen“ feierte am Dienstag Premiere in der Lach-und Schieß-Gesellschaft und ist dort bis 14. April zu sehen.

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04. April 2012
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Endgültige Satire. Hochdrei.
von

Sie lassen es gut sein: Die Satiriker Martin Sonneborn, Oliver Maria Schmitt und Thomas Gsella. Am 11. März geben sich die Ex-Chefredakteure von „Titanic. Das endgültige Satiremagazin“ im Volkstheater als „Titanic Boygroup“ letztmals in München die Ehre. Continue reading “Endgültige Satire. Hochdrei.” »

05. März 2012
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Ehre, wem Ehre gebührt
von

Der Kabarettist Gerhard Polt demaskiert spießbürgerliche Biedermännerabgründe. In Filmen wie „Kehraus“ und „Herr Ober“, Fernsehserien wie „Fast wia im richtigen Leben“, in Büchern, Hörspielen und auf der Bühne.  Seit über 30 Jahren: Meisterhaft. Unverwechselbar. Mit Ingrimm und Inbrunst. Brüllend komisch. Erschreckend authentisch und dreidimensional. Vielfach prämiert. Gerhard Polts 70. Geburtstag im Mai nimmt das Münchner Literaturhaus zum Anlass, ihm ab Freitag eine großartige Ausstellung zu widmen. Continue reading “Ehre, wem Ehre gebührt” »

02. März 2012
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Brüder im Geiste
von

Sehr rhetorische Frage: Wer, wenn nicht er? Helge Schneider, furioser Meister des geistreichen Unsinns und Multiinstrumentalist, erhält am Sonntag, den 22. Januar um 11.11 Uhr  den „Großen Karl-Valentin-Preis“ im Volkstheater.

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10. Januar 2012
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Heimspiel der Schubladensprengmeister
von

Am Sonntag ist es soweit gewesen: La Brass Banda aus Übersee am Chiemsee haben sie gerockt, die nahezu ausverkaufte  Olympiahalle, mit ihren Flugzeughangardimensionen musikalisch ansonsten meist (inter)nationalem Mainstream vorbehalten.

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05. Dezember 2011
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Ein sanitäres Rauschen geht durch den Raum
von

„Mathias Tretter möchte nicht dein Freund sein.“ So heißt das webzweinullkritische neue Solo-Programm von Mathias Tretter. Seines Zeichens vielfach preisgekrönter Kabarettist und Mitglied des „Ersten Deutschen Zwangsensembles“ (mit den Kollegen Claus von Wagner und Philipp Weber). Am Sonntag fand die umjubelte München-Premiere im ausverkauften Lustspielhaus statt. Continue reading “Ein sanitäres Rauschen geht durch den Raum” »

21. November 2011
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Beide oben
von

Am Donnerstag hat „Stermann“ München-Premiere gefeiert: Das neue Programm des kongenialen österreichisch-deutschen Satire-Duos Grissemann und Stermann („Willkommen Österreich“, „Salon Helga“, „Immer nie am Meer“). Auch Freitag und Samstag (7. und 8. Oktober) ist das bitterböse Gagfeuerwerk im Lustspielhaus zu sehen. Continue reading “Beide oben” »

07. Oktober 2011
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Alles beim Alten
von

Wenn er in der von ihm mitgegründeten Münchner „Lach-und Schießgesellschaft“ auftritt, ist lange vorher ausverkauft: Dieter Hildebrandt, personifizierter Kabarett-Inbegriff, Schauspieler („Kir Royal“, „Kehraus“), Mastermind der TV-Satire-Erfolgsformate „Scheibenwischer“ und „Notizen aus der Provinz.“ Per Hörbuch besteht nun nichtsdestotrotz die Gelegenheit, in den Genuss seines aktuellen Programms „Ich kann doch auch nichts dafür“ zu kommen. Continue reading “Alles beim Alten” »

05. September 2011
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Die Wahrheit auf und neben dem Platz
von

Dieser Tage ist Philipp Lahms viel beachtete literarische Fußball-Exkursion „Der feine Unterschied“, Karriere-Zwischenfazit und Nachwuchskicker-Leitfaden, erschienen. Am 25. September liest der FC Bayern- und DFB-Kapitän daraus im Volkstheater. Continue reading “Die Wahrheit auf und neben dem Platz” »

02. September 2011
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